Die Sonderausstellung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) bietet seltene Einblicke in das Mittelalter Afrikas: Den Europäern unbekannt entstanden in Westafrika mächtige Reiche mit weitreichenden Handelsbeziehungen. Fundstücke aus drei Elitegräbern in Nordnigeria, die im RGZM restauriert wurden, bezeugen die Macht jener Länder.

Eiserne Beinringe aus Grab 4 des Gräberfeldes von Durbi Takusheyi, Katsina State, Nigeria. 13/14 Jh. n. Chr. Foto: RGZM / R. Müller

Das mittelalterliche Europa nahm Afrika kaum wahr. Ihm entging, dass sich in der Sahel- und Sudanzone Westafrikas einflussreiche islamische Staaten mit sakralen Herrschern bildeten. Diese Staaten standen in regem kulturellen Austausch mit der arabischen Welt. Ihr wirtschaftlicher Erfolg beruhte auf dem Export von Gold, Sklaven und Elfenbein – ihre Handelsverbindungen reichten bis nach Europa und Indien. Auch als Portugiesen, Franzosen, Niederländer und Briten im 15. Jahrhundert die Küsten Westafrikas erschlossen, blieben ihnen die Staaten im Innern Afrikas unbekannt und geheimnisvoll. Nur die nach Europa gelangten Kostbarkeiten, wie Gold und Elfenbein, ließen die Macht jener Reiche erahnen. Erst im 19. Jahrhundert gerieten die Länder südlich der Sahara ins Visier europäischer Expansionsinteressen. Mit Beginn des Imperialismus am Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie in die Nationalstaaten ihrer Besatzer integriert, wo sie bis zur Unabhängigkeit als Emirate fortbestanden.
Beleuchtet werden die Entstehung und die Expansion der mittelalterlichen Reiche im Norden Nigerias bis hin zu ihrer Entdeckung durch die Europäer im 19. Jh. Zudem führt die Ausstellung in den Naturraum der Sahel- und Sudanzone ein und integriert Elemente der traditionellen Architektur in das Ausstellungskonzept. Im Mittelpunkt stehen Fundstücke aus drei Elitegräbern dieser Gesellschaften – u. a. reiche Importe aus der arabischen Welt –, die ins 13./14. Jahrhundert und um 1500 datieren. Sie zeugen von der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Westafrikas sowie ihres weitreichenden Handelsnetzes im Mittelalter.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der nigerianischen Denkmalbehörde (National Commission for Museums and Monuments – NCMM), deren Objekte in den Werkstätten des RGZM restauriert wurden. Auch Leihgaben des Weltkulturen Museums und aus der Sammlung des Frobenius-Instituts, beide in Frankfurt am Main, werden gezeigt.

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Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte

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