Der Greifswalder Geologe Sebastian Stumpf entdeckte unter Wirbeltierresten aus der Tongrube bei Grimmen einen bislang unbekannten Dinosaurier. In seiner Masterarbeit ordnete er die Knochenreste der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden zu. Aus der Tongrube Klein Lehmhagen bei Grimmen stammen auch die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, welcher bislang als der einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns galt. Sebastian Stumpf arbeitet am Institut für Geographie und Geologie in der Arbeitsgruppe Historische Geologie und Paläontologie um Professorin Dr. Ingelore Hinz-Schallreuter und Dr. Stefan Meng.

Sebastian Stumpf befasste sich in seiner Masterarbeit „Reassessment of the fossil vertebrate fauna from the Lower Jurassic clay pit of Klein Lehmhagen near Grimmen, NE Germany“ mit Wirbeltierfunden der Tongrube Klein Lehmhagen. Die Knochenfunde stammen aus den Privatsammlungen von Dr. Jörg Ansorge (Horst), Dr. Wolfgang Zessin (Jasnitz), Wilfried Krempien (Schwerin) und Hansjoachim Krümmer (Greifswald), die ihr Material zur wissenschaftlichen Bearbeitung bereitstellten. Dabei entdeckte er neben den Knochenresten von Fischen und Meeresreptilien den unvollständigen Beckengürtel des neuen Dinosauriers. Form und Proportionen der Beckenknochen belegen die Zugehörigkeit zu der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden. Es scheint sich darüber hinaus sogar um eine neue Gattung und Art zu handeln. Der neu nachgewiesene Dinosaurier ist somit nach Emausaurus ernsti der zweiten Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns.

Von der Aufstellung einer neuen Gattung und Art wurde vorerst abgesehen. Weiterführende Untersu-chungen bzw. ein detaillierter Vergleich mit den bereits bekannten frühen Sauropoden (der späten Trias und frühen Jura) sollen die Verwandtschaftsbeziehungen des neuen Sauropoden innerhalb der Gruppe klären. Erst danach kann eventuell gesagt werden, ob es sich um eine neue Gattung und Art handelt.

Die Sauropoden gelten als eine der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Dinosaurier. Sie be-saßen einen langen Hals, einen langen Schwanz sowie einen verhältnismäßig kleinen Schädel. Sie brachten zudem die größten Landwirbeltiere der Erdgeschichte hervor. Sauropoden traten erstmalig in der Obertrias auf und verschwanden im Zusammenhang mit dem katastrophalen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Bei dem neuen Sauropoden handelt es sich somit um einen der ältesten Vertreter seiner Gruppe. Die einstige Größe des Tieres kann aufgrund der fragmentarischen Erhaltung nur ge-schätzt werden. Vermutlich erreichte der neue Sauropode eine Gesamtkörperlänge von fünf Metern.

Die Tongrube Klein Lehmhagen bei Grimmen ist eine regional und international bedeutende Fundstelle unterjurassischer Wirbeltiere (Alter: ca. 183 Millionen Jahre). Bekannt geworden ist dieses Unterjura-Vorkommen aufgrund seines Fossilreichtums, unter anderem an Ammoniten, Belemniten, Fischen, Insek-ten und Meeresreptilien. Im Gegensatz zur gut bearbeiteten Wirbellosenfauna ist die Wirbeltierfauna dieses Unterjura-Vorkommens kaum bekannt. Eine Ausnahme sind die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, eines der wertvollsten Sammlungsstücke der Universität Greifswald, welche aktuell unter hohem finanziellem Aufwand der Universität restauriert werden. In diesem Zusammenhang gab es im Rahmen des 555-jährigen Universitätsjubiläums unter maßgeblicher Beteiligung des Greifswalder Geologen Sebastian Stumpf eine Sonderausstellung „Ein Dinosaurier mit dem Namen der Uni Greifs-wald“. Emausaurus ernsti wurde 1990 von dem Hallenser Wirbeltierpaläontologen Professor Hartmut Haubold wissenschaftlich beschrieben und galt bislang als der einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns.

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Quelle:

Jan Meßerschmidt
Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

 

 

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