Archive für den Monat: Dezember, 2011

Pergamon – Die antike Stadt in Kleinasien ist vor allem durch den Pergamonaltar weltweit bekannt geworden. Jährlich zieht es viele Besucher auf die Museumsinsel, um den Kampf zwischen den olympischen Göttern und den Giganten auf dem Altarfries zu bestaunen. Was weiß man über die Stadt, über die Menschen, die hier lebten? Erstmals der Öffentlichkeit gezeigte Exponate aus den Beständen der Antikensammlung sowie zahlreiche Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen sollen in der neuen Sonderausstellung ein anschauliches Bild vom Leben in Pergamon vermitteln.

Jetzt endlich, einige Wochen nach der Eröffnung und nachdem der erste große Besucherstrom etwas nachgelassen hat, will ich mir ein eigenes Bild von der vielfach angekündigten Ausstellung machen.

Dunkelbraun gestrichene Wände und ein meterhohes Regal mit großen Holzkisten – bereits der erste Raum wirkt irgendwie ungewöhnlich. Hier geht es um die Grabungsgeschichte von Pergamon. Dass es die Friese des Pergamonaltars überhaupt noch gibt, haben wir dem deutschen Ingenieur Carl Humann zu verdanken: Bei Straßenbauarbeiten im türkischen Bergama bekam er mit, wie auf dem Burgberg Reste großer Friesplatten von Kalkbrennern zerschlagen und zu Kalk verarbeitet wurden. Sogleich bemühte er sich um eine Grabungserlaubnis für die Berliner Museen. Die erforderlichen Erlaubnisse, Erlasse und weitere Dokumente vermitteln in diesem Raum einen spannenden Eindruck von den Grabungskampagnen im 19. Jahrhundert.

Vor allem die ausgestellten Skulpturen gefallen mir: Sie zeugen von der glanzvollen Zeit der hellenistischen Metropole im 2. Jh. v. Chr. Damals gelang es König Eumenes II., mit einem gewaltigen Bauprogramm seiner Residenzstadt hinsichtlich Kunst und Kultur überregionale Bedeutung zu verleihen.

Ich betrete einen sehr hohen, hellen Raum, mit einem Spiegel an der Decke. Griechische Namen an den Wänden, wohin ich auch blicke. In einer Gesamtgenealogie hat der Pensionär Dieter Macek über 7000 Götter und Heroen verzeichnet. Yadegar Asisi nutzte den Stammbaum als Basis seiner Installation, in welcher der Deckenspiegel den Menschen als eigentlichen Schöpfer dieser Welt der Götter und Heroen enthüllt. Ein origineller Höhepunkt der Ausstellung.

Nicht nur antike Skulpturen, Archivdokumente, Inschriften und Architekturelemente, sondern auch Zeugnisse der Rezeption pergamenischer Kunst werden präsentiert. Denn bereits ab dem 19. Jahrhundert faszinierte die antike Metropole Künstler und Literaten.

Insgesamt beeindrucken mich an der Sonderausstellung die ungewöhnlichen Formen der Vermittlung. Dazu gehört auch das vom Berliner Künstler Yadegar Asisi errichtete 360-Grad-Panorama. Auf dem 24 x 103 m großen fotorealistischen Rundbild im Ehrenhof des Museums sieht der Besucher detailgetreue Eindrücke der Stadt Pergamon im 2. Jh. n. Chr. Mit einer Tag- und Nachtsimulation, einer der antiken Stadt nachempfundenen Geräuschkulisse sowie Hintergrundmusik werden die Sinne des Besuchers angesprochen. Egal, ob man vor oder erst nach der Sonderausstellung das Panorama besucht – es ist originell und eine spannende Abwechslung.

Leider durfte ich vom Panorama keine Fotos machen! Dafür aber von der Ausstellung:

Hellenistische Skulpturen (LH)

Hellenistische Frauenstatue (LH)

Attalos I. (LH)

Bruchstücke von Bronzefiguren (LH)

Der Gallier und seine Frau. Gipsabguss (LH)

Göttergenealogie mit Mensch im Zentrum (LH)

Götter und Heroen (LH)

Rekonstruktion von Pergamon. Maler: Friedrich Thiersch, 19. Jh. (LH)

Ein internationales Archäologenteam konnte den bisher ältesten Nachweis bewusst aufgeschichteter „Pflanzenbettungen“ erbringen: Solche aus wenigen Zentimetern dicken, kompakten Lagen von Stängeln und Blättern von Riedgräsern und Binsen bestehenden Schichten sind über 77.000 Jahre alt und wurden unter einem Felsschutzdach in Südafrika gefunden. Die zum Teil insektenabweisenden Pflanzen sind 55.000 Jahre älter als bisher bekannte Nachweise von anthropogenen Pflanzenbettungen und gestatten damit wichtige Einblicke in Verhaltenspraktiken des frühen modernen Menschen in Südafrika.

Die urgeschichtlichen Pflanzenbettungen wurden bei Ausgrabungen in Sibudu (Kwa-Zulu-Natal Provinz, Südafrika) aufgedeckt. Mindestens 15 Schichten dieses Fundplatzes enthalten Hinweise auf derartige Pflanzenbettungen und datieren in den Zeitraum zwischen 77.000 bis 38.000 Jahre vor heute. Sie bestehen aus wenigen Zentimetern dicken, kompakten Lagen von Stängeln and Blättern von Riedgräsern und Binsen, die sich räumlich über ein bis drei Quadratmeter in der ausgegrabenen Fläche erstrecken.

Die ältesten Überreste der Pflanzenbettungen dieses Fundplatzes sind besonders gut erhalten. Sie bestehen aus einer Schicht fossilisierter Stängel und Blätter von Riedgräsern mit einer abschließenden papierdünnen Schicht aus Blättern der Cryptocarya woodi, auch Kap Quitte genannt, ein südafrikanisches Gewächs aus der Familie der Lorbeergewächse. Die Blätter dieser Pflanze enthalten insektizide Chemikalien und sind damit geeignet, Mücken fern zu halten. „Die spezifische Auswahl dieser Blätter für die Konstruktion der Pflanzenlagen zeigt eine genaue Kenntnis der Bewohner über ihre Umgebung an wie auch der medizinischen Wirksamkeit von Pflanzen. Pflanzliche Heilkunde hat den Menschen gesundheitliche Vorteile verschafft, und der Gebrauch von insektiziden Pflanzen eröffnet uns eine ganze neue Einsicht in das Verhalten der frühen Menschen“ sagt Lyn Wadley von der Universität Witwatersrand.

Die Bewohner haben die Pflanzenstängel und -blätter direkt unterhalb des Felsschutzdaches entlang eines Flusses gesammelt, und dann auf die Oberfläche des Bodens aufgelegt. Diese Aufbettungen wurden nicht nur als Schlaffläche genutzt, sondern stellten bequeme Lebens- und Arbeitsoberflächen dar. Mikroskopische Analysen der Pflanzenbettungen durch Christopher Miller von Universität Tübingen deuten darauf hin, dass diese während des Gebrauchs der Höhle mehrfach ausgebessert wurden. Die mikroskopischen Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass die Bewohner der Höhle die Pflanzenbetten nach Gebrauch regelmäßig verbrannt haben. „Sie haben die ausgedienten Aufbettungen absichtlich in Brand gesetzt, vermutlich um Schädlinge zu beseitigen. Dies hat den Fundplatz für spätere Nutzungen vorbereitet und stellt eine neuartige Verwendung von Feuer zur Pflege von Siedlungsplätzen dar“, so Miller.

Die erhaltenen Pflanzenbettungen treten im Zusammenhang mit mehreren Feuerstellen und Aschegruben auf. Ab 58.000 Jahren vor heute nimmt die Anzahl der Feuerstellen und Aschegruben dramatisch zu. Die Archäologen nehmen an, dass dies aus einer verstärkten Besiedlung der Fundstelle resultiert. In ihrem Artikel argumentieren die Wissenschaftler, dass ein Zusammenhang mit einer Veränderung in der Bevölkerungsdynamik in Südafrika zu diesem Zeitpunkt besteht. Um etwa 50.000 Jahren vor heute breitet sich der moderne Mensch bis nach Eurasien aus, wo er archaische Formen, wie den Neandertaler, verdrängt.

An der Fundstelle wurden außerdem durchlöcherte Muschelschalen, die vermutlich als Schmuck verwendet wurden, und zugespitzte Knochenspitzen, die wahrscheinlich für die Jagd genutzt wurden, gefunden. Es gibt auch Hinweise auf die frühe Entstehung von Pfeil und Bogen, auf den Gebrauch von Schlingen und Fallen zur Jagd und auf die Produktion von Klebstoff für geschäftete Steinwerkzeuge.

Der Zeitpunkt der aktuellen Entdeckung ist besonders günstig, da zukünftige Grabungen in Gefahr sind. Lokale Funktionäre planen die Konstruktion eines großen Haustraktes in unmittelbarer Umgebung von Sibudu, was den Fundplatz schwer gefährden und zukünftige Grabungen verhindern würde. Wadley und ihre Kollegen hoffen, dass die hier aufgeführten wichtigen Entdeckungen den hohen Wert von Sibudu als unersetzliches Kulturerbe für Südafrika und den Rest der Welt unterstreichen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle:

Michael Seifert

Hochschulkommunikation

Eberhard Karls Universität Tübingen

Am 12. Dezember 2011, um 19 Uhr, feiert das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) die Wiedereröffnung des Museums für Antike Schiffahrt. Dabei werden sowohl die energetische Sanierung als auch die didaktische Neugestaltung der Dauerausstellung vorgestellt.

 

Die Entdeckung fünf römischer Schiffe aus dem späten 3./4. Jahrhundert n. Chr. 1981/82 in Mainz war der Startschuss für das 1994 eröffnete Museum für Antike Schiffahrt. Heute befasst sich der dem Museum angegliederte Forschungsbereich mit Fragen der Schifffahrt und des Schiffbaus in Altertum und Mittelalter.
Seit 2010 erfolgt die grundsätzliche Erneuerung der Dauerausstellung. Nach Abschluss des ersten Bauabschnittes und zum Ausklang von »Mainz – Stadt der Wissenschaft 2011« kann das Haus nun feierlich wiedereröffnet werden.Die Modernisierung ist zudem ein erster Schritt in Richtung »grünes Museum«. So wurde das Dach im Rahmen der energetischen Sanierung mit einer Dachbegrünung sowie einer neuartigen gebäudeintegrierten Photovoltaikanlage mit ASI® Modulen von SCHOTT ausgestattet. Durch diese soll der Stromverbrauch des Museums abgedeckt werden. Damit leistet das RGZM einen substantiellen Beitrag zum Klimaschutz.Ab Dienstag, dem 13. Dezember 2011, wird das Museum wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle:

Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte