Archive für den Monat: September, 2017

Eine Projektgruppe der Universität Leipzig erforscht den berühmten „Stein von Rosette“. Das monumentale Fragment einer steinernen Stele mit einer dreisprachigen Inschrift aus dem Jahr 196 v. Chr. soll mit modernen digitalen Analysemethoden untersucht und für jedermann im Internet präsentiert werden. 

In die Tafel, die sich im British Museum in London befindet, wurden sinngemäß gleichlautend drei untereinander stehende Schriftblöcke eingemeißelt. Auf Grundlage dieser dreisprachigen Inschrift war es dem Franzosen Jean-Francois Champollion im Jahre 1822 möglich, die Hieroglyphen zu entziffern.

Das Leipziger Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, den Stein von Rosette in einer digitalen Präsentation im Internet zugänglich zu machen. Dabei sollen neue Methoden der digitalen Geisteswissenschaften angewandt werden. „Es wird nicht nur Übersetzungen in mehrere moderne Sprachen geben, sondern auch sprachwissenschaftliche Verlinkungen zu verschiedenen Themen“, erklärt Projektleiterin Dr. Monica Berti vom Humboldt Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Leipzig. Dr. Franziska Naether vom Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig ergänzt: „Uns ist es wichtig, dass auch die Studenten von Anfang an mit den neuen Methoden vertraut gemacht werden.“ Das Projekt wird zum Wintersemester 2017 starten und läuft insgesamt ein Jahr. Alle Interessierten sind herzlich zu einer Auftakt-Präsentation am 5. Oktober von 16 bis 17 Uhr in den Hörsaal 8 (Hörsaalgebäude Campus Augustusplatz) eingeladen.

Gefördert wird das Projekt aus Bundesmitteln für die Lehre („StiL – Studieren in Leipzig“). Zwei Mitarbeiterinnen werden eingestellt. Kooperationen mit Forschern der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, des British Museum London, der Humboldt-Universität Berlin und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind geplant.

Hintergrund zum Stein von Rosette:

Bei dem monumentalen Denkstein handelt es sich um ein Dekret, das der ägyptische Pharao und Priester im Jahre 196 v. Chr. miteinander ausgehandelt haben. Es ehrt den ägyptischen König Ptolemaios V. Der Text enthält Gesetze, aber auch Kultvorschriften und Vergünstigungen für die ägyptischen Tempel. Die große Besonderheit ist, dass das Dekret in drei Sprachen und Schriften vorliegt: in Hieroglyphen, auf Demotisch und auf Altgriechisch. Das Wissen über die Lesung des Altgriechischen war nicht verloren gegangen, aber das über die Lesung der beiden ägyptischen Schriften.

Weitere Infos zu dem Leipziger Projekt gibt es hier.

Der "Stein von Rosette"

Der „Stein von Rosette“. wiki commons / von Olaf Herrmann

Quelle:
Susann Huster
Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Advertisements

Restauratoren und Wissenschaftler des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) erforschen zur Zeit in einem deutsch-amerikanischen Kooperationsprojekt archäologische Überreste aus der antiken Stadt Morgantina (Sizilien, Italien): Mehr als 2500 Bronze-Objekte – insbesondere aus den drei Jahrhunderten vor Christi Geburt – geben den Experten des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie Aufschluss über vergangene Besiedelungen und weitreichende Fernkontakte.

„Die Funde stellen wohl den größten und bedeutendsten Komplex ihrer Art im gesamten Mittelmeerraum dar. Viele dieser Stücke sind Jahrzehnte nach der Ausgrabung immer noch nicht restauriert worden, was aber für eine grundlegende wissenschaftliche Bewertung eine zwingende Voraussetzung ist“, erklärt der Projektleiter, PD Dr. Holger Baitinger (RGZM), und ergänzt: „schon die Freilegung einer bestimmten Verzierung auf einem dieser aus Bronze hergestellten antiken Objekte kann uns bei der wissenschaftlichen Einordnung einen großen Schritt voranbringen und Forschungsergebnisse präzisieren.“ Mehrere Wochen lang ergänzen drei Nachwuchsrestauratoren des dualen Bachelor-Studiengangs »Archäologische Restaurierung« die Arbeit der Archäologen vor Ort. Der Auslandsaufenthalt bildet einen wichtigen Bestandteil ihrer Ausbildung am RGZM, die gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erfolgt.

Seit 2015 ist das wissenschaftliche Projekt, das die Metallfunde aus dem antiken Morgantina näher untersucht, im Forschungsfeld „Kulturkontakte“ des RGZM angesiedelt. Die restauratorische Expertise aus dem RGZM begleitet die amerikanischen Grabungen in Morgantina bereits seit Mitte der 1990er Jahre. Aus den Erkenntnissen der vergangenen Grabungen sind sich die Wissenschaftler einig, dass das Areal quasi bruchlos von der späten Bronzezeit (10. Jh. v. Chr.) bis in die Zeit um Christi Geburt besiedelt war. Eine große Überraschung stellen insbesondere zahlreiche „keltische“ Gewandspangen dar, die auf die Anwesenheit fremder Personen aus dem oberitalisch-alpinen Raum hinzuweisen scheinen. 1955 begannen die Ausgrabungen unter Leitung der Princeton University; sie werden bis heute durch amerikanische Archäologen von verschiedenen Universitäten fortgeführt. Die bisherigen Funde werden im Archäologischen Regionalmuseum vor Ort ausgestellt.

Forschungsfeld „Kulturkontakte“

Kulturkontakte prägen in starkem Maße die moderne Welt und unseren Alltag, hatten auf vor- und frühgeschichtliche Gruppen und Gesellschaften tiefgreifende und oftmals nachhaltige Auswirkungen. Die Untersuchung kultureller Kontakte bildet eine wichtige Basis, um Prozesse und Entwicklungen in unserer heutigen Gesellschaft besser verstehen zu können und bietet damit wertvolles Orientierungswissen. Ihre Erforschung innerhalb des Forschungsfelds erleichtert es den Wissenschaftlern des RGZM deshalb, heutige Entwicklungen und Verhaltensweisen besser zu begreifen.

Mehr über das Forschungsfeld Kulturkontakte des RGZM.

Quelle:

Ebru Esmen
Bildung und Kommunikation
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie