Archive für den Monat: Januar, 2012

Die anatomischen Mumien des in Vergessenheit geratenen Einbalsamierers Giovan Battista Rini aus Salò an der westlichen Uferseite des Gardasees sind Zeitzeugen des Risorgimento, der italienischen Einheitsbewegung. Im Rahmen einer italienisch-deutschen Studie haben Forscher unter der Koordination des Anthropologen Dario Piombino-Mascali der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) die anatomischen Präparate untersucht und die bis dahin geheime Einbalsamierungsrezeptur entschlüsselt. Die Ergebnisse sind in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Clinical Anatomy erschienen.

Die anatomischen Präparate von Giovan Battista Rini aus dem 19. Jahrhundert (Foto: EURAC)

„Zu Zeiten Rinis gab es noch keine Kühlzellen und Leichen verwesten schnell. Anatomische Präparate dienten somit den Anatomielehrern bei der Ausbildung von Ärzten und für die medizinische Forschung. Zusammen mit meiner Kollegin Stephanie Panzer, Radiologin an der Unfallklinik in Murnau haben wir die Präparate mit Hilfe eines Computertomographen durchleuchtet und herausgefunden, wie Rini vorgegangen war. Leider gibt es keine Aufzeichnungen und Notizen der genauen Zusammensetzung der Einbalsamierungsformel, aber die CT-Scans lassen darauf schließen, dass es dem Präparator wahrscheinlich durch Immersion und gleichmäßiges Injizieren eines Gemisches aus Schwermetall-Legierungen gelungen ist, die Körper zu versteinern. Aus Bestandsaufnahmen des Krankenhauses in Salò konnten wir außerdem entnehmen, dass er Arsen besaß, ein Mittel das oft zur Einbalsamierung verwendet wurde.“, erklärt Dario Piombino-Mascali vom EURAC-Institut für Mumien und den Iceman.
An der Studie beteiligten sich außerdem Alberto Carli, Kurator der anatomischen Sammlung von Paolo Gorini aus Lodi in der Lombardei und der Paläopathologe Albert Zink, Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman. Gemeinsam haben sie die gut erhaltenen Oberkörper und Köpfe aus dem 19. Jahrhundert untersucht. Rini hatte vor allem Leichen präpariert, die zu Lebzeiten Mitglieder der Briganten-Banden und des Karbonari-Geheimbundes waren. Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten und sich gegen die Obrigkeit auflehnten und an der Fortentwicklung der italienischen Einigungsbewegung beteiligten.
Der Gardesaner Rini hat in Pavia Medizin studiert. Nach einer kurzen Karriere an einem Mailänder Krankenhaus ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt, wo er die Technik der Petrifikation perfektionierte. Rini eiferte seinem Vorgänger Girolamo Segato nach. Neben den versteinerten Objekten zählen zu seiner Sammlung auch Korrosionspräparate ohne Haut-, Binde- und Fettgewebe, die besondere anatomische Details sichtbar machen.
Wie alle seine Zeitgenossen hielt auch der Petrifikator aus Salò seine Methode geheim. Aber dank Giovan Battista Rini können wir heute nach mehr als einem Jahrhundert die Präparate bestaunen, die bis vor kurzem im Krankenhaus in Salò aufbewahrt waren, aber demnächst im neuen Stadtmuseum ausgestellt werden.

Quelle:

Stefanie Gius
Wissenschaftskommunikation
Europäische Akademie Bozen – European Academy Bozen/Bolzano

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Die Ausstellung „Roads of Arabia“ (im Pergamonmuseum in Berlin, vom 26. Januar bis 9. April 2012) präsentiert Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte sowie des antiken Saudi-Arabiens: erste Faustkeile, 6000 Jahre alte anthropomorphe Steelen, monumentale ägyptisierende Kolossstatuen, Glas- und Metallarbeiten der römischen Antike, sowie Objekte der Keramikrevolution der islamischen Frühzeit.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Forschende des Ägyptologischen Seminars der Universität Basel haben im ägyptischen Tal der Könige ein Grab gefunden, in dem im Abstand von etwa 500 Jahren zwei Begräbnisse stattfanden. Das rund 3500 Jahre alte Grab enthält einen Sarkophag mit der Mumie einer Frau und ist erst der zweite Fund im Tal der Könige seit der Entdeckung von Tutanchamuns Grabstätte 1922.

Hölzerner Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält. Bild: Universität Basel

Bei der neu entdeckten Grabstätte mit der Bezeichnung KV 64 handelt es sich um ein über einen Schacht zugängliches Einkammergrab, in dem im Abstand von etwa 500 Jahren zwei Begräbnisse stattfanden. «Dieser Fund liefert wertvolle Informationen zu zwei unterschiedlichen Nutzungsphasen», so die Grabungsleiterin Elina Grothe-Paulin.

Im oberen Bereich des Grabes, das am 12. Januar 2012 geöffnet wurde, entdeckten die Forschenden einen beschrifteten, gut erhaltenen hölzernen Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält. Diese stammt wohl aus einer der einflussreichen Familien der Amun-Priesterschaft und führte den in Elitekreisen häufigen Priesterinnentitel einer Sängerin des Amun. Die Basler Ägyptologen datieren diesen Fund auf die Zeit der 22. Dynastie (9. Jahrhundert v. Chr.).

Durch besonders glückliche Umstände wurde das Grab nicht beraubt. Dadurch liessen sich die Verschlusssysteme der Grabstätte sowie die originale Anordnung des Sarkophags und einer bemalter Holzstele dokumentieren. Die sehr sorgfältig eingewickelte Mumie der etwa 1,55 Meter grossen Frau befindet sich noch unversehrt im Sarkophag.

Das in den Fels gehauene Einkammergrab wurde aber offensichtlich schon vor der Bestattung von Nehemes-Bastet als Grabstätte genutzt. Das ursprüngliche Begräbnis konnten die Basler Ägyptologen auf die 18. Dynastie (um 1450 v. Chr.) datieren, was mit dem Beginn der Nutzung des Tals der Könige als Nekropole zusammenfällt. Reste der ersten Grabausstattung, die wohl in der Antike beraubt wurde, befinden sich noch unterhalb einer Schuttschicht.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

MA Reto Caluori
Kommunikation & Marketing
Universität Basel

Sie zählen zu den ältesten Textilfunden der Welt. Einen rund 1000 Jahre alten, einzigartigen Seidenkaftan aus chinesischem Damastgewebe und den ältesten bis heute bekannten Mantel aus Wollfilz konnten Wissenschaftlerinnen der Fachhochschule Köln aus Textilfragmenten aus mongolischen Felsgräbern rekonstruieren. Die Textilfragmente stammen aus einem neu entdeckten reiternomadischen Felsengrab in der Mongolei. Die wertvollen Textilien werden zum ersten Mal in der Ausstellung »Steppenkrieger – Reiternomaden des 7. – 14. Jahrhunderts aus der Mongolei« ab dem 26. Januar 2012 öffentlich zu sehen sein.

 

 

Quelle:

Petra Schmidt-Bentum

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fachhochschule Köln