Archive für Beiträge mit Schlagwort: Ägyptologie

In einem Modellprojekt soll das über 23 Meter lange und gut 2.500 Jahre alte Schriftstück der „lah-tes-nacht“ nachhaltig vor dem Zerfall gesichert werden. 

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) unterstützt in der Modellprojektförderung 2017 den Erhalt des altägyptischen Totenbuchs der „lah-tes-nacht“ (Papyrus Coloniensis 10207). Der einzigartige Papyrus befindet sich im Besitz der Abteilung Ägyptologie der Universität zu Köln und ist mit einer Länge von 23,5 Metern der längste altägyptische Papyrus in Deutschland. Die Förderung in Höhe von über 64.000 Euro soll es ermöglichen, eine neue modellhafte Lagerungstechnik für den wertvollen Riesenpapyrus zu entwickeln.
„Auch wenn der Papyrus uns bereits so viele Jahrhunderte mehr oder weniger erhalten geblieben ist, ist sein aktueller Zustand kritisch“, sagt Professor Dr. Richard Bußmann, Ägyptologe von der Universität zu Köln und Antragsteller des Projekts. „Wir freuen uns, dass wir mit dem bewilligten Projekt eine neue Konservierungsmethode erstmals in so großem Maßstab werden anwenden können.“
In den 1970er Jahren hatte man die gigantische Schriftrolle in insgesamt 36 Blätter zerschnitten und diese mit Tesa-Filmstreifen auf Glasplatten geklebt. Stellenweise ungeschützt und im Kontakt mit der Luft wurde das Naturmaterial jedoch mürbe – es bröselt. „Unser Ziel ist es, das Kulturgut klimastabil und damit nachhaltig lagern zu können. Dazu arbeiten wir mit Professor Dr. Robert Fuchs von der Technischen Hochschule Köln zusammen. Sein Team restauriert die Papyrusteile, untersucht sie naturwissenschaftlich und baut neuartige Rahmen“, erklärt Bußmann.
Die Papyrusfragmente werden auf farblich passendes Japanpapier aufgebracht, kommen dann auf gepufften Karton, auf eine Honigwaben-platte und auf einen archivbeständigen Museumskarton. Durch dieses Schichtwerk in Kombination mit einem innovativen Rahmenkonstrukt und UV-protektierenden Glasplatten wären die Papyri ideal geschützt. Die Ausstellung, der Transport und die Lagerung der Schriftstücke sind dank dieser Maßnahmen problemlos möglich und machen das wissenschaftlich gefragte Untersuchungsobjekt mobiler. Auf diese Weise ist der Papyrus für Forschung, Studierende und Öffentlichkeit besser zugänglich.

In dem Totenbuch aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., das einer Ägypterin namens lah-tes-nacht gehörte, findet sich eine Sammlung von Totensprüchen. Der Papyrus ist ein herausragendes Beispiel für die Kanonisierung des Jenseitswissens in dieser Epoche. Zugleich liefert er Aufschluss über die altägyptische Schreibpraktik und die Integration von textlichen und bildlichen Elementen in der Weitergabe von wichtigem kulturellem Wissen aus der Spätzeit der pharaonischen Kultur.

Mehr Infos zum längsten Papyrus auf der Seite der Universität zu Köln.

Quelle:
Gabriele Meseg-Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

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Grabkammer einer der ältesten königlichen Pyramiden von Meroe durch die Qatari Mission for the Pyramids of Sudan geöffnet

Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert wurden die Grabkammern einer der königlichen Pyramiden von Meroe für archäologische Untersuchungen wieder geöffnet. Das unterirdische Grab der „Großen Königlichen Gemahlin“ Khennuwa aus dem frühen 4. Jh. v. Chr. befindet sich etwa sechs Meter unterhalb ihrer Pyramide. Seine beiden Kammern sind mit vortrefflichen Wandmalereien und Hieroglyphentexten dekoriert, von denen viele noch sehr gut erhalten sind.

Die Wiedereröffnung des Grabmals ist Teil der Forschungs- und Konservierungsaktivitäten der von S.E. Sheikh Hassan bin Mohammed bin Ali Al Thani geleiteten Qatari Mission for the Pyramids of Sudan (QMPS). Das Projekt verfolgt das Ziel, die mehr als 100 Pyramiden der königlichen Friedhöfe von Meroe mit internationalen Expertenteams zu erhalten und zu erforschen. Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen, um das historisch bedeutende Grabmal der Königin für die interessierte Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen, sind geplant.

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Die unterirdischen Grabkammern der Pyramide von Königin Khennuwa in Meroe. (P. Wolf/DAI)

Vier Jahrhunderte nachdem ihre Urahnen als „Schwarze Pharaonen“ der 25. Dynastie im 7. Jh. v. Chr. das Alte Ägypten beherrscht hatten, errichteten die Könige und Königinnen von Meroe ein riesiges Reich auf dem Gebiet des heutigen Nordsudan südlich des Ersten Nilkataraktes. Zentrum war die Hauptstadt Meroe, etwa 200 km nördlich des heutigen Khartoum. Bis zum Untergang des meroitischen Reiches im 4. Jh. n. Chr. wurden seine Herrscher in Pyramidenfriedhöfen am Rande der östlich der Hauptstadt gelegenen Bergregion begraben. Königin Khennuwas Grab, errichtet an einem der Eingangswege zu den Nekropolen, gehört zu deren frühesten Pyramiden. Enge Parallelen der Grabdekoration zu Totentexten der 25. Dynastie bezeugen den noch sehr starken Einfluss älterer Traditionen.

Königin Khennuwas Grab wurde schon 1922 von George A. Reisner vom Bostoner Museum of Fine Arts ausgegraben, aber leider nur durch einige wenige Fotografien und Handskizzen dokumentiert. Für annähernd ein Jahrhundert stellte diese spärliche Dokumentation die einzige Informationsquelle für die Forschung dar. Die Wiederausgrabung der Pyramide und die Wiederöffnung ihrer Grabkammern ermöglicht nun eine detaillierte Dokumentation mit hochmodernen Methoden und wird die Grundlage für zukünftige archäologische Forschungen sein.

Die neuen Feldarbeiten sind Teil eines groß angelegten Programmes zur Erforschung, dem Erhalt und der Förderung der einzigartigen Pyramidennekropolen von Meroe, die seit 2012 zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Das Projekt wurde 2015 durch die Qatari Mission for the Pyramids of Sudan in enger Kooperation mit der sudanesischen Denkmalpflege in Khartoum und mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Berlin ins Leben gerufen.

Das DAI beherbergt mit dem Friedrich-Hinkel-Archiv das weltweit umfangreichste Forschungsarchiv zur Archäologie des antiken Sudan. Die Digitalisierung seiner Bestände und deren Umwandlung in ein öffentliches digitales Forschungszentrum sind ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Kooperation, der ebenfalls von Qatar gefördert wird.

Mehr Infos zu den archäologischen Untersuchungen der Pyramiden von Meroe gibt es hier.

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

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Die goldene Totenmaske nach ihrer Restaurierung (Foto: Christian Eckmann, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz)

Er ist die weltweit bekannteste archäologische Entdeckung: der Grabschatz des Königs Tutanchamun. 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter im Tal der Könige in Luxor getätigt, zählen die Funde seitdem zu den Sammlungen des Ägyptischen Museums in Kairo. Als wichtigstes Ausstellungsstück gilt die goldene Totenmaske des Königs mit Nemes-Kopftuch und königlichem Zeremonialbart. Im Herbst 2014 löste sich eine in den 1940er Jahren vorgenommene Befestigung des Bartes bei Reinigungsarbeiten. Da eine neue Befestigung nicht zufriedenstellend ausfiel, lud der ägyptische Minister für Antiken, Prof. Dr. Mamdouh Eldamaty, Vertreter des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz ein, die Maske im Rahmen einer ägyptisch-deutschen Arbeitsgruppe zu restaurieren und archäologisch-technologisch zu analysieren. Jetzt ist die Totenmaske der Öffentlichkeit wieder zugänglich. In einem Festakt kehrte sie in ihre Vitrine im Ägyptischen Museum in Kairo zurück. Die wissenschaftlichen Restaurierungsarbeiten wurden zu gleichen Teilen durch Mittel aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts und durch eine Förderung der Gerda Henkel Stiftung ermöglicht. Klebstoff-Forscher der Henkel AG & Co. KGaA, Experten der Hochschule Mainz (i3) und namhafte Spezialisten auf dem Gebiet der Archäometrie stellten für das Vorhaben ihre Expertise zur Verfügung.

Im Rahmen der Zeremonie in Kairo sprachen der Direktor des Ägyptischen Museums Prof. Dr. Khaled el-Enany, der Minister für Antiken Prof. Dr. Mamdouh Eldamaty, der Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik, Auslandsschulen und Netzwerk Deutsch des Auswärtigen Amts Michael Reiffenstuel, der verantwortliche Restaurator Christian Eckmann sowie der Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo Prof. Dr. Stephan Seidlmayer. Dieser dankte den ägyptischen Partnern und wies auf „die Fülle neuer Erkenntnisse in Bezug auf die Herstellung und den Aufbau der Maske“ hin, die im Rahmen der Arbeiten gewonnen worden seien. „Der goldenen Maske konnte auf diese Weise ihre historische Identität zurückgegeben werden.“

Quelle:
Dr. Sybille Wüstemann
Geschäftsstelle
Gerda Henkel Stiftung

Im Nil-Delta lassen sich im größeren Umfang Spuren einer neolithischen Besiedlung der sogenannten Merimde-Kultur nachweisen. Das ist das Ergebnis von Feldforschungen und Archivstudien, die Prof. Dr. Joanne Rowland, Professorin für Ägyptologie an der Freien Universität Berlin, im Rahmen eines Forschungsprojektes des Exzellenzclusters Topoi durchgeführt hat. Bestätigung dafür brachte vor allem auch ein Grabungsschnitt, der im Sommer 2014 unter der Leitung von Joanne Rowland in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Altertümer durchgeführt wurde.

Er zeigt Spuren von Besiedlung 200 Meter südwestlich der bisher angenommen Besiedlungsgrenze. Die Grabung fand unter der Federführung der britischen Egypt Exploration Society (EES) statt und wurde von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Center for International Cooperation der Freien Universität sowie dem Exzellenzcluster Topoi der Freien Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin gefördert.

Die Wissenschaftler um Joanne Rowland, darunter auch Dr. Geoffrey Tassie und Sebastian Falk, wollen nun herausfinden, ob die ersten Menschen, die in diesem Gebiet bereits vor dem Neolithikum als Jäger und Sammler lebten, auch noch präsent waren, als sich die ersten Gruppen dort dauerhaft niederließen. Zudem gehen sie Gründen für die Sesshaftwerdung nach und ob veränderte Umweltbedingungen dazu beitrugen. Durch Analysen im nächsten Sommer soll zudem näher bestimmt werden, ob der neu entdeckte Bereich von Anfang an Teil des Siedlungsgebiets war oder ob die Bewohner des Merimde Beni Salama erst später dorthin auswichen.

Dafür arbeiten die Archäologen eng mit Naturwissenschaftlern zusammen: „Der Einsatz von naturwissenschaftlichen Methoden in Kombination mit der Berücksichtigung von Archivmaterial ermöglicht uns neue Perspektiven auf die Entwicklung des Neolithikum in Ägypten“, sagt Joanne Rowland.

Ziel des Forschungsprojektes „Das Nil-Delta im Neolithikum“ ist es, geographische Bedingungen und Umweltfaktoren bei der Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte des Ortes stärker einzubeziehen. Dafür betrachten die Wissenschaftler nicht nur die neolithische Merimde-Kultur (5.300 bis 4.000 v. Chr.), sondern auch die Zeit bis 9.000 v. Chr. (Epipaläolithikum), jene Zeit, in der ein Übergang von den Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern stattfand.

Die neolithische Siedlung Merimde Beni Salama liegt 45 Kilometer nordwestlich von Kairo und wurde 1928 von dem deutschen Archäologen Hermann Junker entdeckt. Die Grabung im Sommer 2014 wurde möglich, weil eine Gas-Pipeline durch die Region gelegt wurde.

 

Quelle:

Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Wer hatte das Privileg, das ewige Leben nahe beim Pharao zu verbringen? Ausgrabungen von Ägyptologen der Universität Basel im ägyptischen Tal der Könige zeigen, dass in einer Ruhestätte nahe der Königsgräber die Kinder sowie weitere Angehörigen von zwei Pharaonen bestattet wurden.

Seit drei Jahren arbeiten Basler Ägyptologen im Rahmen des University of Basel Kings‘ Valley Project an der Grabanlage KV 40 im Tal der Könige nahe der Stadt Luxor. Von aussen deutete nur eine Senke im Boden auf die Präsenz eines Schachtgrabes hin. Über den Grundriss der Ruhestätte KV 40 war genauso wenig bekannt wie darüber, für wen sie angelegt und wer darin beigesetzt wurde.

Die Ägyptologen vermuteten, dass es sich um ein nichtkönigliches Grab handelt und datierten es aufgrund seiner Lage in die Zeit der 18. Dynastie. Sie reinigten den sechs Meter tiefen Schacht, der Zugang zu fünf unterirdischen Räumen gewährt, und bargen die zahlreichen Überreste von Grabbeigaben, Särgen und Bestattungen.

Mumifizierte Königskinder

Im Mittelraum und in drei Seitenräumen stiessen die Forscher auf die mumifizierten Überreste von über 50 Personen. Anhand von beschrifteten Keramikgefässen konnten die Wissenschaftler während der diesjährigen Feldarbeiten nun über 30 Personen namentlich identifizieren. Laut Titeln wie «Königssohn» und «Königstochter» handelt es sich zumeist um Familienmitglieder der beiden Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die ihrerseits im Tal der Könige bestattet wurden. Beide Pharaonen gehörten der 18. Dynastie (Neues Reich) an und regierten im 14. Jahrhundert v. Chr.

Unter den Beigesetzten von KV 40 befinden sich mindestens acht bisher unbekannte Königstöchter, vier Prinzen und einige «Ausländerinnen», wie sich aus den Inschriften in hieratischer (einer mit den Hieroglyphen verwandten) Schrift schliessen lässt. Bei den meisten handelt es sich um Erwachsene, doch wurden hier auch Kinder beigesetzt: «Wir fanden auffallend viele aufwendig mumifizierte Neugeborene und Kleinkinder, die sonst eher einfach bestattet wurden», beschreibt die Ägyptologin Prof. Susanne Bickel den Fund. «Wir vermuten, dass die Mitglieder des königlichen Haushalts über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diesem Grab beigesetzt worden sind.»

Die Identifizierung von Personen, die in der Umgebung der Königsgräber bestattet wurden, gibt dem Forscherteam Aufschluss darüber, wer das Privileg hatte, so nahe beim Pharao das ewige Leben zu verbringen. «In rund zwei Dritteln der Gräber im Tal sind keine Könige bestattet, aber weil diese unbeschriftet sind und stark beraubt wurden, konnten wir bisher meist nur Mutmassungen anstellen, wen man darin begraben hat», erläutert Susanne Bickel die Bedeutung des Funds für die ägyptologischen Forschung.

Spuren späterer Begräbnisse

Obwohl das Grab in der Antike und vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach ausgeraubt wurde, fanden die Forscher zahlreiche Fragmente der Grabausstattungen wie Sarg- und Stoffreste. «Die Funde und auch die Wände sind von einem Grossbrand stark verrusst, der wohl durch die Fackeln der Grabräuber ausgelöst wurde», vermutet Susanne Bickel. Die Fragmente von verschiedenen Holz- und Kartonagesärgen zeigen, dass die Grabanlage KV 40 nach der Aufgabe des Tals als Pharaonennekropole noch einmal genutzt wurde, diesmal als Beisetzungsort für Angehörige von Priesterfamilien im 9. Jahrhundert v. Chr.

Anthropologische Untersuchungen sowie die weitere Bearbeitung der Grabausstattung werden nun genaueren Aufschluss über die Zusammensetzung und die Lebensbedingungen des pharaonischen Hofstaats der 18. Dynastie und dessen Bestattungssitten liefern.

University of Basel Kings‘ Valley Project

Das archäologische Forschungsprojekt unter der Leitung der Basler Ägyptologin Prof. Susanne Bickel erforscht seit 2009 die Nutzung des Tals der Könige durch auserwählte Mitglieder der Elite und der Königsfamilie im Umkreis der Königsgräber. Den Wissenschaftlern des University of Basel Kings‘ Valley Project, das von der Gertrud Mayer-Stiftung in Basel finanziell unterstützt wird, gelang 2012 die Entdeckung des Grabes KV 64 im Tal der Könige in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden und lokalen Arbeitern.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Olivia Poisson
Kommunikation & Marketing
Universität Basel