Archive für Beiträge mit Schlagwort: Archäologie

Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen seltenen Knochenfund – Markierungen lassen eine Nutzung als Informationsträger annehmen.

Schon vor mehr als 30.000 Jahren nutzten Menschen die Rippenknochen großer Tiere als Werkzeug – etwa zum Walken von Leder. Da große fetthaltige Knochen aber auch ein guter Ersatz für das in der Eiszeit knappe Brennholz waren, sind solch große Knochen aus dieser Zeit relativ selten erhalten geblieben. Wie Professor Nicholas Conard, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, und seine Grabungsmannschaft nun im heute erschienen Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg“ berichten, wurde in der Welterbe-Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb ein Fund geborgen, der neue Interpretationen über die Nutzung solcher Knochen in der Altsteinzeit ermöglicht.

Professor Conard präsentierte den eindrucksvollen Fund am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu), dessen wissenschaftlicher Direktor Conard ist. Es handelt sich um die Rippe eines Mammuts, die in der Wohnhöhle der Altsteinzeit in den Schichten aus der sogenannten Gravettien-Periode gefunden wurde und somit zwischen 35.000 und 30.000 Jahre alt ist. Das Stück ist 44 Zentimeter lang, bei einer Breite von 5,1 Zentimetern und einer Dicke von 2,1 Zentimetern. Außergewöhnlich sind die Spuren der Bearbeitung, der Nutzung und die Markierungen darauf. Die Enden wurden abgerundet bzw. abgebrochen.

Ganz besonders auffällig ist die dickere Kante der Rippe: Sie weist zwei Reihen von Markierungen auf. Eine zeigt 83 und die andere 90 Striche. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf. All diese Markierungen sind sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.

„Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaß“, sagt Professor Conard, „obwohl viele gravettienzeitliche Funde Markierungen tragen, sind Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten. Auch in anderen Regionen der Welt gibt es keine optimalen Vergleichsfunde. Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente.“ Genau lasse sich nicht sagen, welche Art von Information hier festgehalten wurde. Die Ausgräber vermuten, dass etwas gezählt wurde. „Aber es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging“, sagt Conard weiter, „eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System. Wir werden uns künftig näher mit diesen Fragen auseinandersetzen.“

Die Mammutrippe wird nun bis Anfang Januar 2019 im urmu als „Fund des Jahres“ ausgestellt. „Diese Mammutrippe steht in ihrer Interpretation zwischen komplexer symbolischer Bedeutung und einer ganz praktisch orientierten Nutzung im Alltag“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des urmu, „ob wir es hier mit kalendarischen Vermerken, mit Notizstrichen von komplizierten Arbeitsschritten oder mit einem altsteinzeitlichen Spiel zu tun haben, wissen wir nicht. Wir freuen uns aber darauf, mit unseren Besuchern eine spannende Diskussion darüber zu führen, wofür die Reihen aus 13, 83 und 90 Strichen wohl stehen könnten.“ Dr. Kölbl kündigt daher an, vor Ort in der Kabinettausstellung sowie auf Facebook Ideen zu den Ritzungen auf der Rippe zusammenzutragen.

Mehr Infos gibt es hier.

Quelle:

Antje Karbe 
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

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Deutsch-ägyptisches Wissenschaftlerteam stellt neue Ergebnisse der Ausgrabungen in Sakkara vor.

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben im ägyptischen Sakkara eine vergoldete Mumienmaske aus saitisch-persischer Zeit (664-404 v. Chr.) entdeckt. Wie der Leiter des deutsch-ägyptischen Teams, Dr. Ramadan Badry Hussein, am Samstag berichtete, wurde die Maske in einer ausgedehnten Grabanlage gefunden, die seit 2016 von Tübinger Ägyptologen mit neuesten Methoden untersucht wird. Nach dem Ergebnis einer ersten Untersuchung im Ägyptischen Museum in Kairo besteht die Maske aus Silber und ist teilweise vergoldet. Die Augen wurden als Einlegearbeit mit einem schwarzen Edelstein (möglicherweise Onyx) sowie Calcit und Obsidian ausgeführt.

„Der Fund dieser Maske darf als Sensation gelten“, sagte Hussein: „Nur sehr wenige Masken aus Edelmetall haben sich bis heute erhalten, weil die Mehrzahl der Gräber altägyptischer Würdenträger schon in der Antike geplündert wurden.“ Wie der Leiter des Projekts berichtete, befand sich die wertvolle Maske auf dem Gesicht einer Mumie, die in einem stark beschädigten Holzsarg entdeckt wurde. Die erhalten gebliebene Verzierung des Sarges lässt darauf schließen, dass es sich bei dem Toten um einen Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es handelte, der zur Zeit der 26. Dynastie lebte. Der Fund wurde am Samstag von Wissenschaftlern und Vertretern des ägyptischen Antikenministeriums der Öffentlichkeit präsentiert.

„Altägyptische Totenmasken aus Gold und Silber sind außerordentlich selten“, sagte Professor Christian Leitz, Leiter der Abteilung für Ägyptologie an der Universität Tübingen: „Belegt sind lediglich zwei weitere vergleichbare Funde aus Privatgräbern, der letzte davon im Jahr 1939.“ Selbst in den ägyptischen Königsgräbern seien von Wissenschaftlern nur sehr wenige Mumienmasken aus Edelmetall gefunden worden. Ein Großteil der Masken sei zuvor bereits von Grabräubern entwendet und anschließend vermutlich eingeschmolzen worden.

Der Grabkomplex, der seit 2016 von Tübinger Ägyptologen untersucht wird, besteht aus mehreren, teils über dreißig Meter tiefen Schachtgräbern. Über einem der Hauptschächte fanden die Wissenschaftler unter anderem die Reste eines rechteckigen Gebäudes aus Lehmziegel und Kalksteinblöcken, das wohl als Werkstatt zum Einbalsamieren der Verstorbenen diente. Innerhalb des Gebäudes fanden sich zwei große Becken, die vermutlich einerseits zur Verarbeitung von Natron zur Trocknung der Körper und andererseits zur Vorbereitung der Leinenbinden für die Mumifizierung dienten. Ebenfalls auf den Prozess der Balsamierung deuten Gefäße hin, die mit den Namen von Ölen und Substanzen beschriftet sind, die für die Mumifizierung notwendig waren.

In den Seitenwänden und am Boden des Schachtes konnten eine ganze Reihe von unberührten Grabkammern entdeckt und geöffnet werden. Neben Mumien und Sarkophagen traten eine Vielzahl von Objekten zu Tage, unter anderem ganze Sätze von leuchtendblauen Fayence Statuetten – den sogenannten Uschebtis und Kanopen aus Alabaster, in denen die Organe der einbalsamierten Toten aufbewahrt wurden.

Bei der Untersuchung der Nekropole von Sakkara setzen die Tübinger Wissenschaftler auf den Einsatz modernster Technologie für die Dokumentation und Erfassung der gesamten Anlage. So ist das eScience-Center der Universität Tübingen unter der Leitung von Dr. Matthias Lang für die vollständige hochpräzise 3D-Dokumentation der Anlage sowie der bedeutenden Objekte verantwortlich. Eine Kombination von Laserscanning und bildbasierten 3D-Verfahren machen die räumlichen Zusammenhänge der räumlich hochkomplexen Gräber erstmals sichtbar und analysierbar.

Weitere Infos zur neu entdeckten Mumienmaske gibt es hier.

Quelle:
Antje Karbe
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Assyrische Tontafeln aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. ermöglichen erstmals Lokalisierung einer bedeutenden Handelsstadt.

Die Übersetzung eines assyrischen Tontafelarchivs, das Tübinger Archäologen kürzlich entdeckt haben, hat für eine wissenschaftliche Überraschung gesorgt: Bei dem Fundort Bassetki in der Autonomen Region Kurdistan im Irak handelt es sich augenscheinlich um die alte Königsstadt Mardaman. Die bedeutende nordmesopotamische Stadt war bislang aus Quellen bekannt, aber nie lokalisiert worden. Sie bestand von 2200 bis 1200 v. Chr., zeitweise als Königtum oder auch als Provinzhauptstadt, und wurde mehrfach erobert und zerstört.

Die Archäologen des Instituts für die Kulturen des Alten Orients der Universität Tübingen hatten das aus 92 Tontafeln bestehende Archiv im Sommer 2017 ausgegraben. Unter der Leitung von Professor Peter Pfälzner arbeitet das Team gemeinsam mit Dr. Hasan Qasim von der Antikendirektion Duhok in der bronzezeitlichen Stadtanlage von Bassetki. Die Tontafeln stammen aus der Periode des mittelassyrischen Reiches um 1250 v. Chr. In mühevoller Kleinarbeit wurden die kleinen, teils zerbrochenen Täfelchen nun durch Dr. Betina Faist von der Universität Heidelberg gelesen, die als Philologin und Spezialistin für assyrische Sprache an dem Tübinger Projekt mitarbeitet. Sie übersetzte anhand von Fotografien die Texte, die Stück für Stück Licht auf die Geschichte der Region und der Stadt zur Zeit des mittelassyrischen Reiches werfen.

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Freilegung der Tontafeln (Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen)

Zur Überraschung der Wissenschaftler konnte Faist den Namen des Fundortes als die alte Stadt Mardama identifizieren. Wie die Keilschrifttexte ferner zu erkennen geben, war diese Sitz eines Statthalters des mittelassyrischen Reiches. Damit wird eine neue, bisher nicht bekannte Provinz dieses Reiches greifbar, das sich im 13. Jahrhundert v. Chr. über weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens ausdehnte. Sogar der Name des assyrischen Statthalters, Assur-nasir, sowie seine Aktivitäten und Aufgaben werden auf den Tafeln beschrieben. „Damit war plötzlich klar, dass wir mit unseren Ausgrabungen auf den assyrischen Gouverneurspalast gestoßen sind“, sagt Archäologe Pfälzner.

Gleichzeitig ist es für das Wissenschaftlerteam nun möglich, die Stadt zu lokalisieren, die in altbabylonischen Quellen um 1800 v. Chr. mit dem Namen Mardaman bezeichnet wird und dem assyrischen Mardama entsprechen dürfte. Den Quellen zufolge war sie Sitz eines Königtums, das von einem der mächtigsten Herrscher der damaligen Zeit, Schamschi-Adad I., im Jahr 1786 v. Chr. erobert und seinem obermesopotamischen Reich einverleibt wurde. Allerdings wurde die Stadt wenige Jahre später wieder zu einem selbständigen Königtum unter einem hurritischen Herrscher namens Tisch-ulme. Dieser neuen Blüte folgte ein Rückschlag, als die Stadt um 1769/1768 v. Chr. von den Turukkäern zerstört wurde, einem Bergvolk aus dem nördlich angrenzenden Zagrosgebirge. „Aus den Keilschrifttexten und durch die Ausgrabungsergebnisse in Bassetki wird nun deutlich, dass dies nicht das Ende bedeutete“, sagt Pfälzner. „Die Stadt existierte kontinuierlich weiter und erlebte eine letzte Blüte als mittelassyrischer Gouverneurssitz zwischen 1250 und 1200 v. Chr.“

Die Geschichte Mardamans lässt sich sogar in die frühen Perioden Mesopotamiens zurückverfolgen. In den Quellen der Dritten Dynastie von Ur, ca. 2100–2000 v. Chr., erscheint es als wichtige Stadt an der nördlichen Peripherie des mesopotamischen Reiches. Die älteste Quelle reicht zurück in die Zeit des Akkadischen Reiches, das als erstes Großreich der Geschichte gilt. Sie erwähnt, dass die Stadt bereits um 2250 v. Chr. von Naram-Sin, dem mächtigsten Herrscher der akkadischen Dynastie, ein erstes Mal zerstört wurde.

„Der Tontafelfund aus Bassetki liefert einen wichtigen neuen Beitrag zur Geographie Mesopotamiens“, erläutert die Assyriologin Betina Faist. Möglicherweise könne sich mit diesem Puzzleteil die Lage weiterer früher Städte Mesopotamiens rekonstruieren lassen, sagt Pfälzner. „Mardaman wurde sicherlich auf Grund seiner Position an den Handelswegen zwischen Mesopotamien, Anatolien und Syrien zu einer bedeutenden Stadt und einem regionalen Königtum. Bisweilen war sie gar ein Widersacher der großen mesopotamischen Reiche. Folglich lassen sich von den geplanten weiteren Ausgrabungen der Universität Tübingen in Bassetki sicherlich noch viele spannende Entdeckungen erwarten.“

Weitere Infos zu den Tontafeln aus Bassetki gibt es hier.

Quelle:
Antje Karbe
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Der Europäische Forschungsrat fördert die Forschung zur Ausbreitung nomadischer Lebensformen in der Steppe.

Vor rund 5000 Jahren entstanden die ersten nomadischen Lebensformen in der eurasischen Steppe. Mit der neuen Ausrichtung der täglichen Ernährung auf Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde stellt dies einen einzigartigen Wendepunkt in der menschlichen Vorgeschichte dar. Die neue, nomadische Lebensform markiert eine drastische Veränderung gegenüber den sesshaften Agrargesellschaften, die bis zu diesem Zeitpunkt einen Großteil der alten Welt bevölkert hatten. In ihrem Projekt ASIAPAST wird Professorin Cheryl Makarewicz von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die Entstehung, Verbreitung und Intensivierung des sogenannten mobilen Pastoralismus in der eurasischen Steppe untersuchen. Dabei geht sie der Frage nach, welche Auswirkungen diese neue Lebensform auf die Ernährung, die sozialen und die symbolischen Welten der Menschen hatte. Dafür erhält Makarewicz eine Förderung des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC), den ERC Consolidator Grant. Von 2.538 eingereichten Anträgen wurden 329 zur Förderung vorgeschlagen. Davon gingen 56 Grants nach Deutschland, einer davon an Professorin Cheryl Makarewicz. Sie erhält zwei Millionen Euro Förderung.

Das auf fünf Jahre angelegte Projekt „Von der Herde zum Großreich: Biomolekulare und archäozoologische Untersuchungen des mobilen Pastoralismus in der frühgeschichtlichen eurasischen Steppe“ (kurz ASIAPAST), beginnt im Mai dieses Jahres. Gemeinsam mit ihrem Team wird Makarewicz zunächst menschliche und tierische Knochen und Zähne sowie Keramikscherben an verschiedenen Forschungsstätten in der Mongolei, in Russland, Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan sammeln. Diese Überreste der alten Kulturen enthalten ein wertvolles Archiv an biomolekularen Informationen, aus denen sich ablesen lässt, wovon sich die frühzeitlichen Nomaden ernährten, wie sie ihre Tiere betreuten und in welchem Radius sie sich bewegten. „Dies ist das erste interdisziplinäre Projekt, das die genauen Mechanismen in Bezug auf Lebensunterhalt und soziales Miteinander untersucht, welche den Übergang von der Jagdgesellschaft zum Hirtentum vor über 4500 Jahren in dieser riesigen Region der Welt vorantrieben. Wir beschäftigen uns hier mit fundamentalen Fragen, deren Beantwortung bisher noch nie versucht wurde“, so Makarewicz.

Mehr Infos zu dem Projekt von Professorin Cheryl Makarewicz gibt es hier.

Quelle:
Dr. Boris Pawlowski
Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Neanderthaler und Homo sapiens, der anatomisch moderne Mensch, waren einander intellektuell ebenbürtig / Technische Entwicklung ermöglicht genauere Datierung spanischer Höhlenkunst.

Die Schaffung eiszeitlicher Wandkunst galt bisher als letztes exklusives Kennzeichen des anatomisch modernen Menschen. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Sonderforschungsbereiches (SFB) 806 ‚Our Way to Europe‘ der Universität zu Köln belegt nun in drei spanischen Höhlen, dass tatsächlich Neanderthaler die eigentlichen Schöpfer der ältesten Höhlenkunst waren. Über die kognitiven Fähigkeiten von Neanderthalern im Vergleich zu denen des modernen Menschen wird in der Forschung seit Jahren kontrovers diskutiert.
Bei der Untersuchung von Höhlenkunst spielt die Altersbestimmung eine zentrale Rolle. „Höhlenkunst genau und präzise zu datieren, ohne sie dabei zu zerstören, war bisher kaum möglich“, sagt der Leiter des Projektes Dirk Hoffman vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „Dank der jüngsten technischen Entwicklungen können wir jetzt aber mit Hilfe der Uran-Thorium (U-Th) Methode Karbonatkrusten auf den Farbpigmenten datieren und so ein Mindestalter für die Höhlenkunst erhalten.“ Die U-Th Datierung basiert auf dem radioaktiven Zerfall von Uranisotopen in Thorium. Mithilfe dieser sehr genauen Datierungstechnik bestimmen Forscher das Alter von Kalkablagerungen bis zu einem Maximalalter von etwa 500.000 Jahren. Damit reicht sie erheblich weiter zurück als die ansonsten gängige Radiokarbonmethode.
In den drei Höhlen, La Pasiega, Maltravieso und Cueva Ardales in Spanien ermittelte das Forscherteam nun jeweils ein Alter von über 60.000 Jahren für Darstellungen der Wandkunst. Zu diesem Zeitpunkt lebten ausschließlich Neanderthaler auf der Iberischen Halbinsel. Die ersten anatomisch modernen Menschen erreichten Südwesteuropa erst vor 40.000 Jahren.
In der Cueva Ardales führt ein deutsch-spanisches Team des Neanderthal Museums, Mettmann und des SFB 806 ‚Our Way to Europe‘ der Universität Köln seit 2011 Ausgrabungen durch. Die Archäologen belegten durch Bodenfunde in der Nähe der datierten Wandkunst die zeitgleiche Anwesenheit von Neanderthalern. Professor Dr. Gerd-Christian Weniger Co-Direktor der Ausgrabungen ist sicher: „Mit den Datierungen schlagen wir ein völlig neues Kapitel in der Erforschung der eiszeitlichen Höhlenkunst auf“. Die früheste Phase der Wandkunst in den drei Höhlen zeigt Linien, Punkte, Handabdrücke und langschmale Flächen in roter Farbe in dunklen Höhlen.
Professor Dr. João Zilhão, vom Catalan Institution for Research and Advanced Studies in Barcelona, ein weiterer Co-Autor der Studie, ist überzeugt: „Auf der Suche nach den Ursprüngen von Sprache und entwickeltem menschlichen Wahrnehmungs- und Denkvermögen müssen wir deshalb viel weiter in unsere Vergangenheit zurückblicken: mehr als eine halbe Million Jahre, auf den gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler und modernem Menschen.“ Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, das Neanderthaler den modernen Menschen intellektuell ebenbürtig waren. Diesen Ansatz verfolgt das Neanderthal Museum in seiner Arbeit seit vielen Jahren. „Zahlreiche, neue Forschungsergebnisse haben in den vergangenen Jahren immer eindringlicher belegt, dass Neanderthaler modernen Menschen geistig nicht unterlegen waren. Die Höhlenkunst war das letzte Alleinstellungsmerkmal der modernen Menschen. Wir wissen nun, sie gehört auch zum kulturellen Erbe der Neanderthaler.“ sagt Professor Weniger, Direktor des Neanderthal Museums und Koordinator der Projekte des SFB 806 im westlichen Mittelmeergebiet.

Mehr Infos zu den neuen Erkenntnissen über spanische Höhlenkunst gibt es hier.

Quelle:
Gabriele Meseg-Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

An der Schwelle zur Unterwelt ist es gefährlich. Das weiß auch Professor Hardy Pfanz. Der Vulkanbiologe der Universität Duisburg-Essen (UDE) erforscht seit Jahren das Tor zur Hölle. Diese Tempelgrotten waren schon in der Antike Kult: Denn während die Tiere bei den Opferritualen tot umfielen, blieben die Priester unversehrt. Waren es übernatürliche Kräfte? Mitnichten, konnte Pfanz mit türkischen und italienischen Kollegen am Heiligtum von Hierapolis (heutige Türkei) nachweisen. Es liegt am Kohlendioxid, das dort nachts und früh morgens besonders stark vorherrscht.

Der magische Ort, der nahe Pamukkale liegt, zog schon vor über 2000 Jahren Pilger an. Hardy Pfanz hatte bei antiken Geschichtsschreibern wie Strabon, Cassius Dio und Plinius vom Tor zur Hölle gelesen – und war elektrisiert. Sie berichteten genau, was bei den Zeremonien geschah: Im Vorhof des Pluto-Tempels, einer unterirdischen Grotte, sammelte sich ein unsichtbarer, giftiger Dunst, der Tiere sofort tötete und den Priestern nichts anhatte.

Es muss der tödliche Atem des Höllenhunds Kerberos sein, der für den Gott Pluto den Eingang zur Unterwelt bewacht – davon waren die Menschen damals überzeugt. Sie konnten von ihren höher gelegenen Sitzreihen über der Arena das mystische Spektakel ungefährdet beobachten. „Gleichzeitig waren sie beeindruckt von der übernatürlichen Kraft der Priester. Man kann sich gut vorstellen, wie Religion entsteht“, sagt Hardy Pfanz.

Der Professor, der den weltweit einzigen Lehrstuhl für Vulkan-Biologie hat, weiß durch seine weltweiten Studien an CO2-Gas-Seen, was es mit dem ‚Todeshauch’ auf sich hat: „Hierapolis liegt wie viele andere Heiligtümer und Orakelstätten über tektonischen Störungen; viele Pluto-Tempel sind über Grotten errichtet – auch die beiden Heiligtümer in Hierapolis. In diese Grotten strömt geogenes Kohlendioxid; dabei bildet sich je nach Uhrzeit, ein bis zu anderthalb Meter hoher, unsichtbarer Gas-See, der tödlich ist. Wir haben nachgewiesen, dass die CO2-Konzentration in den Höhlen zeitweise extrem hoch war, nämlich zwischen 60 und 80 Prozent. Da erstickt man sofort; schon bei fünf bis acht Prozent wird einem schwindelig.“

Bei ihren umfangreichen Messungen fand das Team außerdem heraus: Es hängt vom Tageslicht ab, wie konzentriert der Gas-See ist. „Früh morgens ist die Konzentration stark und wird dann durch die Infrarotstrahlen der Sonne zerstört; geht die Sonne unter, steigt das Kohlendioxid wieder. Weil CO2 schwerer ist als Luft, sind die Werte am Boden besonders hoch.“

Die Priester waren clever, findet Pfanz. „Sie wussten, wann der tödliche Atem des Kerberos wirkte und bis zu welcher Höhe ein Aufenthalt völlig ungefährlich war. Morgens waren das etwa 40 cm über dem Boden. Wollten sie ihre übernatürlichen Kräfte demonstrierten, stellten sie sich auf Steine um die Opfertiere. Diese standen jedoch mitten im CO2-Dunst, ihnen wurde schwindelig, die Köpfe sanken zu Boden, wo sie die tödliche Dosis einatmeten. Die Priester hingegen konnten auf ihrer Position etwa 20 bis 40 Minuten aushalten.“

Die Ergebnisse wurden gerade in der Fachzeitschrift „Archaeological and Anthropological Sciences“ veröffentlicht.

Quelle:
Ulrike Bohnsack
Ressort Presse – Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

ForscherInnen von über 80 verschiedenen Institutionen unter der Federführung von Ian Mathieson (University of Pennsylvania), David Reich (Harvard Medical School) und Ron Pinhasi von der Universität Wien haben in einer neuen Studie die Genomgeschichte in Südosteuropa untersucht. Diese Region ist bisher kaum erforscht, was die Erbinformation von menschlichen Skeletten betrifft. Sie fanden heraus, wie es um die gegenseitige Beeinflussung und Vermischung der ansässigen Bevölkerung mit den neu eintreffenden Völkern aus Anatolien bestellt ist. Die Untersuchung erscheint aktuell in Nature.

Vor ungefähr 8500 Jahren breitete sich die Landwirtschaft begleitet von einer Völkerbewegung aus Anatolien vom Südosten ausgehend nach Europa aus. Ein internationales Forschungsteam analysierte nun 225 Genomdaten von historischen Völkern, die vor oder nach diesem Wandel gelebt hatten.
Die Einflüsse und Vermischung dieser beiden Bevölkerungsgruppen gestalteten sich komplex. „An einigen Orten vermischten sich die Jäger und Sammler sehr rasch mit den einwandernden Bauern“, erklärt Erstautor Iain Mathieson, Genetiker an der University of Pennsylvania, „dennoch blieben die beiden Bevölkerungsgruppen größtenteils isoliert, zumindest für die ersten paar hundert Jahre. Die Jäger und Sammler hatten dort seit tausenden Jahren gelebt und die Ankunft all dieser neuen Menschen, mit ihrer gänzlich anderen Lebensweise und anderem Aussehen, musste für sie ziemlich schockierend gewesen sein“.

„Zweitausend Jahre später waren sie bereits gut durchmischt“, ergänzt David Reich von der Harvard Medical School, der für die Leitung der Studie mitverantwortlich war: „Einige Populationen sind bis zu einem Viertel ihrer Abstammung Jäger und Sammler“. In anderen Gegenden Europas war die Vermischung durch ein Geschlecht geprägt, denn der Großteil der Jäger- und Sammlervorfahren waren Männer. Allerdings entspricht das nicht den Ergebnissen im Südosten. „So ist ersichtlich, dass sich die Beeinflussung der beiden Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Gegenden unterschiedlich gestaltete, etwas, das wir im Zusammenhang mit archäologischen Zeugnissen zu verstehen versuchen“, ergänzt Mathieson.

„Durch die neuen Genomdaten können wir uns ein deutlicheres Bild vom Anfang des Übergangs zur Landwirtschaft in Südosteuropa machen. Anscheinend kam es gleich bei der Ankunft der Bauern zum Kontakt zwischen den landwirtschaftlich tätigen Gruppen und den Jägern und Sammlern in der Region. Da es keine Hinweise auf Gewalt oder Kriegsführung gibt, nehmen wir an, dass der Kontakt zwischen Individuen dieser beiden Gesellschaftsformen friedlich verlaufen ist“, meint Ron Pinhasi, Anthropologe an der Universität Wien.

„Diese Ergebnisse beleuchten die Beziehung zwischen Migrationswellen, genetischer Vermischung sowie Subsistenzwirtschaft in dieser Schlüsselregion und zeigen, dass sich Individuen selbst bei den frühen europäischen Bauern in ihrer Abstammung unterschieden und damit das dynamische Mosaik der Kreuzungen von Jägern und Sammlern widerspiegeln“, so Ron Pinhasi, der für die Leitung der Studie mitverantwortlich war. So ergibt sich ein umfassendes Bild von Schlüsselperioden der Vergangenheit.

Weitere Infos zu der Studie gibt es hier.

Quelle:
Stephan Brodicky
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

In diesen Tagen startet ein von der Europäischen Union (EU) im Rahmen des Erasmus+ Programms mit rund 370.000 Euro gefördertes Kooperationsprojekt in der Archäologie.

Unter der Leitung des Instituts für Klassische Altertumskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bringen die Universitäten in Kiel, Aarhus, Bergen, Paris, Birmingham und die Offene Universität der Niederlande gemeinsam die strategische Partnerschaft “Ancient Cities. Creating a Digital Learning Environment on Cultural Heritage“ (deutsch: „Städte des Altertums – Schaffung einer digitalen Lernumgebung zum kulturelle Erbe“) auf den Weg. Ziel des europaweiten Kooperationsprojekts ist es, am Beispiel der antiken Stadt kulturelles Erbe digital zu erschließen. Während der dreijährigen Laufzeit soll in dem internationalen Lehrprojekt ein innovatives, paneuropäisches digitales Lernmodul entwickelt werden: Zusammen mit Studierenden der Archäologie erstellen Forscherinnen und Forscher an den verschiedenen Hochschulstandorten einen sogenannten Massive Open Online Course (MOOC), also ein filmbasiertes und interaktives Lernformat, an dem Interessierte standortunabhängig über das Internet teilnehmen können. So wollen die Projektteilnehmenden anhand der Forschung zu verschiedenen antiken Stätten zentrale Inhalte der Klassischen Archäologie in einem zeitgemäßen Lehrformat aufbereiten. Vergangene Woche kamen die Projektverantwortlichen zu einem dreitägigen Auftakttreffen des europäischen Kooperationsprojekts an der Universität Kiel zusammen.

„Wir freuen uns, mit dieser strategischen Partnerschaft ein zukunftsweisendes und in der Archäologie einzigartiges Projekt gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern in Angriff nehmen zu können. Wir hoffen, damit die Didaktik der Altertumskunde ins 21. Jahrhundert zu überführen und die junge Generation für die Faszination der Antike zu gewinnen“, betont Stefan Feuser, Projektkoordinator und Professor auf Zeit für Klassische Archäologie an der CAU. Bereits im Laufe des kommenden Jahres werden erste digitale Lerninhalte entstehen, die die beteiligten Institutionen in das Curriculum ihrer jeweiligen Archäologie- und Altertumskunde-Studiengänge integrieren wollen. Neben dem sogenannten MOOC ist ein gemeinsamer projektbegleitender Internetauftritt geplant. Die sukzessiv entstehenden Lernmedien stehen zunächst den Studierenden der kooperierenden Universitäten zur Verfügung und werden in einem nächsten Schritt auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit erfüllen die Projektverantwortlichen unter dem Schlagwort „Open Science“ die Anforderungen an allgemein zugängliche und transparente Wissenschaft.

Mit diesem europaweit einzigartigen Projekt wollen die Partnerinstitutionen nicht nur ihr Fach in zeitgemäßer Form präsentieren, sondern vor allem ihre künftigen Absolventinnen und Absolventen in besonderer Weise für die moderne Arbeitswelt in Wissenschaft und Praxis qualifizieren. „Unsere Studierenden können in vielfältiger Weise vom Ancient-Cities-Projekt profitieren – sie erwerben neben dem archäologischen Fachwissen Qualifikationen in der Medienproduktion, verbessern ihre Sprachkenntnisse und lernen die internationale akademische Zusammenarbeit kennen. Wir hoffen, so den Grundstein für anschließende europaweite Forschungskooperationen in der klassischen Archäologie zu legen“, gibt sich Dr. Michael Blömer, Assistenzprofessor an der Universität Aarhus, optimistisch.

Über das EU-Förderprogramm:
Erasmus+ ist das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. In ihm werden die bisherigen EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Hochschulbereich zusammengefasst. Erasmus+ ist mit einem Budget in Höhe von rund 14,8 Mrd. Euro ausgestattet. Mehr als vier Millionen Menschen werden bis 2020 von den EU-Mitteln profitieren. Das auf sieben Jahre ausgelegte Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Kinder- und Jugendhilfe voranbringen.

Weitere Infos zu dem Kooperationsprojekt gibt es hier.

Quelle:
Dr. Boris Pawlowski
Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Nach dem Sensationsfund von Teilen der Kolossalstatue des berühmten Pharaos Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.) im März dieses Jahres in Kairo sind jetzt bei neuen Grabungen weitere archäologische bedeutende Funde freigelegt worden.

Ein ägyptisches-deutsches Team unter der Leitung von Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig und Dr. Aiman Ashmawy vom Ägyptisches Antikenministerium und in Zusammenarbeit mit Prof. Kai-Christian Bruhn von der Hochschule Mainz stieß in der letzten Phase seiner Grabungen Ende September auf dem Gelände des Tempels von Heliopolis auf weitere Fragmente der Psammetich-Statue. Entdeckt wurden unter anderem drei riesige, etwa zehn Zentimeter breite Zehen des Pharaos sowie ein wichtiger Teil des Rückenpfeilers mit dem Namen Psammetichs I. Für eine große Überraschung sorgte allerdings der Fund von Fragmenten einer Kolossalstatue von Ramses II. (1250 v. Chr.).

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Teil der Heilerstatue aus dem 4.Jh.v. Chr. 
Foto: Dr. Dietrich Raue/Universität Leipzig

Im März dieses Jahres war zunächst vermutet worden, dass es sich bei der tonnenschweren Statue um Ramses II. handelt, da diese auf dem Areal des früheren Tempels von Ramses II. entdeckt wurde. Schnell stellten die Experten damals jedoch klar, dass in einer Schlammgrube in zwei Metern Tiefe der Kopf mit Krone und der Torso von Psammetich I. gefunden wurden. „Die neuen Teile der Statue von Ramses II. sind aus Rosengranit und stammen aus der Zeit um 1250 vor Christus, sind also rund 600 Jahre älter als die Psammetich-Statue“, erklärt Raue, der von Ende August bis Anfang Oktober in Kairo war. Die jetzt neu entdeckten Teile befinden sich bereits nahe der Pyramiden von Gizeh, wo sie ab kommendem Jahr im Grand Egyptian Museum zu sehen sein werden.

Insgesamt stellte das Grabungsteam 1.920 Quarzit-Fragmente des Unterteils der Psammetich-Statue sicher, die zwischen 10 und 150 Zentimeter groß sind und nun zusammengesetzt werden müssen. Dazwischen fanden sie Teile der Ramses-Figur, unter anderem eine Basis, einen Unterschenkel und einen Oberarm des Pharaos. „Die Statue war ersten Schätzungen zufolge etwa sechs Meter hoch und wahrscheinlich sitzend“, sagt Raue. Mit Sicherheit könne er nun auch sagen, dass die riesige Quarzit-Figur Psammetichs gestanden habe und ohne Basis etwa neun Meter hoch war.

Zuvor hatten die Experten außerdem Reste eines riesigen Sphinx gefunden, unter anderem eine 32 Zentimeter breite Kralle. Ebenso wurden Reste eines etwa fünf bis sechs Meter hohen Falken entdeckt. Allein sein Auge ist 30 Zentimeter breit. Als „zusätzliche Überraschung“ bezeichnete Raue die Basalt-Fragmente einer sogenannten Heiler-Statue – eines Priesters aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Dies sei der jüngste Fund gewesen. „Das meiste haben wir bei unserem letzten Grabungsversuch am 28. September auf einem Areal von vier mal drei Metern gefunden“, berichtet der Ägyptologe. Der Mix aus verschiedenen Zeitaltern und Materialien auf kleinstem Raum sei entstanden, weil in der Vergangenheit immer wieder Steinräuber am Werk waren, die härtere Gesteinsteile der Statuen nicht für ihre Bauvorhaben verwenden konnten und daher auf dem Areal von Heliopolis zurückließen.

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Teile der gefundenen Zehen von Psammetich I.
Foto: Dr. Dietrich Raue/Universität Leipzig

Raue, der gemeinsam mit zwei Ägyptologie-Studenten der Universität Leipzig nach Kairo gereist war und vor Ort mit dem Ägyptologen Ashmawy eng zusammenarbeitete, wird die Grabungen im Februar 2018 fortsetzen und erwartet weitere interessante Funde. „Jetzt ist es eine Frage der Zeit. Wir müssen puzzeln“, sagt er. Die Vielfalt und die Ausmaße der ausgegrabenen Fragmente geben neue Möglichkeiten, die ursprüngliche Gestalt des Tempels zu rekonstruieren. Zugleich gab die Untersuchung der Statuenbasen vollkommen neue Einblicke zum Fortschritt der verwendeten Werkzeuge und Techniken.

Weitere Infos zu den Funden in Kairo gibt es hier.

Quelle:

Susann Huster
Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Universität Tübingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren präsentieren 42.000 Jahre alten Schmuck aus Mammutelfenbein: Herstellung und Tragen waren wohl nur auf der Schwäbischen Alb Tradition.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen haben in den Weltkulturerbe-Höhlen des Achtals und Lonetals Perlen aus Mammutelfenbein gefunden, die in ihrer Machart bislang ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vorkommen. Am Fundort Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal wurden zudem Perlenformen ausgegraben, die gänzlich einmalig für diese Höhle zu sein scheinen.

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Die dreifach durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein wurden bisher nur im Hohle Fels gefunden. Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen

„Diese Schmuckstücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art: neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die frühesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein.
Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben – eventuell als Ausdruck einer Konkurrenz-Situation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit“, sagte Professor Nicholas Conard, wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren. „Und wir können sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.“

Die archäologischen Ausgrabungen im Hohle Fels bei Schelklingen liefern jährlich faszinierende Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit. Aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind, wurden im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Schmuckstücke ausgegraben.
So haben die Grabungsteams der Universität Tübingen in den Höhlen des Achtals wie auch des Lonetals über die Jahre hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen. Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen Stück. In ihrer Herstellungsart kommen sie ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vor. Zudem sind die Schmuckstücke aus den schwäbischen Höhlen der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit. Noch spezieller sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schichten des Hohle Fels im Achtal. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden äußeren Löcher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp ist nur vom Fundort Hohle Fels bekannt und besitzt derzeit keine Parallelen zu anderen Funden.

Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schwäbischen Alb bekannt sind, zeigt für die Wissenschaftler, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentität waren. „Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden; dieser Perlentyp war offensichtlich für die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt“, sagt Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin und Mitarbeiterin des Senckenberg Centre HEP. Zudem träten die Perlen über einen Zeitraum von 6.000 Jahren auf: „Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.“

Weitere Infos zu den Perlenfunden gibt es hier.

Quelle:
Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen