Vierundvierzig Objekte spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum zurück. Die Stücke waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion transportiert worden und gelangten 1958 im Zuge der Rückgabeaktion an die DDR fälschlicherweise in das Ägyptische Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig.

Sie stammen aus dem 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr., überwiegend aus Ägypten und teils aus dem Weströmischen Reich. Die Objekte schließen Lücken in den Beständen und ermöglichen weitere Forschungen sowohl zur spätantiken und frühbyzantinischen Alltagskultur als auch zur eigenen Sammlungsgeschichte. Am Montag wurden sie in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte: „Es zeigt sich, wie gewinnbringend die Erforschung der Sammlungsgeschichte und Provenienzrecherchen sein können. Die Rückkehr der Objekte ist ein großes Glück für das Museum, zumal es heute archäologische Fundstücke kaum noch neu erwerben kann angesichts der häufigen Illegalität solcher Waren auf dem Markt.“

Etwa die Hälfte des Bestandes des heutigen Museums für Byzantinische Kunst, circa 3.000 Objekte, wurde nach Kriegsende in die Sowjetunion abtransportiert. Die während des Krieges im Flakbunker Friedrichshain ausgelagerten Sammlungsteile, darunter die meisten der spätantik-frühbyzantinischen Gebrauchsgegenstände aus Ägypten, galten nach dem Brand im Leitturm der Bunkeranlage im Mai 1945 als zerstört. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach spätantik-ägyptische Alltagsobjekte der Berliner Sammlung in russischen Ausstellungen entdeckt. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass sie sich bei Kriegsende im Flakbunker Friedrichshain befanden. Dennoch nähren solche Entdeckungen, wie auch der Fund der zwei Kisten, die Hoffnung, dass noch weitere, bisher zerstört geglaubte Objekte auftauchen.

Der Kustos des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig, Dr. Dietrich Raue, sagte am Montag in Berlin, es sei „ein sehr befriedigender Teil der Museumsarbeit gewesen, in diesem Fall mitzuwirken, dass die Objekte jetzt wieder dort sind, wo sie hingehören“. Die Herkunft der Objekte sei von Studierenden der Universität Leipzig erforscht worden. „Sie haben uns nie gehört. Also haben wir auch nichts verloren“, erklärte Raue. Die nun nach Berlin zurückgekehrten Objekte waren während des Rücktransports aus der Sowjetunion 1958 verstreut in mehreren Kisten gelagert, die zum größeren Teil aus Leipzig stammende Objekte enthielten.

Die Berliner Stücke waren nicht in den Begleitlisten verzeichnet und konnten daher nicht zugeordnet werden. Nach zunächst ergebnislosen Anfragen bei verschiedenen Dresdner und Berliner Museen führten weitere Recherchen zum Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.
Dort führte ein Abgleich mit den Inventarlisten, dem Verlustkatalog und einem Bestandskatalog von 1909 wie auch der Erwerbungsnummern zu einer Klärung der Provenienz von
44 der insgesamt 47 Objekte in den beiden Leipziger Kisten.
Die Herkunft dreier Stücke bleibt vorerst ungeklärt. Die originalen russischen Transportkisten sind nicht erhalten.
Die Objekte wurden in Leipzig – offenbar nach 1990 – in zwei stabile Kisten gepackt, in denen sie bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin lagerten. Es handelt sich nach Angaben Raues überwiegend um Stücke aus frühchristlicher Zeit des 4. bis 7. Jahrhunderts, zumeist aus Ägypten.

Derzeit fragt das Byzantinische Museum bei allen archäologischen Sammlungen in den östlichen Bundesländern an, ob möglicherweise weitere „Irrläufer“ aufzufinden sind.
Parallel hierzu wird ein Katalog vorbereitet, der die noch vermissten Objekte, beim gegenwärtigen Stand circa 1.600 Positionen, auflistet. Er soll im nächsten Jahr erscheinen und bei der Klärung von Provenienzfragen helfen. Mit ihm wird die Identifizierung eventueller „Irrläufer“ in Museumsdepots dann einfacher sein.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

Susann Huster

Pressestelle

Universität Leipzig

Advertisements