Archive für den Monat: Oktober, 2011

Am 20.10. fand der 15. Berliner Archäologentag statt. Unter dem Motto „Archäologie und Stadtplanung“ stellten Vertreter des Landesdenkmalamtes und der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. unter anderem die Ergebnisse der Großgrabungen in den mittelalterlichen Städten Berlin und Cölln vor.

Um die historische Vergangenheit wieder erlebbar zu machen, sollen in der historischen Mitte Berlins Ausgrabungsstätten zukünftig in die Neubebauung integriert werden. „Archäologische Fenster“ werden Einblicke in die mittelalterliche Geschichte der Stadt gewähren. So sollen die Bodenfunde auf dem Petriplatz – derzeit lediglich durch einen provisorischen Überbau vor Witterungsverhältnissen geschützt – innerhalb eines geplanten interreligiösen Zentrums für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben. Ein Teil des alten Rathauskellers vor dem Roten Rathaus soll ebenfalls hinter einer Glasfront im zukünftigen U-Bahnhof bestehen bleiben. Ähnliche Konzepte gibt es für Kellerräume des Berliner Schlosses.

Neben den Vorträgen konnten die Besucher des Archäologentages die Grabungen auf dem großen Jüdenhof sowie vor dem Roten Rathaus besichtigen.

Auf dem Jüdenhof sind momentan hauptsächlich Strukturen aus dem 18. Jahrhundert freigelegt. Hier hoffen die Archäologen, im nächsten Jahr bis zur ersten Phase des mittelalterlichen Berlins vorzudringen. Schriftlich wird der Große Jüdenhof erstmals 1505 erwähnt. Jüdische Familien, die sich auf dem Molkenmarkt angesiedelt hatten, errichteten ihn dennoch bereits im 13. Jh. und lebten hier bis ins 16. Jh.

Grabung auf dem Großen Jüdenhof (LH)

Großer Jüdenhof: Funde des 18. Jh. (LH)

Auf dem Jüdenhof sind derzeit hauptsächlich Strukturen aus dem 18. Jh. freigelegt. (LH)

Der Archäologentag stieß auf reges Interesse. (LH)

Die freigelegte Königstraße (in der u.a. auch der Berliner Skulpturenfund gemacht wurde). (LH)

Die Kellerräume des mittelalterlichen Berliner Rathauses (LH)

Die Gerda Henkel Stiftung lädt dazu ein, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Gerda Henkel Preis 2012 zu benennen. Bis zum 31. Januar 2012 nimmt die Geschäftsstelle der Stiftung Vorschläge für herausragende Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der Archäologie, Geschichtswissenschaften, Historischen Islamwissenschaften, Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte sowie Ur- und Frühgeschichte entgegen. Nominierungen in den Förderfeldern „Konfliktforschung“ und „Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Bewegungen“ sind ebenfalls möglich. Der Gerda Henkel Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und wird seit 2006 alle zwei Jahre vergeben.

Die Auszeichnung soll die von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Fachgebiete stärken und auf Themen aufmerksam machen, die sonst weniger im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Die Preisverleihung findet am 29. Oktober 2012 in Düsseldorf statt.

Über den Preisträger bzw. die Preisträgerin entscheidet das Kuratorium der Gerda Henkel Stiftung auf der Grundlage einer Empfehlung der Jury. Dem Kuratorium gehören an: Julia Schulz-Dornburg (Vorsitz, Barcelona), Prof. Dr. Meinhard Miegel (Stellv. Vorsitz, Bonn), Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke (Freiburg), Prof. Dr. Ulrich Lehner (Düsseldorf), Dr. Michael Muth (München) und Dr. Hans-Dietrich Winkhaus (Ehrenmitglied, Düsseldorf). Die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald (Augsburg) setzt sich aus den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung – Prof. Dr. Andreas Beyer (Paris), Prof. Dr. Willibald Steinmetz (Bielefeld), Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Stollberg-Rilinger (Münster) und Prof. Dr. Martin Zimmermann (München) – und unabhängigen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft und Politik zusammen. Neben Prof. Dr. Bo Stråth (Helsinki), der dem Auswahlgremium seit 2009 angehört, wirken als neue Mitglieder Dr. Franziska Augstein (München) und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger (Berlin) in der Jury mit.

Bisherige Trägerinnen und Träger des Gerda Henkel Preises sind die Berliner Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. h.c. Gudrun Krämer (2010), der New Yorker Soziologe und Kulturhistoriker Prof. Dr. Richard Sennett (2008) und der Hamburger Kunsthistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Martin Warnke (2006).

 

Quelle:

Dr. Sybille Wüstemann

Geschäftsstelle


Gerda Henkel Stiftung

Fragen des Kulturgüterschutzes und des site managements spielen mittlerweile in der Archäologie weltweit eine zentrale Rolle. Sie können im Rahmen von Forschungsprojekten nur über internationale Kooperationen und die Einwerbung von Drittmitteln erfolgversprechend angegangen werden. Das Deutsche Archäologische Institut schätzt sich deshalb glücklich, mit Dr. Friedrich Lüth einen herausragenden Kollegen für einen einschlägigen, neu zu begründenden Arbeitsbereich an der Zentrale in Berlin gewonnen zu haben. An der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt hat Dr. Friedrich Lüth als Erster Direktor nicht nur die internationale Vernetzung im Bereich archäologischer Verbundforschung mit zahlreichen Drittmittelprojekten, sondern auch die internationale Diskussion zu Fragen des cultural heritage nicht zuletzt in seiner Funktion als Präsident der European Association of Archaeologists (EAA) mit großem Erfolg vorangetrieben. Ab dem 1. November 2011 wird er diese Kompetenzen für das gesamte Deutsche Archäologische Institut in der Zentrale in Berlin einbringen.

 

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Im Konzessionsgebiet der Unternehmung Dra‘ Abu el-Naga des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo in Theben-West/Oberägypten gelang einem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München eine überraschende Entdeckung: Bei Arbeiten im Umland des auf der Hügelkuppe gelegenen Klosters Deir el-Bachit wurden 175 Ostraka geborgen, die aufgrund der Fundumstände zweifelsfrei dem Kloster zuzuordnen sind. Bereits eine erste Sichtung der Texte führte zu spektakulären Ergebnissen: Außer einigen Briefen an die „Klosterväter“ Apa Zacharias (siehe Foto) und Apa Papas fand sich auch die Erwähnung eines „Topos (Klosters) des heiligen Paulos“.

Diese Ergebnisse sind insofern interessant, als eine Identifikation der Anlage von Deir el-Bachit bisher nicht möglich war. Das ist umso bedauerlicher, als es sich hierbei nicht nur um die größte monastische Anlage der Region handelt, sondern auch um die letzte noch recht gut erhaltene. Sie wird seit einigen Jahren im Rahmen zweier DFG-geförderter Projekte und im Rahmen des von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanzierten Projekts „Zwischen Christentum und Islam“ archäologisch und epigraphisch erforscht. Die neuen Befunde sind nun in hohem Maße geeignet, diese Wissenslücke zu füllen: Beide in den Texten als Adressaten genannte Klosterväter sind bisher, wie aus bereits veröffentlichten, allerdings nicht verorteten Texten bekannt ist, ausschließlich für das seinerseits noch nicht lokalisierte, im thebanischen Raum gelegene Pauloskloster belegt. Die Identifikation der Anlage von Deir el-Bachit mit dem Pauloskloster ist damit sehr wahrscheinlich geworden.

Ein vor kurzem durchgeführter erster Abgleich der dem Pauloskloster zuzuweisenden Textbestände des British Museum, London mit den im Bereich der Anlage von Deir el-Bachit gefundenen Ostraka ergab einige zweifelsfreie Übereinstimmungen in den Handschriften der jeweiligen Texte und untermauert damit diese Zuordnung.

Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen nicht nur neue absolute Datierungsmöglichkeiten in Bezug auf das zeitlich sonst nur schwer einzuordnende koptische Material der Region, sondern sie bieten darüber hinaus neue wichtige Informationsquellen. So steht zu erwarten, dass im Zuge der noch andauernden Projekte Einsichten in die Lebenswelt, Organisation und Vernetzung einer monastischen Landschaft von der Spätantike bis in islamische Zeit gewonnen werden können, die diese sonst häufig unbeachtete „dunkle“ Epoche weiter zu erschließen helfen.

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Kastelle waren ein wichtiger Bestandteil des römischen Heerwesens: Zunächst in ihrem äußeren Umriss oft noch polygonal dem Gelände angepasst, setzte sich ab der Kaiserzeit ein festes Grundschema durch. Römische Militärlager bestanden nun fast immer aus einer rechteckigen Umwehrungsmauer mit abgerundeten Ecken. Auch die Innenbauten waren weitgehend überregional genormt.

Bei Bad Homburg in der Nähe von Frankfurt steht die Saalburg. Sie gilt als das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes. Seit 2005 gehört die Saalburg zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von hier bewachten die Römer einen Limesabschnitt im Taunus. Die erste Anlage, eine kleine Erdschanze für ca. 80 bis 100 Mann, entstand um 83 n. Chr. Einige Jahre später bauten die Römer ein Holzkastell mit Truppenunterkünften, Ställen, Verwaltungs- und Vorratsgebäuden. Innerhalb der letzten Bauphase – um 200 n. Chr. – bestand das Lager aus einer gemauerten Wehrmauer und Innenbauten aus Stein und Holz.

Während des Mittelalters und bis weit in die Neuzeit dienten die Ruinen der Saalburg als Steinbruch. Die ersten archäologischen Untersuchungen fanden hier Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Am Ende desselben Jahrhunderts begann die Reichs-Limes-Kommission, den Verlauf des Obergermanisch-Raetischen Limes und die Standorte seiner Kastelle zu erforschen. So intensivierten sich auch die Ausgrabungen auf der Saalburg. Zur selben Zeit beauftragte Kaiser Wilhelm II. den Architekt und Altertumsforscher Louis Jacobi mit dem Wiederaufbau des Römerkastells. Bis 1907 entstand auf den antiken Fundamenten die Rekonstruktion der Saalburg.

Vor allem bei schönem Wetter lohnt sich ein Spaziergang durch das Kastell, um das typische Schema eines römischen Militärlagers kennen zu lernen.

Hier geht es zur Homepage des Römerkastells.

Porta Praetoria – Das Haupttor (LH)

Zur obligatorischen Ausstattung eines Badegebäudes gehörte die Warmluftheizung – das Hypokaustum. (LH)

Die rekonstruierte Principia, das Stabsgebäude. (LH)

Umwehrung des Kohortenkastells (LH)

Exponate aus der Sonderausstellung über den Mithraskult. (LH)

„Archäologie und Stadtplanung“ ist das zentrale Thema des 15. Berliner Archäologentages am 20. Oktober im Berliner Rathaus.

Zukünftig sollen Bodendenkmale in der historischen Mitte Berlins mithilfe „archäologischer Fenster“ in die Neubebauung integriert und somit erlebbar gemacht werden. Neben dem Themenschwerpunkt wird es Vorträge u.a. zu Großgrabungen in den mittelalterlichen Städten Berlin und Cölln geben.

Zusätzlich können Besucher u.a. die Grabung auf dem Gelände des Großen Jüdenhofs besichtigen.

Der Eintritt ist frei.

 

 

Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Sonntag Nachmittag auf der Museumsinsel in Berlin: Seit etwa zehn Tagen ist die Sonderausstellung „Pergamon – Panorama einer antiken Metropole“ geöffnet. Die Warteschlangen reichen vom Museum bis zur Straße. Damit sie nicht kürzer werden, befördern Reisebusse im Minutentakt weitere Menschenmassen an den Ticketstand. Die Ausstellung lockt mit vielen Skulpturen, Gemälden und einem spektakulären 360 ° Panorama. Ich gehe am Pergamonmuseum vorbei und nehme mir vor, die Ausstellung bald zu besuchen – nur bestimmt nicht heute. Ich biege in die nächste Straße ein und steuere zielstrebig auf das Neue Museum zu.

Neben der spektakulären Sonderausstellung im Pergamonmuseum wirkt eine weitere Ausstellung im Bode-Museum derzeit wie ein Besuchermagnet. Es ist also der beste Zeitpunkt, um andere, ruhigere Orte auf der Museumsinsel aufzusuchen – beispielsweise das Neue Museum. Der Kontrast zur Situation vor dem Pergamonmuseum könnte nicht größer sein: Lediglich zwei Damen stehen in der Warteschlange vor mir. Nach drei Minuten halte ich bereits mein Ticket in der Hand. Zwei Minuten später betrete ich den ersten Raum.

Im Neuen Museum sind das Ägyptische Museum und Papyrussammlung sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten der Antikensammlung beheimatet. Heute will ich vor allem das Gebäude und seine Architektur kennenlernen.

Die Geschichte des Bauwerks beginnt im Jahre 1840. Weil die Räume des Alten Museums für die Präsentation der wachsenden Sammlungen nicht mehr genügend Platz boten, beauftragte Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen, den Architekten Friedrich August Stüler mit der Planung des Neuen Museums. Architektur und Raumgestaltung waren als ein begehbares Kompendium der Kulturen von der Steinzeit bis in die Neuzeit gedacht. Das Konzept zielte auf ein lückenloses Bild der historischen und künstlerischen Entwicklung ab: Neben Originalobjekten standen viele Repliken. Zudem lieferten dekorative Wandbilder historische Hintergrundinformationen. Passend zur jeweiligen Ausstattung erhielten die Räume Namen wie „Vaterländischer Saal“ oder „Griechischer Hof“.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Neue Museum schwer beschädigt. Der eigentliche Wiederaufbau des Museums begann nach einer längeren Vorbereitungsphase schließlich 2003. Die Leitung hierfür übernahm der britische Architekt David Chipperfield. Er verzichtete auf die Rekonstruktion verlorener Innenausstattungen. Stattdessen ergänzte Chipperfield die historische Substanz mit modernen Materialien und schlichten Formen.

Meine Eindrücke habe ich in folgenden Bildern festgehalten.

Blick auf die Treppenhalle (LH)

Sichtbare Spuren der Vergangenheit (LH)

Im Ethnopraphischen Saal (LH)

Blick in den Ägyptischen Hof (LH)

Im Apollosaal (LH)

Studiensammlung im Stil des 19. Jahrhunderts (LH)

Aussicht von der dritten Ebene (LH)

Berliner Skulpturenfund im Griechischen Hof (LH)

Im Rahmen des 7. Deutschen Archäologie-Kongresses fand am 4. Oktober 2011 in Bremen die Gründungsversammlung des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ (DVA) statt. Nachdem Versuche einer verbandsmäßigen Vereinigung der deutschen Archäologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erneut nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre jeweils gescheitert waren, entstand mit dem neuen Dachverband nun erstmals in der Geschichte der deutschen Archäologie eine Interessenvertretung für die gesamte vereins- und verbandsmäßig organisierte Archäologie, Altertumsforschung und fachverwandte Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit seinen über 3.000 Mitgliedern wird der DVA ein wichtiges Sprachrohr für die Archäologie und fachverwandte Wissenschaften sein. Er wird sich in Belangen der Bewahrung des kulturellen Erbes, der archäologischen Museen, der Bodendenkmalpflege, der Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Archäologie engagieren und deren Anliegen und Interessen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit vertreten.

Auf der Gründungsversammlung traten dem DVA folgende Einzelverbände und Gesellschaften bei: Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Mittel- und Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V., Deutscher Archäologen-Verband e. V., Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e. V., Deutsche Orient-Gesellschaft e.V., Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e.V., Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen e.V., Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – Archäometrie sowie Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V.

Zum Präsident des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurde der Prähistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger gewählt. Parzinger war nach seiner Hochschulassistenz und Habilitation im Fach Vor- und Frühgeschichte an der LMU München zunächst Zweiter Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Frankfurt a. M. (1990-94), anschließend Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung des DAI (1995-2003) und zuletzt Präsident des Instituts (2003-2008); seit 2008 ist er Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er gehört zweifellos zu den renommiertesten Archäologen in Deutschland; 1998 erhielt Parzinger als bisher einziger Vertreter seines Faches den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vor wenigen Monaten wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Er ist Mitglied zahlreicher Akademien in Deutschland, Russland, China, Großbritannien und den USA. Seine Ausgrabungstätigkeit reicht von Spanien über die Türkei und Iran bis Zentralasien, Sibirien und die Mongolei.

Parzinger bezeichnete in seiner Dankesrede die Gründung des neuen Dachverbandes als „historischen Moment“. Weiter stellte er fest: „Die Archäologie hat sich zu einer ungemein dynamischen und transdisziplinär arbeitenden Wissenschaft entwickelt, die äußerst erfolgreich Forschungsmittel einwirbt und durch ihre aktuellen Themen zum Erhalt und zur Erforschung der Bodendenkmäler weltweit großen öffentlichen Zuspruch findet. Es war deshalb höchste Zeit, ein Dach für die Archäologie in Deutschland zu schaffen, unter dem alle Verbände, Gesellschaften und Institutionen mit ihren unterschiedlichen Traditionen, Aufgaben und Zielen zusammengeführt und ihre Interessen gebündelt werden.“

In den Vorstand des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurden neben Parzinger vier Vizepräsidenten gewählt: Prof. Dr. Friedrike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Dr. Ute Halle, Landesarchäologin der Hansestadt Bremen, Prof. Dr. Jürgen Kunow, Vorsitzender des Verbands der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Zum Geschäftsführer wurde Prof. Dr. Mat-thias Wemhoff bestimmt, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, wo sich auch die Geschäftsstelle des neuen Dachverbandes befinden wird.

 

Quelle:
Dr. Stefanie Heinlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stiftung Preussischer Kulturbesitz

Riesige Tempelanlagen sind auch im heutigen Ägypten sehr dominant. In einer Ägypten-Ausstellung allerdings wurden sie noch nie thematisiert. Das soll sich durch dieses gemeinsames Projekt der Universitäten Würzburg und Tübingen sowie der Hochschule Niederrhein ändern.

Nofretete, Pyramiden, Mumien, Tod und Jenseits – das sind die Schlagwörter, die mit Ägypten assoziiert und in Sonderausstellungen thematisiert werden. Doch jeder, der das Land am Nil bereist hat und nicht nur im Roten Meer tauchen war, ist durch grandiose ägyptische Tempel gewandelt und hat sich Fragen gestellt wie: Was ist hier abgelaufen? Was haben die Hieroglyphen und Szenen auf den Wänden zu bedeuten?

Trotz der Dominanz der riesigen Tempelanlagen auch im heutigen Ägypten wurden diese noch nie in einer Ausstellung thematisiert. Das soll sich durch diese gemeinsame Ausstellung der Universitäten Würzburg und Tübingen ändern.

Dritter Kooperationspartner ist der Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein. Ein schon während seines Studiums mehrfach mit ersten Preisen ausgezeichneter Student, Didier Gehlen, wird den ausstellungsarchitektonischen Rahmen schaffen, in dem die Exponate zur Geltung kommen sollen: Im Museum lässt er einen Tempel entstehen, in dem über 100 teilweise bislang unpublizierte altägyptische Originale aus den Sammlungen in Würzburg und Tübingen gezeigt werden.

Ergänzt durch Exponate aus Berlin und Stuttgart machen sie die vielfältigen Aspekte und Funktionen eines ägyptischen Heiligtums anschaulich.

 

Veranstaltungsort:

Martin-von-Wagner-Museum der Universität
Residenzplatz 2 (Tor A, links)
97070 Würzburg
Bayern

 

Öffnungszeiten:

20. Oktober 2011 bis 11. Februar 2012
Dienstag bis Samstag 13.30–17 Uhr
Sonntag 10–13.30 Uhr

 

 

 

 

 

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

 

 

Quelle:

Robert Emmerich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Kopf des Satyrs „Ludovisi” aus Chimtou. Der Ausbruch an der Stirnseite ist zur Hand der Mänade zu ergänzen (DAI Rom)

Bei den archäologischen Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom in Simitthus (Chimtou, Tunesien) wurde 2010 der fragmentierte Kopf eines Satyrs entdeckt. Bei den Detailuntersuchungen konnte nun festgestellt werden, dass es sich bei dem unterlebensgroßen Kopf um einen Satyr der Satyr-Mänaden-Gruppe „Ludovisi“ handelt. Der Kopf aus Chimtou ist damit der vierte bekannte Satyrkopf der Gruppe weltweit.

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Fund darüber hinaus, da es erst die zweite bekannte Großplastik aus Simitthus ist, die nicht aus numidischen Marmor (gallo antico) gefertigt wurde. Neben dem Kopf des Satyrn aus weißem kristallinem Marmor ist bisher nur der sogenannte „Knabe aus Chimtou“ bekannt. Der Vergleich mit dem Satyrkopf im Thermenmuseum in Rom zeigte nun, dass es sich bei dem Fragment aus Chimtou um eine Replik der hellenistischen Satyr-Mänaden-Gruppe Typus „Ludovisi“ handelt.

Der fragmentierte Kopf war als Spolie in einer mittelalterlichen Mauer verbaut, die im zerstörten Podium eines römischen Tempels dokumentiert werden konnte. Der Podiumtempel, der allgemein als Kaiserkulttempel angesprochen wird, wurde in severischer Zeit mit einer monumentalen Platzanlage ausgestattet. Zusätzlich wurde im Westen des Areals eine Thermenanlage errichtet, aus der möglicherweise auch die Gruppe des Satyrs und der Mänade stammt.

Die Arbeiten am Kaiserkulttempel sind Teil des deutsch-tunesischen Kooperationsprojekts in Chimtou im heutigen Tunesien. Das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom und das Institut National du Patrimoine de la Tunisie (INP Tunis) forschen seit 1965 im Stadtgebiet der ehemaligen römischen Colonia Simitthus. Unter der Leitung von Philipp von Rummel und Mustapha Khanoussi konzentrieren sich die Bemühungen derzeit auf das Areal des Forums, den sog. Kaiserkulttempel und die traianische Brücke.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut