Mit den soeben genehmigten Mitteln aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts kann der römische Kaiserkulttempel in Simitthus (Chimtou, ehem. Chemtou/Tunesien) vor dem bevorstehenden Verfall gerettet und für die Öffentlichkeit neu präsentiert werden. 

Der Tempel aus dem frühen ersten Jahrhundert n. Chr. war eines der wichtigsten Bauten des antiken Simitthus und wurde vielfach um- und ausgebaut. Anhand der außergewöhnlichen Baugeschichte des Tempels und seiner monumentalen Platzanlage soll dem Besucher die Geschichte der Stadt Simitthus und der Region von der römischen über die byzantinische bis in die islamische Zeit vermittelt werden. Im derzeitigen Zustand sind die verschiedenen Phasen nicht zu erkennen und die eindrucksvollen Reste sind durch Witterungseinflüsse vom Verfall bedroht. In Kooperation mit der tunesischen Denkmalbehörde Institut National du Patrimoine (INP) und dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Rom soll der Tempel vor der Zerstörung bewahrt und wiederhergestellt werden.

Transformationspartnerschaft

Für die von hoher Arbeitslosigkeit geprägte Region um das Dorf Chimtou schafft das nun möglich gewordene Projekt rund um den Kaiserkulttempel zusätzlich dringend benötigte Beschäftigung. Insbesondere nach dem sog. „Arabischen Frühling“ bildet dies eine Möglichkeit, die Menschen vor Ort kurzfristig zu unterstützen. Das Projekt ergänzt in idealer Weise die Maßnahmen des DAI im Bereich der Transformationspartnerschaft (wie etwa Personenförderung durch Kurse und Stipendien, Einrichtung einer neuen Marmorwerkstatt am Museum von Chimtou, usw.).

Beispielsweise wird für die Steinmetzarbeiten (Steinrestaurierung, Herstellung der Kunststeinblöcke, Versetzen der Steine) mit der Bayerischen Fachhochschule für Handwerk in München zusammengearbeitet. Die schon bewährte Einbindung lokaler Arbeitskräfte sowie von jungen Studierenden der Denkmalpflege an der Universität Tunis bietet die Möglichkeit der praktischen Fortbildung der tunesischen Arbeitskräfte.
Die Einbindung der Anlage in die antike Ruinenlandschaft und die naturräumliche Umgebung sowie die Unterstützung der Visualisierung der antiken Platzanlage wird im Rahmen eines Pilotprojektes von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich für Landschaftsnutzung und Naturschutz erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen, die von dieser Kooperation für die Lehre profitieren, und das Anlernen lokaler Arbeitskräfte ermöglicht es, das Erscheinungsbild der Platzanlage an die natürliche Umgebung anzupassen und nachhaltig zu gestalten.

Simitthus und die archäologische Forschung 

Der Tempel liegt an der nördlichen Einfahrt in die römische Stadt Simitthus im heutigen Tunesien. Der Name der Stadt Simitthus stand in der Antike für den goldfarbenen Marmor, den sog. „giallo antico“. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde hier unter den numidischen Königen der wertvolle Marmor gebrochen. Nach Verleihung des Koloniestatus an die Stadt Simitthus unter Augustus wurde die Marmorgewinnung weiter ausgebaut. Der „giallo antico“ wird in der römischen Epoche in Repräsentationsbauten in Rom im ganzen Reich verwendet (z.B. Pantheon, Rom). Heute können Besucher auf dem Areal des archäologischen Parks neben dem numidischen Höhenheiligtum auch die römische Stadt mit Forum, das Theater  oder die Thermen besichtigen.

Seit Mitte der 1960er Jahre führte das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom in enger Kooperation mit dem tunesischen Institut National du Patrimoine Ausgrabungen im antiken Stadtgebiet von Simitthus durch. Die Ergebnisse der Arbeiten wurden in drei Bänden der Reihe „Simitthus“ und in Zeitschriftenartikeln durch das DAI publiziert.
Die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen dem DAI und dem INP stellt ein besonderes Beispiel deutsch-tunesischer Kooperation dar, die sich geradezu symbolisch in dem gemeinschaftlich errichteten Museum von Chimtou präsentiert.

Hier finden Sie mehr zum Projekt in Chimtou.

Hier finden Sie mehr über das Kulturerhalt-Programm.

Link zur Pressemitteilung des Dainst.

 

 

Quelle:

Nicole Kehrer M.A.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutsches Archäologisches Institut

 

 

 

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