Archive für den Monat: März, 2012

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) ist im Besitz einer neuen Hominidenbüste. Die wissenschaftliche Rekonstruktion des Sahelanthropus tchadensis entstand im Atelier »Wildlife Art« von Wolfgang Schnaubelt und Nina Kieser. Es ist die mittlerweile zehnte Vormenschenbüste des Landesmuseums. Sie wird bei der Wiedereröffnung des HLMD im Herbst 2013 in der Dauerausstellung zur Evolution des Menschen präsentiert. 

Sahelanthropus tchadensis © Atelier Wildlife Art für Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Grundlage für die Rekonstruktion der Büste war ein deformierter Schädelfund aus dem Tschad. Im Jahr 2001 wurden dieser Schädel, Kiefer- und Zahnfragmente an der Fundstelle Toros-Menalla gefunden. Sahelanthropus hat ein Alter von 6.8 bis 7.2 Millionen Jahren. Der Schädel wurde von D. Ahounta vom »Centre National d’Appui à la Recherche« (CNAR) entdeckt und wird auch »Toumaï« genannt, was in der lokalen Gorane-Sprache ‚Hoffnung auf Leben’ bedeutet.

Voraussetzung für jede Hominidenrekonstruktion ist ein Schädelfund, der Rückschlüsse auf die Gesichtsmorphologie zulässt. Im Fall des Sahelanthropus lagen zusätzlich Abbildungen von computertomographischen Schädeldaten vor, mit denen im Jahr 2005 von einem Schweizer Team eine virtuelle Rekonstruktion durchgeführt wurde.

Die systematische Position von Sahelanthropus ist umstritten und einige Wissenschaftler bezweifeln, ob er aufrecht ging und ob es sich nicht eher um einen Verwandten des Gorillas, des Schimpansen oder des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpansen handelt.

Vormenschenfunde wie der 6 Millionen Jahre alte Orrorin tugenensis oder der 5.2 bis 5.8 Millionen Jahre alte Ardipithecus kadabba können daher so lange nicht als Büste gezeigt werden, bis ein halbwegs gut erhaltener Schädelfund gemacht wird.

Die neun übrigen Büsten im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zeigen die Gattungen Australopithecus (anamensis, afarensis, africanus, boisei), Kenyanthropus (platyops) und Homo (rudolfensis, habilis, erectus, neandertalensis). Die neue Gattung Sahelanthropus stellt den ältesten Vertreter der prominenten Büstensammlung des Museums dar.

Link zur Homepage des Hessischen Landesmuseums Darmstadt

Quelle:

Yvonne Mielatz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Vom 28. bis 31. März findet die Jahrestagung „Archäometrie und Denkmalpflege 2012“ an der Universität Tübingen statt.

Vom 28. bis 31. März findet an der Universität Tübingen die gemeinsame Jahrestagung des „Arbeitskreises Archäometrie und Denkmalpflege“ der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, des „Arbeitskreises Archäometrie“ der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – ARCHAEOMETRIE statt. Der Verbund hat das Ziel, naturwissenschaftliche Fachkompetenz im Bereich Kulturwissenschaften zu etablieren.

Auf den Jahrestagungen werden aktuelle Ergebnisse analytischer Untersuchungen zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen vorgestellt. Ob archäologische Objekte aus Keramik, Glas, Stein; organischen Materialien wie Zähnen oder Elfenbein; Münzen und Waffen; oder die Reste von Fertigungsstätten: neue Entwicklungen in der Analytik erweitern die Möglichkeiten substanzschonender Untersuchungen. Auch Kulturgüterschutz und Denkmalpflege profitieren, denn Natursteinbauwerke, Glasfenster, bemalte Skulpturen und Wandmalereien können nur gerettet werden, wenn ihre chemischen und mineralogischen Zusammensetzungen sowie zerstörende Mechanismen bekannt sind und bei konservatorischen Arbeiten berücksichtigt werden können.

Bei der diesjährigen Tagung spricht Juniorprofessor Dr. Johannes Krause vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen über „Das Genom des Schwarzen Tods: Genetische Untersuchung des mittelalterlichen Pesterregers“. Der Vortrag am Mittwoch, 28. März, (19:30 Uhr im Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) ist öffentlich.

Tagungsthemen sind unter anderem analytische Untersuchungen an glasierter Baukeramik in Zentralasien, die physikalisch-chemische Untersuchung von Wasserzeichen oder ein Echtheitstest für Bronze, der am Tübinger Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters entwickelt wurde. „Mit dieser Methode konnte beispielsweise die Echtheit der „Himmelsscheibe von Nebra“ nachgewiesen werden“, sagt Professor Ernst Pernicka, der lokale Organisator der Tagung.

An der Universität Tübingen wird seit einigen Jahren die Naturwissenschaftliche Archäologie im Bereich Forschung und Lehre konsequent aufgebaut. Diesen Aktivitäten liegt eine Verbundforschung zugrunde, die mit multidiziplinären Methoden der Naturwissenschaften interdisziplinäre Fragestellungen aus dem Bereich der Archäologie beantwortet, und die unter dem Begriff Umweltarchäologie zusammengefasst werden kann. Um diesen Forschungsschwerpunkt zu stärken, wurden Stellen für Professoren und Wissenschaftler/innen in Tübingen geschaffen und 2007 das interfakultäre Zentrum für Naturwissenschaftliche Archäologie (ZNA) gegründet. Durch eine Langzeitkooperation mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim und mit einem Langzeitprojekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften im Bereich menschliche Evolution erfolgten weitere Schritte, um einen bundesweiten Spitzenplatz auf dem Gebiet der Naturwissenschaftlichen Archäologie zu erlangen.

Seit Herbst 2008 bietet Tübingen erstmalig in Deutschland den Masterstudiengang Naturwissenschaftliche Archäologie an. Nachwuchswissenschaftler der fünf Säulen des Zentrums (Archäobotanik, Archäometrie, Archäozoologie, Geoarchäologie, Paläoanthropoloige) können hier alle Phasen der Ausbildung bis zur Promotion absolvieren. Das Promotionsstudium ist wiederum in die sich im Aufbau befindliche Tübinger Graduiertenakademie integriert und wird durch zwei Promotionsverbünde von der Universität unterstützt.

Weitere Informationen zu der Tagung finden Sie hier.
Quelle:
Michael Seifert
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Beitrag über die wahrscheinlich größte Goldmine des Römischen Reiches in Spanien. 1997 wurde sie zum Weltkulturerbe ernannt…

Link zum Artikel auf www.faz.net

„Ägyptens Schätze entdecken – Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ wird am 11. März eröffnet.

Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt ab Sonntag monumentale wie außergewöhnliche Objekte aus einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen altägyptischer Zeugnisse. Die sechsmonatige Sonderausstellung „Ägyptens Schätze entdecken – Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ präsentiert einerseits herausragende Exponate aus allen großen Epochen und Lebensbereichen des Alten Ägyptens, andererseits wird die vielfältige Geschichte der Ägyptologie mit ihren großartigen Entdeckungen und kulturgeschichtlichen Erkenntnissen dargestellt – von der ersten Welle der Ägyptenbegeisterung unter Napoleon Bonaparte bis hin zu aktuellen Forschungsergebnissen der Gegenwart.

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) waren an der Konzeption der Ausstellung und dem Begleitbuch maßgeblich beteiligt. Sie präsentieren in Speyer zudem neue Forschungen, die sie zusammen mit ihren Projektpartnern von der Freien Universität Berlin und der ägyptischen Universität Sohag auf dem Nekropolenberg in Assiut durchführen. Dieser Berg wird seit über 5000 Jahren durchgehend von den Bewohnern der Stadt genutzt – hauptsächlich als Friedhof mit Abertausenden von Gräbern, aber auch als Steinbruch, Ausflugsziel, Gebetsplatz, Siedlung für Eremiten, als Standort für Klöster und in jüngerer Zeit auch für Militäranlagen. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten zahlreiche Särge, Statuen und Beigaben aus Assiut ins Turiner Museum. Drei vollständige Grabausstattungen sind jetzt in Speyer zu sehen, darunter bestens erhaltene, über 4000 Jahre alte Holzstatuen (Foto 1). Seit 2003 kooperieren die Ägyptologieprofessoren Jochem Kahl (FU Berlin), Mahmoud El-Khadragy (Universität Sohag) und Ursula Verhoeven-van Elsbergen (JGU Mainz) auf internationaler Ebene und unternehmen jeden Sommer zweimonatige Feldforschungen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Langzeitvorhabens „The Asyut-Project“ (Foto 2). In Speyer werden neben den frühen Funden aus Turin aktuelle und multidisziplinäre Forschungsmethoden und -inhalte vorgestellt. Die Freilegung bislang unbekannter Gräber oder Grabkammern, die Säuberung und Dokumentation der berühmten Fürstengräber mit bis zu 12 Meter hohen Räumen und über 10 Meter tiefen Begräbnisschächten, die Aufnahme von Inschriften und Dekoration sowie die Untersuchung von Holz, Keramik, Menschen- oder Tierknochen und anderen Materialien ermöglichen neue Fragestellungen wie etwa zur Regionalität, zum antiken und modernen Geschichtsbewusstsein, nach Wissenskultur oder Jenseitsvorstellungen in Assiut.

„Der Titel der Ausstellung ‘Ägyptens Schätze entdecken‘ spannt den Bogen von den Entdeckungen der frühen Reisenden der französischen Expedition im Jahr 1799 bis zu unseren heutigen Entdeckungen, bei denen es darum geht, die Zusammenhänge von unscheinbaren ebenso wie von eindrucksvollen Funden und Baustrukturen herauszufinden, um das alte Ägypten als frühe und hochkomplexe Gesellschaft zu verstehen und als solche als Schatz zu werten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen.

Die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist vom 11. März bis 2. September 2012 zu sehen. Zu der Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, das durch seine Essays und Exkurse über einen reinen Katalog hinaus die Wissenschaftsgeschichte sowie Ägypten mit seinen „Menschen zwischen Fluss und Wüste“, „Verstorbenen im Schönen Westen“ und „Göttern zwischen Himmel und Erde“ vorstellt.

Quelle:

Petra Giegerich

Kommunikation und Presse

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Unter dem Titel „Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ startet ein großangelegtes deutsch-russisches Forschungsprojekt zu Verlusten wertvoller Kunstwerke und Kulturgüter russischer Museen im Zweiten Weltkrieg. 

Die russischen Museen erlitten im Zweiten Weltkrieg hohe Verluste durch Zerstörung und Abtransport Hunderttausender wertvoller Kunstwerke und Kulturgüter während des deutschen Eroberungskriegs. Das Ausmaß der Verluste wird dokumentiert in den Verlustkatalogen, die das russische Kulturministerium seit 1999 herausgibt. Bis heute jedoch lässt die Erforschung der Geschichte der Museen und des Schicksals ihrer Sammlungen im Krieg viele Fragen offen, nach der Mehrzahl der Objekte wird bis heute gesucht. Vor diesem Hintergrund will das großangelegte wissenschaftliche Projekt der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Kooperation von deutschen und russischen Wissenschaftlern anhand exemplarischer Fälle versuchen, die bestehenden Forschungslücken zu schließen. Die Partner freuen sich über die Förderzusage der VolkswagenStiftung, die das Projekt zu 75 Prozent finanziert. Die Kulturstiftung der Länder und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steuern aus Eigenmitteln zusammen 25 Prozent für das Forschungsvorhaben bei, das ein Volumen von rund 800.000 Euro hat und auf eine Dauer von zweieinhalb Jahren angelegt ist.

Das Projekt betritt inhaltlich und strukturell Neuland in der bilateralen Museumsforschung – das Forscherteam wird aus Historikern und Kunsthistorikern beider Länder bestehen. Mit den zunächst ausgewählten Museen – den Museumsstädten Nowgorod und Pskow sowie den Zarenschlössern Zarskoe Selo, Peterhof, Gatschina und Pawlowsk – ist bereits eine enge Kooperation vereinbart. Ziel ist es, in Fallstudien einen Beitrag zur Geschichte der Kulturgüter im Krieg aus der musealen Perspektive zu leisten. Damit eröffnet sich für die russischen Museen erstmalig die Möglichkeit, das Schicksal ihrer Häuser und Sammlungen während des Krieges in einer komplementären und systematischen Auswertung deutscher und russischer Aktenbestände zu untersuchen, ergänzt um Archivalien der westlichen Alliierten.

In den Untersuchungszeitraum (1941 bis 1950er Jahre) werden über die Zäsur von 1945 hinaus auch die unmittelbaren Nachkriegsjahre einbezogen, um erste Rekonstruktionsversuche der Museen und ihrer Sammlungen mit in den Blick zu nehmen. Die Fallstudien sollen in zwei Bänden (jeweils in russischer und deutscher Sprache) publiziert werden. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Wolfgang Eichwede (emeritierter Professor für Politik und Zeitgeschichte sowie Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen), die Projektleitung bei Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder. Dem Projekt steht ein deutsch-russischer Fachbeirat zur Seite.

Im Fachbeirat werden Prof. Dr. Hermann Parzinger (Vorsitz), Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Dr. Michail B. Piotrowski, Direktor der Staatlichen Eremitage St. Petersburg, Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Wolfgang Eichwede, Universität Bremen, sowie Vertreter der staatlichen Archive mitwirken.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, erklärte in Berlin: „Dank der Unterstützung durch die VolkswagenStiftung erhoffen wir uns mit dem neuen Forschungsprojekt Klarheit über den Verbleib zahlreicher Kunstschätze, die seit Kriegsende verschollen sind. Wir freuen uns, gemeinsam mit den russischen Wissenschaftlern neue Quellenforschungen zu den Kriegsverlusten russischer Museen beginnen zu können. Uns war es ein besonderes Anliegen, neben unseren schon vor einiger Zeit begonnenen Recherchen zu kriegsbedingt verlagerten Kunstwerken und Kulturgütern deutscher Museen, den Fokus ebenso auf die russischen Verluste zu richten.“

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Sprecher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, sagte dazu: „Das über Jahre gewachsene Netzwerk zwischen deutschen und russischen Museumsexperten wird durch dieses wissenschaftliche Projekt zu dem für beide Seiten höchst sensiblen Thema der Folgen des Zweiten Weltkrieges für den Kulturbereich auf das Beste sichtbar. Die Unterstützung durch die VolkswagenStiftung verdient großen Dank und hohe Anerkennung, ohne dieses Engagement könnte das wichtige Forschungsvorhaben nicht durchgeführt werden.“

Die Kustoden der beteiligten russischen Museen erklärten: „Unsere Erwartung ist groß, auf diese Weise nicht nur zu neuen historischen Einsichten zu gelangen, sondern auch Spuren zu finden, wo einzelne Kunstwerke geblieben sein können. Trotz der Registratur der Verluste und eigener Recherchen sind wir noch immer auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Daher kommt das Projekt einem Durchbruch gleich.“

Über 80 deutsche Museen, die bis heute von kriegsbedingt verlagerten Kunst- und Kulturgüterverlusten betroffen sind, haben im November 2005 in Berlin die Initiative „Deutsch-Russischer Museumsdialog“ gegründet, die ihre Interessen intern und extern fachlich vertritt. Ziel des Deutsch-Russischen Museumsdialogs ist es, Kooperationen zwischen Wissenschaftlern beider Länder in gemeinsamen Vorhaben zu intensivieren. Damit soll nicht nur Aufklärung über die Verluste in Deutschland und Russland erzielt werden, sondern vor allem auch Vertrauen zwischen den deutschen und russischen Fachkollegen geschaffen werden – frei von politischen und juristischen Überlegungen, die diese Diskussion sonst häufig überlagern.

Quelle:

Dr. Stefanie Heinlein

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stiftung Preußischer Kulturbesitz