Archive für den Monat: Februar, 2012

Vor rund eineinhalb Jahren gelang einem Forscherteam die Entschlüsselung des kompletten Genoms des Mannes aus dem Eis, also seines gesamten Erbguts. Die Weichen, um weitere Rätsel rund um die älteste Gletschermumie der Welt aufzulösen, waren damit gestellt. Nun folgt der nächste Meilenstein: Die Forscher des Instituts für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), der Institute für Humangenetik der Universität Tübingen und der Universität des Saarlandes haben die Rohdaten der DNA-Sequenzierung auf verschiedene Aspekte hin ausgewertet. Die Ergebnisse hat das Fachmagazin „Nature Communications“ soeben publiziert.

Ötzi hatte eine genetische Veranlagung für Herz-Kreislauferkrankungen. Das ergaben die jüngsten Studien des Forscherteams rund um Albert Zink und Angela Graefen vom Bozner EURAC-Institut für Mumien und den Iceman, Carsten Pusch und Nikolaus Blin vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen sowie Andreas Keller und Eckart Meese vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes. An der 5.000 Jahre alten Gletschermumie ist jedoch nicht nur die genetische Veranlagung nachweisbar, sondern auch bereits ein Symptom der Erkrankung in Form einer Arterienverkalkung. Dabei war Ötzi seinerzeit nicht den Risikofaktoren ausgesetzt, die heute Herzkreislauf-Erkrankungen maßgeblich beeinflussen: Er war nicht übergewichtig, bewegte sich viel. „Die Bestätigung, dass solche genetischen Veranlagungen schon zu Zeiten des Ötzi vorhanden waren, ist für uns sehr interessant. Denn es zeigt, dass Herz-Kreislauferkrankungen keineswegs moderne Zivilisationskrankheiten sind. Uns liegt nun daran, anhand dieser Daten die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu erforschen“, unterstreichen der Anthropologe Albert Zink und der Bioinformatiker Andreas Keller.
Neben dieser genetischen Veranlagung konnten die Forscher Spuren von Borrelien aufspüren, die die Ursache einer Infektionskrankheit sind, die durch Zecken übertragen wird. Carsten Pusch, der die genetischen Untersuchungen in Tübingen leitete, vermerkt: „Dies ist der älteste Beleg für Borreliose und dafür, dass sie bereits vor 5.000 Jahren übertragen wurde.“
Ein Aspekt, dem die Forscher außerdem nachgingen, ist die genetische Herkunft des Mannes aus dem Eis. Ihre Untersuchungen zeigen, dass Ötzi einer so genannten Haplogruppe des Y-Chromosoms angehört, die heutzutage in Europa relativ selten ist. Die Charakteristiken weisen zum einen darauf hin, dass Ötzis Vorfahren in der Jungsteinzeit im Zuge der Ausbreitung von Ackerbau und Viehzucht aus dem Nahen Osten eingewandert sind. Zum anderen zeigt es sich, dass deren DNA sich bis heute in sehr abgelegenen Gegenden, etwa bei Inselbevölkerungsgruppen, gehalten hat wie beispielweise auf Sardinien und Korsika.
Dabei ergaben die genetischen Untersuchungen auch zahlreiche Informationen zu den körperlichen Eigenschaften des Mannes aus dem Eis: Er hatte braune Augen, braune Haare und litt unter Laktoseunverträglichkeit, konnte also keinen Milchzucker verdauen. Dieser Befund stützt die Annahme, dass in der Zeit von Ötzi trotz der bereits vorherrschenden bäuerlichen Lebensweise die Laktoseintoleranz noch sehr weit verbreitet war. Die Entwicklung hin zur Milchverträglichkeit im Erwachsenenalter ging mit der Domestizierung von Tieren einher.
Das Projekt wurde von der National Geographic Society (USA), Life Technologies (USA) und Comprehensive Biomarker Center (Heidelberg) unterstützt.

 

Quelle:

Laura Defranceschi

Wissenschaftskommunikation

Europäische Akademie Bozen – European Academy Bozen/Bolzano

 

 

 

Mit den soeben genehmigten Mitteln aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts kann der römische Kaiserkulttempel in Simitthus (Chimtou, ehem. Chemtou/Tunesien) vor dem bevorstehenden Verfall gerettet und für die Öffentlichkeit neu präsentiert werden. 

Der Tempel aus dem frühen ersten Jahrhundert n. Chr. war eines der wichtigsten Bauten des antiken Simitthus und wurde vielfach um- und ausgebaut. Anhand der außergewöhnlichen Baugeschichte des Tempels und seiner monumentalen Platzanlage soll dem Besucher die Geschichte der Stadt Simitthus und der Region von der römischen über die byzantinische bis in die islamische Zeit vermittelt werden. Im derzeitigen Zustand sind die verschiedenen Phasen nicht zu erkennen und die eindrucksvollen Reste sind durch Witterungseinflüsse vom Verfall bedroht. In Kooperation mit der tunesischen Denkmalbehörde Institut National du Patrimoine (INP) und dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Rom soll der Tempel vor der Zerstörung bewahrt und wiederhergestellt werden.

Transformationspartnerschaft

Für die von hoher Arbeitslosigkeit geprägte Region um das Dorf Chimtou schafft das nun möglich gewordene Projekt rund um den Kaiserkulttempel zusätzlich dringend benötigte Beschäftigung. Insbesondere nach dem sog. „Arabischen Frühling“ bildet dies eine Möglichkeit, die Menschen vor Ort kurzfristig zu unterstützen. Das Projekt ergänzt in idealer Weise die Maßnahmen des DAI im Bereich der Transformationspartnerschaft (wie etwa Personenförderung durch Kurse und Stipendien, Einrichtung einer neuen Marmorwerkstatt am Museum von Chimtou, usw.).

Beispielsweise wird für die Steinmetzarbeiten (Steinrestaurierung, Herstellung der Kunststeinblöcke, Versetzen der Steine) mit der Bayerischen Fachhochschule für Handwerk in München zusammengearbeitet. Die schon bewährte Einbindung lokaler Arbeitskräfte sowie von jungen Studierenden der Denkmalpflege an der Universität Tunis bietet die Möglichkeit der praktischen Fortbildung der tunesischen Arbeitskräfte.
Die Einbindung der Anlage in die antike Ruinenlandschaft und die naturräumliche Umgebung sowie die Unterstützung der Visualisierung der antiken Platzanlage wird im Rahmen eines Pilotprojektes von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich für Landschaftsnutzung und Naturschutz erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen, die von dieser Kooperation für die Lehre profitieren, und das Anlernen lokaler Arbeitskräfte ermöglicht es, das Erscheinungsbild der Platzanlage an die natürliche Umgebung anzupassen und nachhaltig zu gestalten.

Simitthus und die archäologische Forschung 

Der Tempel liegt an der nördlichen Einfahrt in die römische Stadt Simitthus im heutigen Tunesien. Der Name der Stadt Simitthus stand in der Antike für den goldfarbenen Marmor, den sog. „giallo antico“. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde hier unter den numidischen Königen der wertvolle Marmor gebrochen. Nach Verleihung des Koloniestatus an die Stadt Simitthus unter Augustus wurde die Marmorgewinnung weiter ausgebaut. Der „giallo antico“ wird in der römischen Epoche in Repräsentationsbauten in Rom im ganzen Reich verwendet (z.B. Pantheon, Rom). Heute können Besucher auf dem Areal des archäologischen Parks neben dem numidischen Höhenheiligtum auch die römische Stadt mit Forum, das Theater  oder die Thermen besichtigen.

Seit Mitte der 1960er Jahre führte das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom in enger Kooperation mit dem tunesischen Institut National du Patrimoine Ausgrabungen im antiken Stadtgebiet von Simitthus durch. Die Ergebnisse der Arbeiten wurden in drei Bänden der Reihe „Simitthus“ und in Zeitschriftenartikeln durch das DAI publiziert.
Die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen dem DAI und dem INP stellt ein besonderes Beispiel deutsch-tunesischer Kooperation dar, die sich geradezu symbolisch in dem gemeinschaftlich errichteten Museum von Chimtou präsentiert.

Hier finden Sie mehr zum Projekt in Chimtou.

Hier finden Sie mehr über das Kulturerhalt-Programm.

Link zur Pressemitteilung des Dainst.

 

 

Quelle:

Nicole Kehrer M.A.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutsches Archäologisches Institut

 

 

 

Wissenschaftler aus Hannover haben einen spektakulären Goldschatz aus der Bronzezeit erstmals seit seiner Entdeckung vorgestellt…

Zum Artikel auf www.focus.de

Viele verbinden mit Wien prachtvolle Schlösser und imperiale Parks. Andere wiederum denken bei dieser Stadt zunächst an den turbulenten Prater – oder an ein sündhaftes Stück Sachertorte.  Neben all dem gibt es hier aber auch für Archäologen viel zu entdecken, allein schon im Kunsthistorischen Museum, das dank seiner reichen Sammlungen – insbesondere der Werke aus Renaissance und Barock – zu den bedeutendsten Museen der Welt zählt.
Archäologen beeindruckt hier beispielsweise die Ägyptisch-Orientalische Sammlung mit mehr als 12000 Objekten – oder auch die Antikensammlung, die ich persönlich jedenfalls nicht so schnell wieder verlassen wollte.
Schon im 16. Jahrhundert sammelten die Habsburger am Wiener Hof Stücke aus der Antike. Der Beginn der deutschen Klassik im 18. Jahrhundert löste ein reges Interesse am griechisch-römischen Altertum aus; von nun an gelangten zahlreiche Bodenfunde nach Wien. Außerdem erweiterten nicht nur die Zusammenführung antiker Steinskulpturen, Büsten und Bronzen aus dem gesamten Hofbereich, sondern auch Ankäufe aus Privatsammlungen die kaiserliche Sammlung. Irgendwann reichten die Räumlichkeiten am Augustinergang der Hofburg nicht mehr aus. 1845 zog ein Teil der Sammlung in das Untere Belvedere. Seit 1891 stehen die antiken Objekte wiedervereint im damals neu eröffneten Kunsthistorischen Museum.
In der Schausammlung sind etwa 2500 Objekte aus mehr als drei Jahrtausenden zu sehen. Die für mich persönlich besonders schönen Stücke – übrigens in wahrhaft prunkvollen Räumen präsentiert – habe ich fotografisch festgehalten. Ein Besuch der Antikensammlung bzw. des Kunsthistorischen Museums allgemein lohnt sich – und bestimmt nicht nur bei winterlichen Minusgraden!

 

Weitere Informationen zum Kunsthistorischen Museum finden Sie hier.

 

 

Kunsthistorisches Museum (LH)

Auf dem Weg zur Antikensammlung (LH)

Goldschatz von Nagyszentmiklós, 7. bis 9. Jh. n. Chr. (LH)

Antike in prächtigen Räumen (LH)

Stoffrest aus der Spätantike (LH)

Mumienporträt eines jungen Mannes, 2. Jh. n. Chr. (LH)

Komödienmaske, 1. Jh. n. Chr. (LH)

Vasen über Vasen (LH)

Vierundvierzig Objekte spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum zurück. Die Stücke waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion transportiert worden und gelangten 1958 im Zuge der Rückgabeaktion an die DDR fälschlicherweise in das Ägyptische Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig.

Sie stammen aus dem 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr., überwiegend aus Ägypten und teils aus dem Weströmischen Reich. Die Objekte schließen Lücken in den Beständen und ermöglichen weitere Forschungen sowohl zur spätantiken und frühbyzantinischen Alltagskultur als auch zur eigenen Sammlungsgeschichte. Am Montag wurden sie in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte: „Es zeigt sich, wie gewinnbringend die Erforschung der Sammlungsgeschichte und Provenienzrecherchen sein können. Die Rückkehr der Objekte ist ein großes Glück für das Museum, zumal es heute archäologische Fundstücke kaum noch neu erwerben kann angesichts der häufigen Illegalität solcher Waren auf dem Markt.“

Etwa die Hälfte des Bestandes des heutigen Museums für Byzantinische Kunst, circa 3.000 Objekte, wurde nach Kriegsende in die Sowjetunion abtransportiert. Die während des Krieges im Flakbunker Friedrichshain ausgelagerten Sammlungsteile, darunter die meisten der spätantik-frühbyzantinischen Gebrauchsgegenstände aus Ägypten, galten nach dem Brand im Leitturm der Bunkeranlage im Mai 1945 als zerstört. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach spätantik-ägyptische Alltagsobjekte der Berliner Sammlung in russischen Ausstellungen entdeckt. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass sie sich bei Kriegsende im Flakbunker Friedrichshain befanden. Dennoch nähren solche Entdeckungen, wie auch der Fund der zwei Kisten, die Hoffnung, dass noch weitere, bisher zerstört geglaubte Objekte auftauchen.

Der Kustos des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig, Dr. Dietrich Raue, sagte am Montag in Berlin, es sei „ein sehr befriedigender Teil der Museumsarbeit gewesen, in diesem Fall mitzuwirken, dass die Objekte jetzt wieder dort sind, wo sie hingehören“. Die Herkunft der Objekte sei von Studierenden der Universität Leipzig erforscht worden. „Sie haben uns nie gehört. Also haben wir auch nichts verloren“, erklärte Raue. Die nun nach Berlin zurückgekehrten Objekte waren während des Rücktransports aus der Sowjetunion 1958 verstreut in mehreren Kisten gelagert, die zum größeren Teil aus Leipzig stammende Objekte enthielten.

Die Berliner Stücke waren nicht in den Begleitlisten verzeichnet und konnten daher nicht zugeordnet werden. Nach zunächst ergebnislosen Anfragen bei verschiedenen Dresdner und Berliner Museen führten weitere Recherchen zum Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.
Dort führte ein Abgleich mit den Inventarlisten, dem Verlustkatalog und einem Bestandskatalog von 1909 wie auch der Erwerbungsnummern zu einer Klärung der Provenienz von
44 der insgesamt 47 Objekte in den beiden Leipziger Kisten.
Die Herkunft dreier Stücke bleibt vorerst ungeklärt. Die originalen russischen Transportkisten sind nicht erhalten.
Die Objekte wurden in Leipzig – offenbar nach 1990 – in zwei stabile Kisten gepackt, in denen sie bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin lagerten. Es handelt sich nach Angaben Raues überwiegend um Stücke aus frühchristlicher Zeit des 4. bis 7. Jahrhunderts, zumeist aus Ägypten.

Derzeit fragt das Byzantinische Museum bei allen archäologischen Sammlungen in den östlichen Bundesländern an, ob möglicherweise weitere „Irrläufer“ aufzufinden sind.
Parallel hierzu wird ein Katalog vorbereitet, der die noch vermissten Objekte, beim gegenwärtigen Stand circa 1.600 Positionen, auflistet. Er soll im nächsten Jahr erscheinen und bei der Klärung von Provenienzfragen helfen. Mit ihm wird die Identifizierung eventueller „Irrläufer“ in Museumsdepots dann einfacher sein.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

Susann Huster

Pressestelle

Universität Leipzig

Die internationale Tagung „Weblogs in den Geisteswissenschaften oder: Vom Entstehen einer neuen Forschungskultur“ am 9. März 2012 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München begleitet den Online-Gang des deutschen Blogportals de.hypotheses.org. Das Portal stellt kostenlos einen Service zur Verfügung, der das Eröffnen von Wissenschaftsblogs aus allen Disziplinen der Humanities erleichtert, diese unter einem Dach versammelt und für eine größere Sichtbarkeit sowie für die Archivierung der Inhalte sorgt.

Damit wird auf ein Defizit reagiert. Während in anderen Ländern und in anderen Disziplinen das Bloggen bereits zum wissenschaftlichen Alltag gehören, führen sie in den deutschsprachigen Geisteswissenschaften derzeit ein Nischendasein. Kritiker verweisen auf das Risiko eines wissenschaftlichen Qualitätsverfalls und betrachten das Blogwesen vorwiegend als Mitteilungsort privater Befindlichkeiten. Doch die Stimmen derjenigen nehmen zu, die das Potential wissenschaftlichen Bloggens für die schnelle Verbreitung und Diskussion aktueller Forschungsinhalte hervorheben. Einblick in laufende Projekte zu gewähren, öffentliche Kommentare, die Freiheit im Stil und die Popularisierung von Ergebnissen sind dabei ungewohnte Erfahrungen. Erleben wir gerade das Entstehen einer neuen Wissenschaftskultur?

Dies thematisiert die Tagung über Weblogs in den Geisteswissenschaften, die darüber hinaus eine Bestandsaufnahme und einen Blick über den Tellerrand auf die Blogkultur anderer Länder und anderer Disziplinen wirft. In den insgesamt zehn Vorträgen stehen Fragen der Zielsetzung, Akzeptanz, Qualitätssicherung und Stilformen dieser Art der Publikation im Vordergrund.

Veranstaltet wird die Tagung vom Deutschen Historischen Instituts Paris und vom Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians Universität München, mit finanzieller Unterstützung von L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung und der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA).

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Tagung am 9. März 2012, 09:00–17:30 Uhr / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Alfons-Goppel-Str. 11, 80539 München

Kontakt / Anmeldung: Deutsches Historisches Institut Paris, Inger Brandt: ibrandt@dhi-paris.fr

Quelle:

Dunja Houelleu
Presse + Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Historisches Institut Paris

Eine Veranstaltung des Architektureferats des DAI

Bewegung und Raum konstituieren sich gegenseitig, denn Bewegung ist räumlich und ein Raum nur dann vollständig wahrnehmbar und erfahrbar, wenn man sich in ihm bewegt. Im architektonischen Raum sind Wege die Verbindung zwischen konkreten Orten. Ausgangspunkt, Verlauf, Zäsur, Orientierungsmarken, Abzweig, Kreuzung, Übergänge und Ziel sind die Grundelemente jeder Gestaltung von räumlichen Abfolgen. Während topologischen Modellen zumeist die Annahme zugrunde liegt, dass zwei Orte durch die kürzeste Verbindung, bzw. den Weg des geringsten Widerstandes miteinander verbunden sind, bemisst sich die Qualität eines architektonischen Weges nach kognitiven Gesichtspunkten, nach denen er zu erfahren ist: Länge, Bequemlichkeit, Abwechslung, Orientierung, Übersichtlichkeit und Zielführung. Hieraus ergibt sich das Erlebnis für denjenigen, der den gebauten Raum – suchend oder zielorientiert, in Eile oder promenierend – durchschreitet und schließlich an seinem Ziel ankommt.

Während raumzeitliche Konzepte für einige Epochen und Bauaufgaben relativ gut erforscht sind – für die Moderne zum Beispiel die Wegeführung und ihre Rolle für die Raumerfahrung in Le Corbusiers Villa Savoye, oder die Bedeutung der subjektiven Erfahrung und die Gestaltung von Architektur unter rhetorischen Gesichtspunkten für barocke Architektur – so wurde dies von der archäologischen Bauforschung bislang nur vereinzelt thematisiert. Als Beispiele wären hier die Überlegungen von Jens-Arne Dickmann zur räumlichen Erschließung pompejanischer Häuser, von Josef Maran zum Konzept des perforierten Raumes in mykenischen Palästen oder die Überlegungen zum Stadtraum von Pergamon von Felix Pirson zu nennen. Diese Fragen stellen sich aber auch für die Anlage von Wohnhäusern und Palästen anderer Epochen, für die Erschließung von Heiligtümern und Platzanlagen, die Raumfolgen von Thermen und Theatern, die Rhythmisierung von Basiliken und Kirchenanlagen sowie für die Gestaltung städtischer Räume. Zu fragen wären etwa:

In welcher Weise werden Volumen in den Raum gestellt und zueinander in Beziehung gesetzt, um Räume zu gestalten und Bewegungsabläufe zu lenken?
Wie werden Innenraum und Außenraum isoliert oder perforiert, um eine gegenseitige Durchdringung zu ermöglichen bzw. zu verhindern, um so Wege durch den Raum zu strukturieren?
Mit welchen gestalterischen Mitteln wird Bewegung in Räumen be- und entschleunigt, gefördert oder in sonstiger Weise beeinflusst?
In welchem Zusammenhang stehen Nutzungs- und Bewegungskonzepte unterschiedlicher Anlagen?

Das Architekturreferat des DAI lädt dazu ein, Studien zu diesem Fragenkomplex im Rahmen der 11. Diskussionen zur Archäologischen Bauforschung zu präsentieren. Anhand von konkreten baulichen Befunden soll untersucht werden, wie Wege im gebauten Raum durch Steuerung von Zugänglichkeit, Bewegungsmöglichkeit, Visibilität sowie Raumrhythmisierung gestaltet wurden. Durch die Rekonstruktion architektonischer Bildfolgen auf der Grundlage bauforscherischer Methoden sollen Anhaltspunkte für die konkreten Raumerfahrungen gesucht werden, die mit dem Durchschreiten durch den gestalteten Raum zu verbinden sind. Der Fokus ist dabei nicht auf die antike Architektur begrenzt, vielmehr wird auch ein Vergleich mit architektonischen Konzepten anderer Epochen und Kulturkreise angestrebt.

Das Kolloquium steht allen Interessierten offen und ist kostenlos.

Veranstaltungsort: 8.-11. Februar 2012 in Berlin, Fritz-Kolbe-Saal im Auswärtigen Amt und Theodor-Wiegand-Saal im Pergamonmuseum
Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Obwohl das Jahr 2012 erst begonnen hat, blicken viele bereits gebannt auf das Ende: Für den 21. Dezember soll der Maya-Kalender angeblich den Weltuntergang vorhersagen. Wissenschaftler weisen diese abstruse Interpretation zurück. Die Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn geht während ihrer Mesoamerikanisten-Tagung am Samstag, 11. Februar, auf die wissenschaftlichen Fakten zur angeblichen Apokalypse ein.

Eine rätselhafte Inschrift in einer Steintafel der Ausgrabungsstätte Tortuguero am Golf von Mexiko und der Maya-Kalender sollen angeblich Hinweise auf das Weltuntergangsdatum 21. Dezember 2012 geben. Wissenschaftler widersprechen dieser Darstellung. Der Maya-Forscher Prof. Dr. Nikolai Grube von der Universität Bonn führt am Samstag, 11. Februar, ab 9.30 Uhr im Akademischen Kunstmuseum, Am Hofgarten 21, in das Themenpanel „Mythos 2012“ ein. Wissenschaftler aus Melbourne (Australien), von der Technischen Universität Berlin sowie den Universitäten Bonn und Hamburg unterziehen gängige Interpretationen einer kritischen Betrachtung.

Während die Forschung die aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Originaltexte der Maya als Zeugnisse antiker Zeit- und Weltvorstellungen betrachtet, werden sie inzwischen öffentlich als Quelle für zweifelhafte apokalyptische Szenarien genutzt. In den Medien stößt das Thema auf großes Interesse und findet Anhänger in verschiedenen Kreisen. Weit ab von den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist ein medialer Selbstläufer entstanden. Die beteiligten Wissenschaftler haben sich daher das Ziel gesetzt, die voreuropäischen und modernen Maya-Überlieferungen zu „2012“ in deren historischen und kulturellen Kontext zu diskutieren. Weitere Beiträge befassen sich mit deren pseudo-wissenschaftlichen Auslegungen und der damit verbundenen Vermarktung des Maya-Kalenders und der Texte.

Einblicke in laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte bieten auch die beiden anderen öffentlichen Termine der Fachtagung am 10. und 12. Februar. Am Freitagnachmittag stehen ethnologische und historische Beiträge aus der Erforschung mittelamerikanischer indigener Gesellschaften im Fokus, der Sonntagvormittag ist gänzlich der archäologischen Forschung auf der Halbinsel Yukatan gewidmet. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Unkostenbeitrag beläuft sich auf fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Wegen der begrenzten Zahl an Zuhörerplätzen wird um Anmeldung gebeten: per E-Mail iae@uni-bonn.de (Stichwort: „2012“) oder telefonisch von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr unter 0228/73-4412.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle:

Johannes Seiler

Abteilung Presse und Kommunikation

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn