In diesen Tagen startet ein von der Europäischen Union (EU) im Rahmen des Erasmus+ Programms mit rund 370.000 Euro gefördertes Kooperationsprojekt in der Archäologie.

Unter der Leitung des Instituts für Klassische Altertumskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bringen die Universitäten in Kiel, Aarhus, Bergen, Paris, Birmingham und die Offene Universität der Niederlande gemeinsam die strategische Partnerschaft “Ancient Cities. Creating a Digital Learning Environment on Cultural Heritage“ (deutsch: „Städte des Altertums – Schaffung einer digitalen Lernumgebung zum kulturelle Erbe“) auf den Weg. Ziel des europaweiten Kooperationsprojekts ist es, am Beispiel der antiken Stadt kulturelles Erbe digital zu erschließen. Während der dreijährigen Laufzeit soll in dem internationalen Lehrprojekt ein innovatives, paneuropäisches digitales Lernmodul entwickelt werden: Zusammen mit Studierenden der Archäologie erstellen Forscherinnen und Forscher an den verschiedenen Hochschulstandorten einen sogenannten Massive Open Online Course (MOOC), also ein filmbasiertes und interaktives Lernformat, an dem Interessierte standortunabhängig über das Internet teilnehmen können. So wollen die Projektteilnehmenden anhand der Forschung zu verschiedenen antiken Stätten zentrale Inhalte der Klassischen Archäologie in einem zeitgemäßen Lehrformat aufbereiten. Vergangene Woche kamen die Projektverantwortlichen zu einem dreitägigen Auftakttreffen des europäischen Kooperationsprojekts an der Universität Kiel zusammen.

„Wir freuen uns, mit dieser strategischen Partnerschaft ein zukunftsweisendes und in der Archäologie einzigartiges Projekt gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern in Angriff nehmen zu können. Wir hoffen, damit die Didaktik der Altertumskunde ins 21. Jahrhundert zu überführen und die junge Generation für die Faszination der Antike zu gewinnen“, betont Stefan Feuser, Projektkoordinator und Professor auf Zeit für Klassische Archäologie an der CAU. Bereits im Laufe des kommenden Jahres werden erste digitale Lerninhalte entstehen, die die beteiligten Institutionen in das Curriculum ihrer jeweiligen Archäologie- und Altertumskunde-Studiengänge integrieren wollen. Neben dem sogenannten MOOC ist ein gemeinsamer projektbegleitender Internetauftritt geplant. Die sukzessiv entstehenden Lernmedien stehen zunächst den Studierenden der kooperierenden Universitäten zur Verfügung und werden in einem nächsten Schritt auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit erfüllen die Projektverantwortlichen unter dem Schlagwort „Open Science“ die Anforderungen an allgemein zugängliche und transparente Wissenschaft.

Mit diesem europaweit einzigartigen Projekt wollen die Partnerinstitutionen nicht nur ihr Fach in zeitgemäßer Form präsentieren, sondern vor allem ihre künftigen Absolventinnen und Absolventen in besonderer Weise für die moderne Arbeitswelt in Wissenschaft und Praxis qualifizieren. „Unsere Studierenden können in vielfältiger Weise vom Ancient-Cities-Projekt profitieren – sie erwerben neben dem archäologischen Fachwissen Qualifikationen in der Medienproduktion, verbessern ihre Sprachkenntnisse und lernen die internationale akademische Zusammenarbeit kennen. Wir hoffen, so den Grundstein für anschließende europaweite Forschungskooperationen in der klassischen Archäologie zu legen“, gibt sich Dr. Michael Blömer, Assistenzprofessor an der Universität Aarhus, optimistisch.

Über das EU-Förderprogramm:
Erasmus+ ist das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. In ihm werden die bisherigen EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Hochschulbereich zusammengefasst. Erasmus+ ist mit einem Budget in Höhe von rund 14,8 Mrd. Euro ausgestattet. Mehr als vier Millionen Menschen werden bis 2020 von den EU-Mitteln profitieren. Das auf sieben Jahre ausgelegte Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Kinder- und Jugendhilfe voranbringen.

Weitere Infos zu dem Kooperationsprojekt gibt es hier.

Quelle:
Dr. Boris Pawlowski
Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Nach dem Sensationsfund von Teilen der Kolossalstatue des berühmten Pharaos Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.) im März dieses Jahres in Kairo sind jetzt bei neuen Grabungen weitere archäologische bedeutende Funde freigelegt worden.

Ein ägyptisches-deutsches Team unter der Leitung von Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig und Dr. Aiman Ashmawy vom Ägyptisches Antikenministerium und in Zusammenarbeit mit Prof. Kai-Christian Bruhn von der Hochschule Mainz stieß in der letzten Phase seiner Grabungen Ende September auf dem Gelände des Tempels von Heliopolis auf weitere Fragmente der Psammetich-Statue. Entdeckt wurden unter anderem drei riesige, etwa zehn Zentimeter breite Zehen des Pharaos sowie ein wichtiger Teil des Rückenpfeilers mit dem Namen Psammetichs I. Für eine große Überraschung sorgte allerdings der Fund von Fragmenten einer Kolossalstatue von Ramses II. (1250 v. Chr.).

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Teil der Heilerstatue aus dem 4.Jh.v. Chr. 
Foto: Dr. Dietrich Raue/Universität Leipzig

Im März dieses Jahres war zunächst vermutet worden, dass es sich bei der tonnenschweren Statue um Ramses II. handelt, da diese auf dem Areal des früheren Tempels von Ramses II. entdeckt wurde. Schnell stellten die Experten damals jedoch klar, dass in einer Schlammgrube in zwei Metern Tiefe der Kopf mit Krone und der Torso von Psammetich I. gefunden wurden. „Die neuen Teile der Statue von Ramses II. sind aus Rosengranit und stammen aus der Zeit um 1250 vor Christus, sind also rund 600 Jahre älter als die Psammetich-Statue“, erklärt Raue, der von Ende August bis Anfang Oktober in Kairo war. Die jetzt neu entdeckten Teile befinden sich bereits nahe der Pyramiden von Gizeh, wo sie ab kommendem Jahr im Grand Egyptian Museum zu sehen sein werden.

Insgesamt stellte das Grabungsteam 1.920 Quarzit-Fragmente des Unterteils der Psammetich-Statue sicher, die zwischen 10 und 150 Zentimeter groß sind und nun zusammengesetzt werden müssen. Dazwischen fanden sie Teile der Ramses-Figur, unter anderem eine Basis, einen Unterschenkel und einen Oberarm des Pharaos. „Die Statue war ersten Schätzungen zufolge etwa sechs Meter hoch und wahrscheinlich sitzend“, sagt Raue. Mit Sicherheit könne er nun auch sagen, dass die riesige Quarzit-Figur Psammetichs gestanden habe und ohne Basis etwa neun Meter hoch war.

Zuvor hatten die Experten außerdem Reste eines riesigen Sphinx gefunden, unter anderem eine 32 Zentimeter breite Kralle. Ebenso wurden Reste eines etwa fünf bis sechs Meter hohen Falken entdeckt. Allein sein Auge ist 30 Zentimeter breit. Als „zusätzliche Überraschung“ bezeichnete Raue die Basalt-Fragmente einer sogenannten Heiler-Statue – eines Priesters aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Dies sei der jüngste Fund gewesen. „Das meiste haben wir bei unserem letzten Grabungsversuch am 28. September auf einem Areal von vier mal drei Metern gefunden“, berichtet der Ägyptologe. Der Mix aus verschiedenen Zeitaltern und Materialien auf kleinstem Raum sei entstanden, weil in der Vergangenheit immer wieder Steinräuber am Werk waren, die härtere Gesteinsteile der Statuen nicht für ihre Bauvorhaben verwenden konnten und daher auf dem Areal von Heliopolis zurückließen.

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Teile der gefundenen Zehen von Psammetich I.
Foto: Dr. Dietrich Raue/Universität Leipzig

Raue, der gemeinsam mit zwei Ägyptologie-Studenten der Universität Leipzig nach Kairo gereist war und vor Ort mit dem Ägyptologen Ashmawy eng zusammenarbeitete, wird die Grabungen im Februar 2018 fortsetzen und erwartet weitere interessante Funde. „Jetzt ist es eine Frage der Zeit. Wir müssen puzzeln“, sagt er. Die Vielfalt und die Ausmaße der ausgegrabenen Fragmente geben neue Möglichkeiten, die ursprüngliche Gestalt des Tempels zu rekonstruieren. Zugleich gab die Untersuchung der Statuenbasen vollkommen neue Einblicke zum Fortschritt der verwendeten Werkzeuge und Techniken.

Weitere Infos zu den Funden in Kairo gibt es hier.

Quelle:

Susann Huster
Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Eine Projektgruppe der Universität Leipzig erforscht den berühmten „Stein von Rosette“. Das monumentale Fragment einer steinernen Stele mit einer dreisprachigen Inschrift aus dem Jahr 196 v. Chr. soll mit modernen digitalen Analysemethoden untersucht und für jedermann im Internet präsentiert werden. 

In die Tafel, die sich im British Museum in London befindet, wurden sinngemäß gleichlautend drei untereinander stehende Schriftblöcke eingemeißelt. Auf Grundlage dieser dreisprachigen Inschrift war es dem Franzosen Jean-Francois Champollion im Jahre 1822 möglich, die Hieroglyphen zu entziffern.

Das Leipziger Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, den Stein von Rosette in einer digitalen Präsentation im Internet zugänglich zu machen. Dabei sollen neue Methoden der digitalen Geisteswissenschaften angewandt werden. „Es wird nicht nur Übersetzungen in mehrere moderne Sprachen geben, sondern auch sprachwissenschaftliche Verlinkungen zu verschiedenen Themen“, erklärt Projektleiterin Dr. Monica Berti vom Humboldt Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Leipzig. Dr. Franziska Naether vom Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig ergänzt: „Uns ist es wichtig, dass auch die Studenten von Anfang an mit den neuen Methoden vertraut gemacht werden.“ Das Projekt wird zum Wintersemester 2017 starten und läuft insgesamt ein Jahr. Alle Interessierten sind herzlich zu einer Auftakt-Präsentation am 5. Oktober von 16 bis 17 Uhr in den Hörsaal 8 (Hörsaalgebäude Campus Augustusplatz) eingeladen.

Gefördert wird das Projekt aus Bundesmitteln für die Lehre („StiL – Studieren in Leipzig“). Zwei Mitarbeiterinnen werden eingestellt. Kooperationen mit Forschern der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, des British Museum London, der Humboldt-Universität Berlin und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind geplant.

Hintergrund zum Stein von Rosette:

Bei dem monumentalen Denkstein handelt es sich um ein Dekret, das der ägyptische Pharao und Priester im Jahre 196 v. Chr. miteinander ausgehandelt haben. Es ehrt den ägyptischen König Ptolemaios V. Der Text enthält Gesetze, aber auch Kultvorschriften und Vergünstigungen für die ägyptischen Tempel. Die große Besonderheit ist, dass das Dekret in drei Sprachen und Schriften vorliegt: in Hieroglyphen, auf Demotisch und auf Altgriechisch. Das Wissen über die Lesung des Altgriechischen war nicht verloren gegangen, aber das über die Lesung der beiden ägyptischen Schriften.

Weitere Infos zu dem Leipziger Projekt gibt es hier.

Der "Stein von Rosette"

Der „Stein von Rosette“. wiki commons / von Olaf Herrmann

Quelle:
Susann Huster
Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Restauratoren und Wissenschaftler des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) erforschen zur Zeit in einem deutsch-amerikanischen Kooperationsprojekt archäologische Überreste aus der antiken Stadt Morgantina (Sizilien, Italien): Mehr als 2500 Bronze-Objekte – insbesondere aus den drei Jahrhunderten vor Christi Geburt – geben den Experten des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie Aufschluss über vergangene Besiedelungen und weitreichende Fernkontakte.

„Die Funde stellen wohl den größten und bedeutendsten Komplex ihrer Art im gesamten Mittelmeerraum dar. Viele dieser Stücke sind Jahrzehnte nach der Ausgrabung immer noch nicht restauriert worden, was aber für eine grundlegende wissenschaftliche Bewertung eine zwingende Voraussetzung ist“, erklärt der Projektleiter, PD Dr. Holger Baitinger (RGZM), und ergänzt: „schon die Freilegung einer bestimmten Verzierung auf einem dieser aus Bronze hergestellten antiken Objekte kann uns bei der wissenschaftlichen Einordnung einen großen Schritt voranbringen und Forschungsergebnisse präzisieren.“ Mehrere Wochen lang ergänzen drei Nachwuchsrestauratoren des dualen Bachelor-Studiengangs »Archäologische Restaurierung« die Arbeit der Archäologen vor Ort. Der Auslandsaufenthalt bildet einen wichtigen Bestandteil ihrer Ausbildung am RGZM, die gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erfolgt.

Seit 2015 ist das wissenschaftliche Projekt, das die Metallfunde aus dem antiken Morgantina näher untersucht, im Forschungsfeld „Kulturkontakte“ des RGZM angesiedelt. Die restauratorische Expertise aus dem RGZM begleitet die amerikanischen Grabungen in Morgantina bereits seit Mitte der 1990er Jahre. Aus den Erkenntnissen der vergangenen Grabungen sind sich die Wissenschaftler einig, dass das Areal quasi bruchlos von der späten Bronzezeit (10. Jh. v. Chr.) bis in die Zeit um Christi Geburt besiedelt war. Eine große Überraschung stellen insbesondere zahlreiche „keltische“ Gewandspangen dar, die auf die Anwesenheit fremder Personen aus dem oberitalisch-alpinen Raum hinzuweisen scheinen. 1955 begannen die Ausgrabungen unter Leitung der Princeton University; sie werden bis heute durch amerikanische Archäologen von verschiedenen Universitäten fortgeführt. Die bisherigen Funde werden im Archäologischen Regionalmuseum vor Ort ausgestellt.

Forschungsfeld „Kulturkontakte“

Kulturkontakte prägen in starkem Maße die moderne Welt und unseren Alltag, hatten auf vor- und frühgeschichtliche Gruppen und Gesellschaften tiefgreifende und oftmals nachhaltige Auswirkungen. Die Untersuchung kultureller Kontakte bildet eine wichtige Basis, um Prozesse und Entwicklungen in unserer heutigen Gesellschaft besser verstehen zu können und bietet damit wertvolles Orientierungswissen. Ihre Erforschung innerhalb des Forschungsfelds erleichtert es den Wissenschaftlern des RGZM deshalb, heutige Entwicklungen und Verhaltensweisen besser zu begreifen.

Mehr über das Forschungsfeld Kulturkontakte des RGZM.

Quelle:

Ebru Esmen
Bildung und Kommunikation
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

In einem Modellprojekt soll das über 23 Meter lange und gut 2.500 Jahre alte Schriftstück der „lah-tes-nacht“ nachhaltig vor dem Zerfall gesichert werden. 

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) unterstützt in der Modellprojektförderung 2017 den Erhalt des altägyptischen Totenbuchs der „lah-tes-nacht“ (Papyrus Coloniensis 10207). Der einzigartige Papyrus befindet sich im Besitz der Abteilung Ägyptologie der Universität zu Köln und ist mit einer Länge von 23,5 Metern der längste altägyptische Papyrus in Deutschland. Die Förderung in Höhe von über 64.000 Euro soll es ermöglichen, eine neue modellhafte Lagerungstechnik für den wertvollen Riesenpapyrus zu entwickeln.
„Auch wenn der Papyrus uns bereits so viele Jahrhunderte mehr oder weniger erhalten geblieben ist, ist sein aktueller Zustand kritisch“, sagt Professor Dr. Richard Bußmann, Ägyptologe von der Universität zu Köln und Antragsteller des Projekts. „Wir freuen uns, dass wir mit dem bewilligten Projekt eine neue Konservierungsmethode erstmals in so großem Maßstab werden anwenden können.“
In den 1970er Jahren hatte man die gigantische Schriftrolle in insgesamt 36 Blätter zerschnitten und diese mit Tesa-Filmstreifen auf Glasplatten geklebt. Stellenweise ungeschützt und im Kontakt mit der Luft wurde das Naturmaterial jedoch mürbe – es bröselt. „Unser Ziel ist es, das Kulturgut klimastabil und damit nachhaltig lagern zu können. Dazu arbeiten wir mit Professor Dr. Robert Fuchs von der Technischen Hochschule Köln zusammen. Sein Team restauriert die Papyrusteile, untersucht sie naturwissenschaftlich und baut neuartige Rahmen“, erklärt Bußmann.
Die Papyrusfragmente werden auf farblich passendes Japanpapier aufgebracht, kommen dann auf gepufften Karton, auf eine Honigwaben-platte und auf einen archivbeständigen Museumskarton. Durch dieses Schichtwerk in Kombination mit einem innovativen Rahmenkonstrukt und UV-protektierenden Glasplatten wären die Papyri ideal geschützt. Die Ausstellung, der Transport und die Lagerung der Schriftstücke sind dank dieser Maßnahmen problemlos möglich und machen das wissenschaftlich gefragte Untersuchungsobjekt mobiler. Auf diese Weise ist der Papyrus für Forschung, Studierende und Öffentlichkeit besser zugänglich.

In dem Totenbuch aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., das einer Ägypterin namens lah-tes-nacht gehörte, findet sich eine Sammlung von Totensprüchen. Der Papyrus ist ein herausragendes Beispiel für die Kanonisierung des Jenseitswissens in dieser Epoche. Zugleich liefert er Aufschluss über die altägyptische Schreibpraktik und die Integration von textlichen und bildlichen Elementen in der Weitergabe von wichtigem kulturellem Wissen aus der Spätzeit der pharaonischen Kultur.

Mehr Infos zum längsten Papyrus auf der Seite der Universität zu Köln.

Quelle:
Gabriele Meseg-Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Universität Tübingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren präsentieren 42.000 Jahre alten Schmuck aus Mammutelfenbein: Herstellung und Tragen waren wohl nur auf der Schwäbischen Alb Tradition.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen haben in den Weltkulturerbe-Höhlen des Achtals und Lonetals Perlen aus Mammutelfenbein gefunden, die in ihrer Machart bislang ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vorkommen. Am Fundort Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal wurden zudem Perlenformen ausgegraben, die gänzlich einmalig für diese Höhle zu sein scheinen.

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Die dreifach durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein wurden bisher nur im Hohle Fels gefunden. Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen

„Diese Schmuckstücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art: neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die frühesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein.
Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben – eventuell als Ausdruck einer Konkurrenz-Situation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit“, sagte Professor Nicholas Conard, wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren. „Und wir können sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.“

Die archäologischen Ausgrabungen im Hohle Fels bei Schelklingen liefern jährlich faszinierende Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit. Aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind, wurden im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Schmuckstücke ausgegraben.
So haben die Grabungsteams der Universität Tübingen in den Höhlen des Achtals wie auch des Lonetals über die Jahre hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen. Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen Stück. In ihrer Herstellungsart kommen sie ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vor. Zudem sind die Schmuckstücke aus den schwäbischen Höhlen der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit. Noch spezieller sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schichten des Hohle Fels im Achtal. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden äußeren Löcher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp ist nur vom Fundort Hohle Fels bekannt und besitzt derzeit keine Parallelen zu anderen Funden.

Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schwäbischen Alb bekannt sind, zeigt für die Wissenschaftler, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentität waren. „Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden; dieser Perlentyp war offensichtlich für die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt“, sagt Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin und Mitarbeiterin des Senckenberg Centre HEP. Zudem träten die Perlen über einen Zeitraum von 6.000 Jahren auf: „Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.“

Weitere Infos zu den Perlenfunden gibt es hier.

Quelle:
Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Über diese erfreuliche Nachricht berichtet u.a. Die Zeit. Zum Artikel geht es hier.

Anthropologen des Deutschen Archäologischen Instituts entdecken rituelle Ritzungen an 11.000 Jahre alten menschlichen Schädeln.

Die Deutung des steinzeitlichen Kultplatzes Göbekli Tepe in der Südost-Türkei beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Die monumentalen Anlagen mit ihren großartigen Tierornamenten weisen auch Darstellungen geköpfter Menschen auf, die auf eine Nutzung des Platzes im Rahmen von rituellen Handlungen deuten. Fragmente menschlicher Schädel, die im Bereich der Anlagen gefunden wurden, geben erste Hinweise auf einen neuartigen Totenkult.

Göbekli Tepe Südost-Senke

Göbekli Tepe Südost-Senke (Copyright DAI)

Vollständige Bestattungen fehlen bisher in Göbekli Tepe, allerdings konnten aus dem Füllmaterial, das sich in den großen Steinkreisen befand, etwa 700 menschliche Knochenfragmente geborgen werden. Abgesehen von anderen interessanten Veränderungen an den Knochen, wurden Schädelfragmente gefunden, die eine auffällige Besonderheit aufwiesen: Bei drei erwachsenen Individuen ziehen tiefe Ritzungen mittig über den Schädel. Die tiefen Kerben wurden grob mit Feuerstein geschnitten und sind vor allem an den prominenten Stellen der Schädel zu finden. Eine weitere Besonderheit ist ein gebohrtes Loch an der höchsten Stelle des besterhaltenen Schädels. Mikroskopische Untersuchungen belegen, dass alle Veränderungen nach dem Tod der Menschen durchgeführt wurden.

Was taten die Menschen vor 11.000 Jahren in den Steinkreisen zwischen den riesigen T-Pfeilern in Göbekli Tepe? Warum ritzten sie mit Feuerstein tiefe Spuren in die Schädel ihrer Vorfahren oder Feinde?

Der menschliche Schädel übt seit dem Paläolithikum bis heute eine besondere Faszination auf den Menschen aus. In vielen Gesellschaften werden die Schädel der Vorfahren oder der Feinde an einem besonderen Platz aufbewahrt oder ausgestellt. Zu diesem Zweck werden sie häufig aufwendig geschmückt. Die Schädel repräsentieren die Ahnen mit ihren beschützenden Eigenschaften oder aber auch die bösen Mächte der Feinde.
Im Neolithikum des Vorderen Orients spielte der Schädelkult eine wichtige Rolle. Auf verschiedenen Fundplätzen wurde bei vielen Bestattungen nachträglich der Schädel entfernt und an einem anderen Platz aufbewahrt. Schädel wurden häufig dekoriert, entweder durch Bemalung oder durch Nachbildung eines Gesichts aus Gips, der auf den Knochen aufgetragen wurde, wobei Muscheln die Augen bildeten.

Fragmente menschlicher Schädel mit Ritzungen

Fragment eines Schädels mit Ritzungen (J. Gresky/ Copyright DAI Zentrale)

Obwohl die Schädel von Göbekli Tepe nur stark fragmentarisch erhalten sind, lässt sich der Verlauf der Ritzungen rekonstruieren. Möglicherweise hatten sie eine praktische Funktion und dienten einer Schnur als Unterlage, mit der der Unterkiefer am Schädel befestigt wurde. Das Loch könnte eine Vorrichtung zum Aufhängen des Schädels gewesen sein. Abgesehen von dieser rein praktischen Interpretation ist auch eine Deutung der Ritzungen als aktiver Prozess der Stigmatisierung bestimmter Individuen möglich.

Auf die Wahrscheinlichkeit einer kultischen Bedeutung weist die Einzigartigkeit der Ritzungen der Schädelfragmente aus Göbekli Tepe hin. Sie lassen Rituale vermuten, die anscheinend eine große Bedeutung für die damalige Gesellschaft hatten und spezifisch für diesen Kultplatz waren. Die Tatsache, dass Vergleiche mit Schädelmodifikationen zeitgleicher Stätten im Vorderen Orient oder aus ethnographischen Berichten, keine Parallelen zeigen, unterstreicht die besondere Bedeutung der Schädelverzierungen und damit die Wichtigkeit des Fundplatzes Göbekli Tepe als kultisches Zentrum.

Göbekli Tepe ist Schwerpunkt eines DFG-Langzeitförderprojektes (Die frühholozäne Gesellschaft Obermesopotamiens und ihre Subsistenz) an der Orient Abteilung und der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Institutes. Darüber hinaus umfasst das Projekt wissenschaftliche Untersuchungen zur Archäozoologie (LMU München) sowie zur physischen Geographie (Freie Universität Berlin). Sämtliche Forschungsarbeiten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Kulturgüter und Museen des Ministeriums für Kultur und Tourismus in Ankara sowie mit dem Şanlıurfa Museum.

Weitere Infos zu den rituellen Ritzungen gibt es hier. 

Quelle:

Nicole Kehrer M.A.
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Archäologisches Institut

Forscher entdecken in Marokko die bislang ältesten Fossilien unserer Art.

Neue Fossilien und Steinwerkzeuge aus Jebel Irhoud (Marokko) belegen den Ursprung des heutigen Menschen vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Diese Fossilien sind rund 100.000 Jahre älter als die ältesten bislang bekannten Homo sapiens-Funde und dokumentieren, dass bereits vor zirka 300.000 Jahren wichtige Veränderungen im Aussehen und Verhalten des modernen Menschen in ganz Afrika stattgefunden haben.

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Leipzig) und Abdelouaded Ben-Ncer vom Nationalen Institut für Archäologie (INSAP, Rabat, Marokko) hat bei archäologischen Ausgrabungen in Jebel Irhoud (Marokko) fossile Knochen des Homo sapiens sowie Tierknochen und Steinwerkzeuge entdeckt. Die Funde sind rund 300.000 Jahre alt, und damit die ältesten sicher datierten fossilen Belege unserer eigenen Art — 100.000 Jahre älter als die bis dato ältesten Homo sapiens-Funde in Äthiopien. Zwei Artikel in der Fachzeitschrift Nature vom 8. Juni 2017 (Hublin et al. 2017 und Richter et al. 2017) beschreiben eine komplexe Evolution des modernen Menschen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.

Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die ältesten bisher bekannten Homo sapiens-Fossilien stammen aus Äthiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, Herto wird auf 160.000 Jahre datiert. Die meisten Forscher gingen deshalb davon aus, dass alle heute lebenden Menschen von einer Population abstammen, die vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika lebte. „Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag“, erklärt der Leipziger Paläoanthropologe Jean-Jacques Hublin. „Unsere Daten zeigen aber, dass sich Homo sapiens bereits vor etwa 300.000 Jahren über den gesamten Kontinent ausgebreitet hat. Lange bevor der moderne Mensch Afrika verließ, hat er sich bereits innerhalb Afrikas ausgebreitet.“

Die Fundstelle in Jebel Irhoud in Marokko ist bereits seit den 1960er Jahren für menschliche Fossilien und Steinwerkzeuge bekannt. Die Interpretation dieser Funde wurde allerdings durch eine unsichere Datierung erschwert. Neue Ausgrabungen seit dem Jahr 2004 führten zur Entdeckung weiterer Skelett-Reste des Homo sapiens (die Anzahl der Fossilien wuchs so von ursprünglich sechs auf 22 an). Die Funde von Jebel Irhoud umfassen die versteinerten menschlichen Überreste von Schädeln, Unterkiefern, Zähnen, und Langknochen von mindestens fünf Individuen und dokumentieren eine frühe Phase der menschlichen Evolution. Das Team um den Geochronologie-Experten Daniel Richter vom Max-Planck-Institut in Leipzig (jetzt bei Freiberg Instruments GmbH) bestimmte das Alter erhitzter Feuersteine aus den archäologischen Fundschichten mithilfe der sogenannten Thermolumineszenzmethode auf rund 300.000 Jahre. Daniel Richter erklärt: „Gut datierte Fundstellen aus dieser Zeit sind in Afrika außergewöhnlich selten. In Jebel Irhoud hatten wir Glück, dass so viele Steinwerkzeuge erhitzt worden waren. Deshalb konnten wir die Thermolumineszenzmethode anwenden, um die Fundschichten genau zu datieren“.

Darüber hinaus konnte das Team das Alter eines in den 1960er Jahren gefundenen Unterkiefers aus Jebel Irhoud neu berechnen. Dessen Alter war vor einigen Jahren mittels einer speziellen Elektronen-Spin-Resonanz Datierung auf 160.000 Jahre geschätzt worden. Eine Neuberechnung auf Grund von direkten Messungen der Radioaktivität in Jebel Irhoud ergab jedoch ein deutlich höheres Alter, das mit den Ergebnissen der Thermolumineszenz übereinstimmt. „Für die genaue Altersbestimmung in Jebel Irhoud haben wir die modernsten Datierungsmethoden und die konservativste Berechnung eingesetzt“, erläutert Daniel Richter.

Die Schädel heute lebender Menschen zeichnen sich durch eine Kombination aus Merkmalen aus, die uns von unseren fossilen Vorfahren und Verwandten unterscheiden: ein kleines Gesicht und einen runden Gehirnschädel. Die Fossilien von Jebel Irhoud haben einen modernen Gesichtsschädel und eine moderne Form der Zähne, und einen großen aber archaisch anmutenden Gehirnschädel. Hublin und sein Team konnten mit modernster Computertomografie (micro-CT) und statistischer Analysen der Schädelformen auf Basis von Hunderten von Messpunkten nachweisen, dass sich der Gesichtsschädel der Jebel Irhoud-Fossilien kaum von dem heute lebender Menschen unterscheidet. Im Gegensatz dazu ist die Gestalt des Gehirnschädels der Jebel Irhoud-Fossilien allerdings eher länglich und nicht rund wie bei heute lebenden Menschen. „Die Gestalt des inneren Gehirnschädels spiegelt die Gestalt des Gehirns wider“, erklärt der Paläoanthropologe Philipp Gunz vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „Das bedeutet, dass sich die Form der Gesichtsknochen bereits zu Beginn der Evolution unserer Art entwickelt hat. Die Evolution der Form, und möglicherweise auch der Funktion des Gehirns fand allerdings innerhalb Homo sapiens statt“, sagt Philipp Gunz. Vergleicht man die DNA heute lebender Menschen mit der DNA von Neandertalern und Denisova-Menschen, zeigen sich Unterschiede in Genen, die das Gehirn und das Nervensystem beeinflussen. Evolutionäre Veränderungen der Gehirngestalt stehen daher vermutlich im Zusammenhang mit genetischen Veränderungen der Organisation, Vernetzung und Entwicklung des Gehirns, die den Homo sapiens von unseren ausgestorbenen Vorfahren und Verwandten unterscheiden.

Die Gestalt und das Alter der Fossilien aus Jebel Irhoud bestätigen auch die Interpretation eines bis jetzt rätselhaften Schädelfragments aus Florisbad, Südafrika, als frühen Vertreter des Homo sapiens. Die Jebel Irhoud-Fossilien sind die derzeit besten Belege für die frühe Phase der Evolution des Homo sapiens in Afrika. Die ältesten Homo sapiens-Fossilien finden sich auf dem gesamten afrikanischen Kontinent: Jebel Irhoud, Marokko (300.000 Jahre), Florisbad, Südafrika (260.000 Jahre) und Omo Kibish, Äthiopien (195.000 Jahre). Dies deutet auf frühe Wanderungsbewegungen innerhalb Afrikas und eine komplexe Evolution unserer Spezies auf dem ganzen afrikanischen Kontinent hin.

„Nordafrika ist lange Zeit in der Debatte um den Ursprung unserer Spezies vernachlässigt worden. Die spektakulären Entdeckungen von Jebel Irhoud zeigen die engen Verbindungen des Maghreb mit dem Rest des afrikanischen Kontinents zum Zeitpunkt der Entstehung von Homo sapiens“, sagt Abdelouahed Ben-Ncer.

Die Homo sapiens-Fossilien in Jebel Irhoud wurden gemeinsam mit Knochen von gejagten Tieren (vor allem Gazellen) und Steinwerkzeugen aus der Epoche der Afrikanischen Mittleren Steinzeit gefunden. In Jebel Irhoud gibt es keine großen Faustkeile, die typischen Werkzeuge älterer Fundstellen. Die Steinwerkzeuge aus Jebel Irhoud wurden mit der Levallois-Technik vor allem aus hochwertigem Feuerstein hergestellt. Dieses Rohmaterial wurde über weite Strecken transportiert. Vergleichbare archäologische Fundstellen mit Werkzeugen aus der Afrikanischen Mittleren Steinzeit sind aus ganz Afrika dokumentiert. Auch die Ähnlichkeit der fossilen Knochen aus Nord-, Ost-, und Südafrika spricht für Wanderungsbewegungen innerhalb Afrikas.

„Die Steinwerkzeuge aus Jebel Irhoud sind vergleichbar mit Fundstellen in Ostafrika und Südafrika“, erklärt Archäologe Shannon McPherron vom Max-Planck-Institut in Leipzig. „Wahrscheinlich hängt die technologische Entwicklung der Afrikanischen Mittleren Steinzeit mit der Entstehung des Homo sapiens zusammen.“ Die neuen Forschungsergebnisse von Jebel Irhoud werfen ein neues Licht auf die Evolution von Homo sapiens, welche früher begann als ursprünglich angenommen wurde. Die Ausbreitung des Homo sapiens vor 300.000 Jahren in ganz Afrika ist das Resultat einer Veränderung der menschlichen Biologie und des Verhaltens.

Das Jebel Irhoud-Projekt wird gemeinsam von dem marokkanischen Institut National des Sciences de l’Archéologie et du Patrimoine und der Abteilung Humanevolution des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie Leipzig durchgeführt. Die Max-Planck-Gesellschaft finanzierte die TL-Analyse. Teile der ESR / U-Serie Forschung wurden durch ARC Discovery gefördert.

Weitere Infos zum Jebek Irhoud-Projekt gibt es hier.

Quelle:
Dr. Harald Rösch
Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Die Restaurierung des bedeutendsten vorchristlichen Sakralbaus Ostafrikas ist erfolgreich abgeschlossen.

„Großer Tempel“ wird das im 7. Jahrhundert  v. Chr. erbaute Heiligtum in dem kleinen Dorf Yeha im nördlichen Hochland Äthiopiens genannt. Von Einwanderern aus Saba im heutigen Jemen nach südarabischem Vorbild errichtet, ist der noch 14 m hoch erhaltene Tempel der bedeutendste vorchristliche Sakralbau Ostafrikas. Eine gewaltige Brandkatastrophe beschädigte den Bau bereits in der Antike, jahrzehntelang galt er als einsturzgefährdet.

Der Große Tempel von Yeha im modernen Klosterareal

Der Große Tempel von Yeha im modernen Klosterareal (DAI/Orient-Abteilung)

Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, führte die Außenstelle Sanaa der Orient-Abteilung des DAI gemeinsam mit der  äthiopischen Antikenbehörde neben der wissenschaftlichen Erforschung des Fundplatzes Yeha seit 2009 umfangreiche Restaurierungsarbeiten durch. Diese beinhalteten den Einbau eines Edelstahlgerüstes und die Konsolidierung des Mauerwerks. Das Projekt wird zudem mit Ausbildungskomponenten vor Ort ergänzt, Fachleute arbeiten dabei eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Der Schutz und die Pflege der kulturellen Identität bilden einen zentralen Schwerpunkt dieser Maßnahmen.

Der Abschluss der Restaurierungsarbeiten wurde mit einer feierlichen Eröffnung am 15. März begangen. Von nun an steht dieses touristische Highlight Äthiopiens sowohl einheimischen als auch internationalen Gästen als Besuchsziel wieder offen.

Der Große Tempel von Yeha war dem höchsten sabäischen Gott Almaqah geweiht. Auch heute noch ist der Sakralbau weithin sichtbar. Als Baumaterial verwendete man sorgfältig geglätteten schneeweißen Kalkstein, der aus den ca. 80 km östlich gelegenen Steinbrüchen um Wuqro mühsam herangeschafft werden musste. Das Heiligtum galt nicht nur als kultisches, sondern auch als machtpolitisches Statement des bereits im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. im äthiopischen Hochland entwickelten Gemeinwesens mit Namen Di´amat.
Der Große Tempel wurde durch ein gewaltiges Feuer vermutlich um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. schwer beschädigt, das große Teile in Mitleidenschaft zog. Der Einbau einer Kirche im 6. Jahrhundert schützte den Bau vor seiner völligen Zerstörung.

Rissschließung und Konsolidierung des Mauerwerks

Restaurierungsarbeiten am Tempel (DAI/Orient-Abteilung)

Das Projekt bildet ein herausragendes Beispiel für die gelungene äthiopisch-deutsche Kooperation auf dem Gebiet des Kulturerhalts und die nachhaltige touristische Erschließung dieser Region. Es besitzt zudem Pilotcharakter für weitere Kulturerhaltprojekte in dieser Region. Finanziell gefördert wurden die Arbeiten durch das DAI.

Weitere Infos zu dem Großen Tempel in Yeha gibt es hier.

Quelle:

Deutsches Archäologisches Institut
Pressestelle
Nicole Kehrer
Berlin