Archive für den Monat: Juni, 2015

Das Deutsche Archäologische Institut und das Palastmuseum Peking wollen in den nächsten Jahren eine enge Kooperation im Bereich der Palastforschung aufbauen.

Ziel der angestrebten Kooperation ist es am Beispiel der Verbotenen Stadt in Peking und dem römischen Kaiserpalast in Rom sowohl bei der archäologischen Untersuchung als auch der Erhaltung und Präsentation historischer Palastanlagen enger zusammen zu arbeiten. Hierbei soll die Expertise beider Vertragspartner besonders im Bereich der archäologischen Bauforschung für eine vergleichende Studie zu kaiserlicher Baukunst in China und Europa eingesetzt werden. Geplant sind gemeinsame Workshops, Publikationen und Ausstellungen.

Das Palastmuseum erforscht seit den 1950er Jahren intensiv die Baukunst und bauliche Entwicklung der Palastanlagen der chinesischen Kaiser der Ming und Qing Dynastie (15.-19. Jh.). Im Juni 2013 hat es ein eigenständiges archäologisches Institut gegründet, das Ausgrabungen im Palastbereich durchführt.

Am Architekturreferat wird seit vielen Jahren im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Semantik der Architektur der Herrschaft die Entwicklung des Kaiserpalastes der römischen Kaiser auf dem Palatin in Rom erforscht. Beide Vertragsunterzeichner betonten die wichtige Rolle der Erforschung von historischer Architektur für ein besseres Verständnis der Entwicklung von Palastanlagen im Rahmen sich wandelnder Herrschaftsverhältnisse. Diese bildet auch eine unverzichtbare Grundlage sowohl für den verantwortungsvollen Schutz und die Restaurierung als auch der Präsentation der historisch bedeutsamen Anlagen, die beide zum Weltkulturerbe gehören.

Während ihres Aufenthaltes im Palastmuseum Peking haben Ulrike Wulf-Rheidt und Dietmar Kurapkat mehrere Grabungen und Restaurierungsarbeiten mit den chinesischen Kollegen besichtigt und über potentielle gemeinsame Projekte für die folgenden Jahre diskutiert. In einem Workshop wurden die durch die chinesischen Kollegen erzielten Grabungsergebnisse in unterschiedlichen Palastbereichen der verbotenen Stadt sowie die Forschungsergebnisse zu den Palastanlagen in Rom, Italien und Resafa, Syrien vorgestellt.

Weitere Infos zu der Kooperation zwischen dem DAI und dem Palastmuseum Peking gibt es hier.

Quelle:
Nicole Kehrer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Archäologisches Institut

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Der Begriff der Identität in der Altertumsforschung steht im Mittelpunkt einer internationalen Tagung des Exzellenzclusters Topoi am 18. und 19. Juni im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Mitte. Welche Spuren finden wir von vergangenen Kulturen und wie stehen wir heute zu historischen Akteuren in Beziehung? Die Antworten auf solche Fragen, die meist Aussagen wie „die Griechen“, „die Germanen“, „die Eliten“, „Jäger“ oder „Sammlerinnen“ enthalten, interessieren nicht nur die Altertumswissenschaften. Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Bis heute werden solche Zuschreibungen zur Legitimation von Machtansprüchen und zu Ein- und Ausgrenzungen in Politik und Gesellschaft, sowie auch im Privatleben verwendet. Doch lässt sich der moderne Begriff der Identität überhaupt auf das Altertum übertragen? Und wie gehen wir mit aktuellen Identitätspolitiken um, die sich auf die Vergangenheit beziehen? Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen – etwa der Archäologie, Geschichte, Ethnologie und Geographie – diskutieren anhand konkreter Beispiele über Identitätspraktiken der Antike und der Moderne mit Bezug auf die Altertumswissenschaften.

In den Altertumswissenschaften ist der Begriff Identität relativ neu. Erst seit den 1990er Jahren wurde er in Deutschland für die Erforschung der Alten Welt erschlossen und scheint derzeit mehr und mehr zu einem Schlüsselbegriff zu werden. Statt jedoch in der Moderne entwickelte Konzepte auf die Vergangenheit zu übertragen, soll bei der Tagung diskutiert werden, wie der Begriff für die Erforschung eines weiter zurückliegenden Zeitraums der Menschheitsgeschichte verwendet werden kann. Dabei spielt auch die Quellenlage eine zentrale Rolle – für einige Kulturen sind bereits Texte überliefert, für andere nur Objekte. Ferner geht es darum, wie moderne Identitätsdiskussionen die Forschung geprägt haben und immer noch beeinflussen sowie welche Identitätsangebote die Altertumswissenschaften wiederum der Öffentlichkeit unterbreiten.

Das Thema der von Dr. Kerstin Hofmann, Nachwuchsgruppenleiterin am Exzellenzcluster Topoi und am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität, organisierten Tagung wird in vier Themenbereichen erschlossen: Identitäten: Theorien – Konzepte – Zugänge, Identität und Wissen, Identität und Raum sowie Identität und Repräsentation.

Identität zählt zu den Schlüsselbegriffen des Exzellenzclusters Topoi und wird in einer übergreifenden Arbeitsgruppe untersucht. Der Exzellenzcluster Topoi ist ein Forschungsverbund von Freier Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Deutschen Archäologischen Institut und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.

 

Weitere Infos zu der Tagung gibt es hier. 

Quelle:

Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Tübinger Forscher rekonstruieren DNA des Megaloceros aus Höhlenfunden der Schwäbischen Alb und finden mögliche Ursachen für sein späteres Aussterben.

Das große Massensterben am Ende der letzten Eiszeit führte zum Verschwinden vieler Tierarten, darunter das Mammut, das Wollnashorn, die Höhlenbären und der bis zu 1,5 Tonnen schwere Megaloceros, auch Riesenhirsch oder Irischer Elch genannt. Die genauen Gründe für das Aussterben vieler Arten sind ungeklärt, wahrscheinlich ist dafür eine Kombination aus dem Klimawandel und der Bejagung durch den Menschen verantwortlich. Einige Tierarten überdauerten jedoch das Ende der letzten großen Kaltzeit etwas länger als andere. Zu diesen gehört der Riesenhirsch, der während der Eiszeit große Teile Eurasiens besiedelte. Er war auch nach der Eiszeit noch in Teilen Nordwesteuropas zu finden, bevor er vor rund 7.000 Jahren endgültig von der Bildfläche verschwand. Forschern der Universität Tübingen gelang es nun, mitochondriale Genome (mtDNA) aus 12.000 Jahre alten Hirschknochen von der Schwäbischen Alb zu isolieren und dadurch Details zu ihrer Verbreitung im Süden Deutschlands zu klären.

Die untersuchten Hirschknochen konnten bei Ausgrabungen in den Höhlen Hohle Fels und Hohlenstein-Stadel auf der Schwäbischen Alb geborgen werden. Der Riesenhirsch galt in dieser Gegend sowie in ganz Zentraleuropa seit dem Höhepunkt der letzten großen Kaltzeit vor 20.000 Jahren als ausgestorben. Wissenschaftler hielten die Funde zunächst für Elchknochen, da Elche zu der Zeit in Süddeutschland weit verbreitet waren. Die Rekonstruktion der mitochondrialen Genome durch das Forscherteam unter der Leitung von Johannes Krause vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie und die anschließende genetische Analyse der DNA zeigten jedoch, dass es sich bei den Funden um Knochen der Riesenhirschart Megaloceros giganteus handelt. „Es ist nicht leicht, Elch und Riesenhirsch anhand der Form kleiner Knochenfragmente zu unterscheiden. Es könnte durchaus noch mehr Knochen geben, die bisher dem Elch zugeordnet wurden, aber vom Riesenhirsch stammen”, sagt Johannes Krause.

Weiterhin kamen bisherige Studien zu keinem klaren Ergebnis, mit welchen heutigen Hirschen der Riesenhirsch am engsten verwandt war. Die Tübinger Forscher erstellten einen Datensatz aus der DNA 44 moderner Hirsche und der beiden späteiszeitlichen Riesenhirsche, um daraus einen Stammbaum zu rekonstruieren. Dabei erwies sich der Damhirsch als der engste lebende Verwandte des Riesenhirsches. Diese Spezies ist in Vorderasien heimisch und wurde in Europa erst zu Zeiten des Absolutismus im 17. Jahrhundert als Jagdwild eingeführt. „Anhand des Körperbaus wurde spekuliert, ob der Rothirsch am nächsten mit dem Riesenhirsch verwandt sei, dies können wir in unserer Studie klar widerlegen”, sagt Alexander Immel aus der Arbeitsgruppe Krause.

Die Forscher untersuchten zusätzlich die Verhältnisse der stabilen Isotope des Kollagens, einem Strukturprotein, das einen wesentlichen Bestandteil der Knochen bildet. Sie verglichen die Kohlenstoff-13 und Stickstoff-15-Werte der Riesenhirschknochen aus den schwäbischen Höhlen mit de-nen von Rothirschen, weiteren Riesenhirschen und Rentieren, die zum Beginn und zum Ende der letzten Kaltzeit lebten. „Vor der letzten Kaltzeit unterschieden sich die Werte von allen drei Arten, danach zeigte sich eine klare Übereinstimmung – das deutet auf einen kleiner werdenden Lebensraum hin oder auf eine sich überschneidende Ernährungsweise der Hirscharten”, meint Dorothée Drucker aus der Biogeologie, die das Kollagen untersuchte.

Die Forscher spekulieren, dass sich die Riesenhirsche nach der letzten Kaltzeit den Lebensraum und die Nahrung mit anderen Hirscharten teilen mussten. Zudem war ihr bis zu 3,40 Meter spannendes Geweih wenig geeignet für das Leben im zunehmend bewaldeten Europa. Wahrscheinlich setzten dem Riesenhirsch die Konkurrenz mit anderen Arten sowie eine mögliche Überjagung durch Menschen zu, was letztlich zum Aussterben dieser imposanten Hirsche führte.

Weitere Infos zu den Riesenhirschen gibt es hier.

Quelle:

Dr. Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen