Archive für den Monat: April, 2018

Provenienz ist aktuell zu dem zentralen Thema im Umgang mit dem kulturellen Erbe geworden. Für die Archäologie gehört die Erforschung der Herkunft von Objekten hingegen schon immer zum Kerngeschäft. Das Titelthema des Magazins des Deutschen Archäologischen Instituts beschäftigt sich daher mit der Provenienzforschung als hoch komplexer historischer Forschung aus dem speziellen archäologischen Blick heraus. Über den Wert von Scherben erzählt die Rubrik „Alltag Archäologie“ und wie Zeichnungen bauforscherischen Ergebnissen Leben einhauchen, erfahren Sie im „Panorama“.

Zur neuen Ausgabe der „Archäologie weltweit“ geht es hier.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

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Einem Team des Deutschen Archäologischen Instituts gelangen bei der Untersuchung von Weihrauchrückständen aus der Oase Tayma (Saudi-Arabien) überraschende Ergebnisse.

Im Rahmen des DAI-Projekts in der Oase Tayma im Nordwesten Saudi-Arabiens untersuchte ein interdisziplinäres Team rund um Barbara Huber Rückstände von Weihrauch, die aus mehr als 60 Weihrauchbrennern der Oase stammen. Huber und ihren KollegInnen aus dem Tayma-Projekt (A. Hausleiter), dem Referat Naturwissenschaften des DAI (M. Dinies) sowie des Instituts für Ökologie der Technischen Universität Berlin (J. Christopher, I. Säumel, Th. L. Huong Pham) gelang im Labor der Nachweis, dass in Tayma unterschiedliche Aromata für die Erzeugung von Wohlgerüchen verwendet wurden. Neben Pistazie konnten sie Weihrauch und Myrrhe nachweisen. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Aromata offenbar nach funktionellen Kontexten differenziert verwendet wurden (Tempel, Wohnhäuser, Gräber).

„Die Verwendung dieser Aromata in einer Oase Nordwestarabiens“, so Huber, „beleuchtet die Rolle der Oasen als Abnehmer der verhandelten Substanzen und nicht nur als Umschlagplatz“. Nach derzeitigem Stand wurden importierte Aromata erst deutlich nach Etablierung des Überlandhandels mit dem domestizierten Dromedar (ab dem Ende des 2. Jahrtausends v. Chr.) in Tayma verwendet.

Das multidisziplinäre Projekt in Tayma basiert auf einer Kooperation zwischen der Saudi Commission for Tourism and Antiquities und der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Unter Leitung von Ricardo Eichmann und Arnulf Hausleiter wird es seit 2004 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (www.dfg.de) gefördert. Den Status eines Langfristvorhabens hat es seit 2008 inne.

Weitere Infos zu dem Forschungsprojekt in Tayma gibt es hier.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

 

Im Kolosseum starben in 300 Jahren 300.000 Menschen! Dennoch: Wer als Straftäter zum Dienst in der Arena verurteilt wurde, hatte noch Glück. Er hatte immerhin die Chance, sein Leben selbst zu verteidigen – hartes Training vorausgesetzt –, bekam jeden Tag eine nahrhafte Mahlzeit und wurde medizinisch gut versorgt, denn ein erfolgreicher Gladiator hatte einen beachtlichen Marktwert. Für seinen Besitzer war er ein Goldesel, für das Publikum ein Star, für den Sponsor eine weitere Sprosse in der Karriereleiter.

In meinem neuesten Buch Gladiatoren. 100 Seiten (erschienen bei Reclam) zeige ich die Geschichte und Hintergründe der Gladiatorenspiele auf.

Mehr Informationen gibt es hier.

 

Der Europäische Forschungsrat fördert die Forschung zur Ausbreitung nomadischer Lebensformen in der Steppe.

Vor rund 5000 Jahren entstanden die ersten nomadischen Lebensformen in der eurasischen Steppe. Mit der neuen Ausrichtung der täglichen Ernährung auf Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde stellt dies einen einzigartigen Wendepunkt in der menschlichen Vorgeschichte dar. Die neue, nomadische Lebensform markiert eine drastische Veränderung gegenüber den sesshaften Agrargesellschaften, die bis zu diesem Zeitpunkt einen Großteil der alten Welt bevölkert hatten. In ihrem Projekt ASIAPAST wird Professorin Cheryl Makarewicz von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die Entstehung, Verbreitung und Intensivierung des sogenannten mobilen Pastoralismus in der eurasischen Steppe untersuchen. Dabei geht sie der Frage nach, welche Auswirkungen diese neue Lebensform auf die Ernährung, die sozialen und die symbolischen Welten der Menschen hatte. Dafür erhält Makarewicz eine Förderung des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC), den ERC Consolidator Grant. Von 2.538 eingereichten Anträgen wurden 329 zur Förderung vorgeschlagen. Davon gingen 56 Grants nach Deutschland, einer davon an Professorin Cheryl Makarewicz. Sie erhält zwei Millionen Euro Förderung.

Das auf fünf Jahre angelegte Projekt „Von der Herde zum Großreich: Biomolekulare und archäozoologische Untersuchungen des mobilen Pastoralismus in der frühgeschichtlichen eurasischen Steppe“ (kurz ASIAPAST), beginnt im Mai dieses Jahres. Gemeinsam mit ihrem Team wird Makarewicz zunächst menschliche und tierische Knochen und Zähne sowie Keramikscherben an verschiedenen Forschungsstätten in der Mongolei, in Russland, Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan sammeln. Diese Überreste der alten Kulturen enthalten ein wertvolles Archiv an biomolekularen Informationen, aus denen sich ablesen lässt, wovon sich die frühzeitlichen Nomaden ernährten, wie sie ihre Tiere betreuten und in welchem Radius sie sich bewegten. „Dies ist das erste interdisziplinäre Projekt, das die genauen Mechanismen in Bezug auf Lebensunterhalt und soziales Miteinander untersucht, welche den Übergang von der Jagdgesellschaft zum Hirtentum vor über 4500 Jahren in dieser riesigen Region der Welt vorantrieben. Wir beschäftigen uns hier mit fundamentalen Fragen, deren Beantwortung bisher noch nie versucht wurde“, so Makarewicz.

Mehr Infos zu dem Projekt von Professorin Cheryl Makarewicz gibt es hier.

Quelle:
Dr. Boris Pawlowski
Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die bronzezeitlichen mykenischen Paläste in Griechenland wurden nicht durch eine Erdbebenkatastrophe zerstört, wie bisher vielfach angenommen. Archäoseismologe Klaus-Günter Hinzen von der Universität zu Köln und der Archäologe Joseph Maran von der Universität Heidelberg untersuchen die antiken Städte Tiryns und Midea.

Niemand weiß genau, warum die mykenischen Paläste um 1200 vor Christus ihr Ende fanden; auch ein Mega-Erdbeben oder ein „Erdbebensturm“ am Ende der Bronzezeit wurden angenommen. „Für diese Hypothese konnten wir in den mykenischen Städten Tiryns und Midea keine Belege finden“, erklären nun der Geophysiker Professor Dr. Klaus-Günter Hinzen von der Universität zu Köln und der Archäologe Professor Dr. Joseph Maran von der Universität Heidelberg. Seit 2012 haben die Kölner Archäoseismologen die mykenischen Zitadellen Tiryns und Midea im Rahmen des Projektes HERACLES (Hypothesis-Testing of Earthquake Ruined Argolid Constructions and Landscape with Engineering Seismology) untersucht. Nun haben sie ihre Abschlussarbeit „Reassessing the Mycenaean Earthquake Hypothesis: Results of the HERACLES Project from Tiryns and Midea, Greece“ im Bulletin of the Seismological Society of America veröffentlicht (doi: 10.1785/0120170348). Das Projekt wurde von den Universitäten Köln und Heidelberg mit Unterstützung der griechischen Altertümerverwaltung durchgeführt und von der Gerda-Henkel-Stiftung und der Fritz-Thyssen-Stiftung jeweils zur Hälfte gefördert.
Hinzen untersuchte mit seinem Team die mykenischen Zitadellen von Tiryns und Midea in der Argolis, im Nordosten der Peloponnes, wo auch Mykene liegt. Beide Orte sollten laut gängiger Hypothese am Ende der Bronzezeit von mehreren Erdbeben heimgesucht und um 1200 vor Christus durch ein starkes Erdbeben zerstört worden sein. Damit sei wie bei anderen mykenischen Zentren der Untergang der ganzen Kultur eingeleitet worden.
In den Jahren 2012-2013 untersuchte das Team die lokale Geologie der Orte, ihre Lage in den Erdbebenzonen Griechenlands und die vermeintlichen Erdbebenschäden in den Grabungen vor Ort. Sie sammelten Daten und modellierten, wie sich Erdbeben in Tiryns und Midea ausgewirkt hätten. Die Forscher setzten eine Reihe von geophysikalischen Messverfahren ein: aktive und passive Seismik, refraktionsseismische Messungen und Array-Messungen mit Seismometern. Ein dreiviertel Jahr lang wurden zehn Messstationen betrieben, die kleinere Erdbeben registrierten, die es in Griechenland immer wieder gibt. Hinzu kamen gravimetrische Messungen des Erdschwerefeldes. Mit den gewonnenen Daten berechneten sie die Standorteffekte während eines Erdbebens. „Das war die Grundlage, um zu prüfen, ob es in Tiryns oder Midea ungewöhnliche Bodenverstärkungen bei Erdbeben gibt.“
Die Zitadellen von Tiryns und Midea sind beide auf Bergrücken errichtet worden. Die Oberstadt von Tiryns steht auf einem Kalkgesteinsrücken, die umgebende Unterstadt hingegen auf lockeren Sedimenten. „Die Standorteffekte bei Erdbeben sind auf den Sedimenten sehr viel stärker. Bei einem Erdbeben würde man erwarten, dass als erstes die Unterstadt leidet und nicht der Palast.“ Gerade in der Unterstadt ist aber kein Schaden nachgewiesen. Alles, was bisher als Erdbebenschaden angesehen wurde, lag im Palastbereich. „Wir haben festgestellt, dass ein Großteil dieser beschriebenen Schäden im Palastbereich nicht als Erdbebenschaden interpretiert werden kann.“ Zum Teil handelte es sich stattdessen um langsamen Verfall im Laufe der Jahrhunderte oder um Fehlinterpretationen von Befunden, erklärt Hinzen: „Man hat zum Beispiel in den 1970er Jahren in einem Raum Terracottafiguren und –vasen gefunden, die zerbrochen auf dem Boden lagen. Die alte These war, dass diese Artefakte durch ein Erdbeben von einer steinernen Bank heruntergefallen seien.“ Hinzen und sein Team schauten sich die Verteilung der Bruchstücke, so wie sie gefunden wurden, an. „Wir konnten durch mehrere tausend Modellrechnungen in einer Computersimulation zeigen, dass ein Erdbeben hier als Ursache kaum in Frage kommt.“
Auch die grundsätzliche Erdbebengefahr in der östlichen Peloponnes betrachteten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anhand von Simulationen. „An sich ist diese Gegend für griechische Verhältnisse relativ ruhig. Wenn überhaupt, so kämen für ausgedehnte Zerstörungen in Tiryns nur lokale Erdbebenherde in der Argolis in Frage. Für solche Beben gibt es aber bisher keine Nachweise“, erklärt der Kölner Archäoseismologe. Die neuen Ergebnisse lassen bezweifeln, dass Tiryns und Midea Opfer eines „Erdbebensturms“ am Ende der Bronzezeit wurden, wie ihn einige Wissenschaftler postulieren.

Weitere Infos zu den Untersuchungen der Mykenischen Paläste gibt es hier.

Quelle:
Gabriele Meseg-Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln