Archive für den Monat: Januar, 2017

Ist das Gold nun doch echt? Ja, sagen zwei Archäologen nach jahrelanger Forschung. Hierzu zwei spannende Artikel auf Süddeutsche Zeitung online und Spiegel Online.

Das „Dach der Welt“ stellt mit seiner extremen Höhenlage große Herausforderungen an die menschliche Anpassungsfähigkeit. So war das Tibetische Hochplateau vermutlich eine der letzten Regionen dieser Erde, die der Mensch besiedelt hat. Nun haben Forscher Hand- und Fußabdrücke in ausgehärtetem Travertin erstmals sicher datiert. Zwischen 8.000 und 12.000 Jahren sind die im Stein hinterlassenen Spuren in Chusang alt, und damit der bisher älteste Nachweis für eine permanente menschliche Besiedelung Hochtibets.

newsimage283060 (1).jpg

Die im Travertin hinterlassenen Hand- und Fußabdrücke. (Mark Aldenderfer)

Es gibt bereits eine ältere Datierung derselben Abdrücke, in der ihr Alter auf etwa 20.000 Jahre geschätzt wird, eine Zeit, die genau in das Hochglazial fällt. Tibet war damals extrem trocken und kalt und eine Besiedelung sehr unwahrscheinlich. „Diese ursprüngliche Datierung galt daher in der Fachwelt als umstritten und gleichzeitig war es ein erster und wichtiger Versuch einer Altersbestimmung an einem methodisch sehr herausforderndem geologischen Material“, erklärt Michael Meyer vom Institut für Geologie an der Uni Innsbruck. Mit einem Bündel an Methoden gelang es ihm mit seinem Team nun erstmals, die Abdrücke gesichert zu datieren und aufzuzeigen, dass es sich dabei um eine frühe permanente Besiedelung des Hochplateaus handeln muss.

Chusang liegt im zentralen Teil des Hochplateaus, das im Süden durch den Hohen Himalaya begrenzt wird. Da Tibet von geologischen Brüchen durchzogen ist, treten an diesen Störungszonen häufig heiße Quellen auf, die Carbonat ausfällen. Meterdick wird das Seitental in Chusang von Heißwasserquellkalk, auch Travertin genannt, überzogen. In diesem, vor Jahrtausenden noch weichen Travertin-Schlamm, sind bis heute die Hand- und Fußabdrücke der frühen Tibeter sichtbar. „Man hat sehr selten solche Glücksfälle. Wir wussten, dass mit der Datierung der Schicht des Travertins auch das Alter der Abdrücke, die mit dem Stein ausgehärtet sind, bestimmbar ist“, so Meyer. Neben der gängigen Radio-Carbon Methode und der Datierung mit der Uran-Thorium Technik kam zusätzlich die Lumineszenz-Datierung zum Einsatz. „Bei dieser Technik wird direkt Sediment datiert und wir bestimmen, wie viel Lumineszenz oder in anderen Worten, wie viel Licht in einem Mineral gespeichert ist“, so Meyer. „Nach unseren Berechnungen und unter Einbezug der anderen Datierungsmethoden sind die Abdrücke zwischen 8.000 und 12.000 Jahre alt.

Auf 4.500 Metern Seehöhe liegt durchschnittlich das Hochplateau in Tibet, dessen Besiedlungsgeschichte im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler steht. Manche Gegenden können jedoch auf noch einem wesentlich höheren Meeresniveau liegen. Zum Vergleich erwähnt Meyer den Mont Blanc, der mit 4.810 Metern mit der Höhe des Plateaus in Tibet vergleichbar ist. „Wir wissen heute relativ gut, wie sich unsere Vorfahren aus Afrika kommend über den Planeten verteilt haben. Dass Tibet einer der letzten Bereiche war der vom Menschen besiedelt wurde, ist gewiss. Allerdings mussten die Menschen damals beachtliche physiogeographische Barrieren überwinden und sich genetisch an die extreme Höhe anpassen, um permanent sesshaft werden zu können“, so Meyer. Ein weiterer Aspekt der Untersuchungen beschäftigte sich daher mit der Frage, ob es möglich gewesen wäre, das Gebiet von Chusang im Zuge saisonaler Jagdstreifzügen zu erreichen. Mit Hilfe von Migrations- und Reisekostenmodellierungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Weg auf das Plateau nur für die Sommersaison zu weit und zu beschwerlich gewesen sein muss.

Das Leben auf dieser Höhe erfordert eine spezielle Anpassung der Menschen, die soweit geht, dass ein spezielles Gen zur Höhenanpassung nur bei Tibetern zu finden ist. Manche Theorien von Genetikern gehen sogar von der beginnenden Mutation dieses Gens vor etwa 30.000 Jahren aus. Laut Meyer kann es durchaus sein, dass der älteste Nachweis des prähistorischen Menschen auf dem Tibetischen Hochplateau noch nicht gefunden wurde. Bis dahin stellt jedoch die Altersbestimmung der Hand- und Fußabdrücke von Chusang einen Meilenstein bei der Erforschung der Besiedlungsgeschichte des „Dachs der Welt“ dar.

Zur wissenschaftlichen Publikation über die ältesten Spuren Tibets geht es hier.

Quelle:
Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitarbeit und Kulturservice
Universität Innsbruck