Archive für Beiträge mit Schlagwort: Archäologie

Die Restaurierung des bedeutendsten vorchristlichen Sakralbaus Ostafrikas ist erfolgreich abgeschlossen.

„Großer Tempel“ wird das im 7. Jahrhundert  v. Chr. erbaute Heiligtum in dem kleinen Dorf Yeha im nördlichen Hochland Äthiopiens genannt. Von Einwanderern aus Saba im heutigen Jemen nach südarabischem Vorbild errichtet, ist der noch 14 m hoch erhaltene Tempel der bedeutendste vorchristliche Sakralbau Ostafrikas. Eine gewaltige Brandkatastrophe beschädigte den Bau bereits in der Antike, jahrzehntelang galt er als einsturzgefährdet.

Der Große Tempel von Yeha im modernen Klosterareal

Der Große Tempel von Yeha im modernen Klosterareal (DAI/Orient-Abteilung)

Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, führte die Außenstelle Sanaa der Orient-Abteilung des DAI gemeinsam mit der  äthiopischen Antikenbehörde neben der wissenschaftlichen Erforschung des Fundplatzes Yeha seit 2009 umfangreiche Restaurierungsarbeiten durch. Diese beinhalteten den Einbau eines Edelstahlgerüstes und die Konsolidierung des Mauerwerks. Das Projekt wird zudem mit Ausbildungskomponenten vor Ort ergänzt, Fachleute arbeiten dabei eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. Der Schutz und die Pflege der kulturellen Identität bilden einen zentralen Schwerpunkt dieser Maßnahmen.

Der Abschluss der Restaurierungsarbeiten wurde mit einer feierlichen Eröffnung am 15. März begangen. Von nun an steht dieses touristische Highlight Äthiopiens sowohl einheimischen als auch internationalen Gästen als Besuchsziel wieder offen.

Der Große Tempel von Yeha war dem höchsten sabäischen Gott Almaqah geweiht. Auch heute noch ist der Sakralbau weithin sichtbar. Als Baumaterial verwendete man sorgfältig geglätteten schneeweißen Kalkstein, der aus den ca. 80 km östlich gelegenen Steinbrüchen um Wuqro mühsam herangeschafft werden musste. Das Heiligtum galt nicht nur als kultisches, sondern auch als machtpolitisches Statement des bereits im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. im äthiopischen Hochland entwickelten Gemeinwesens mit Namen Di´amat.
Der Große Tempel wurde durch ein gewaltiges Feuer vermutlich um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. schwer beschädigt, das große Teile in Mitleidenschaft zog. Der Einbau einer Kirche im 6. Jahrhundert schützte den Bau vor seiner völligen Zerstörung.

Rissschließung und Konsolidierung des Mauerwerks

Restaurierungsarbeiten am Tempel (DAI/Orient-Abteilung)

Das Projekt bildet ein herausragendes Beispiel für die gelungene äthiopisch-deutsche Kooperation auf dem Gebiet des Kulturerhalts und die nachhaltige touristische Erschließung dieser Region. Es besitzt zudem Pilotcharakter für weitere Kulturerhaltprojekte in dieser Region. Finanziell gefördert wurden die Arbeiten durch das DAI.

Weitere Infos zu dem Großen Tempel in Yeha gibt es hier.

Quelle:

Deutsches Archäologisches Institut
Pressestelle
Nicole Kehrer
Berlin

Das „Dach der Welt“ stellt mit seiner extremen Höhenlage große Herausforderungen an die menschliche Anpassungsfähigkeit. So war das Tibetische Hochplateau vermutlich eine der letzten Regionen dieser Erde, die der Mensch besiedelt hat. Nun haben Forscher Hand- und Fußabdrücke in ausgehärtetem Travertin erstmals sicher datiert. Zwischen 8.000 und 12.000 Jahren sind die im Stein hinterlassenen Spuren in Chusang alt, und damit der bisher älteste Nachweis für eine permanente menschliche Besiedelung Hochtibets.

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Die im Travertin hinterlassenen Hand- und Fußabdrücke. (Mark Aldenderfer)

Es gibt bereits eine ältere Datierung derselben Abdrücke, in der ihr Alter auf etwa 20.000 Jahre geschätzt wird, eine Zeit, die genau in das Hochglazial fällt. Tibet war damals extrem trocken und kalt und eine Besiedelung sehr unwahrscheinlich. „Diese ursprüngliche Datierung galt daher in der Fachwelt als umstritten und gleichzeitig war es ein erster und wichtiger Versuch einer Altersbestimmung an einem methodisch sehr herausforderndem geologischen Material“, erklärt Michael Meyer vom Institut für Geologie an der Uni Innsbruck. Mit einem Bündel an Methoden gelang es ihm mit seinem Team nun erstmals, die Abdrücke gesichert zu datieren und aufzuzeigen, dass es sich dabei um eine frühe permanente Besiedelung des Hochplateaus handeln muss.

Chusang liegt im zentralen Teil des Hochplateaus, das im Süden durch den Hohen Himalaya begrenzt wird. Da Tibet von geologischen Brüchen durchzogen ist, treten an diesen Störungszonen häufig heiße Quellen auf, die Carbonat ausfällen. Meterdick wird das Seitental in Chusang von Heißwasserquellkalk, auch Travertin genannt, überzogen. In diesem, vor Jahrtausenden noch weichen Travertin-Schlamm, sind bis heute die Hand- und Fußabdrücke der frühen Tibeter sichtbar. „Man hat sehr selten solche Glücksfälle. Wir wussten, dass mit der Datierung der Schicht des Travertins auch das Alter der Abdrücke, die mit dem Stein ausgehärtet sind, bestimmbar ist“, so Meyer. Neben der gängigen Radio-Carbon Methode und der Datierung mit der Uran-Thorium Technik kam zusätzlich die Lumineszenz-Datierung zum Einsatz. „Bei dieser Technik wird direkt Sediment datiert und wir bestimmen, wie viel Lumineszenz oder in anderen Worten, wie viel Licht in einem Mineral gespeichert ist“, so Meyer. „Nach unseren Berechnungen und unter Einbezug der anderen Datierungsmethoden sind die Abdrücke zwischen 8.000 und 12.000 Jahre alt.

Auf 4.500 Metern Seehöhe liegt durchschnittlich das Hochplateau in Tibet, dessen Besiedlungsgeschichte im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler steht. Manche Gegenden können jedoch auf noch einem wesentlich höheren Meeresniveau liegen. Zum Vergleich erwähnt Meyer den Mont Blanc, der mit 4.810 Metern mit der Höhe des Plateaus in Tibet vergleichbar ist. „Wir wissen heute relativ gut, wie sich unsere Vorfahren aus Afrika kommend über den Planeten verteilt haben. Dass Tibet einer der letzten Bereiche war der vom Menschen besiedelt wurde, ist gewiss. Allerdings mussten die Menschen damals beachtliche physiogeographische Barrieren überwinden und sich genetisch an die extreme Höhe anpassen, um permanent sesshaft werden zu können“, so Meyer. Ein weiterer Aspekt der Untersuchungen beschäftigte sich daher mit der Frage, ob es möglich gewesen wäre, das Gebiet von Chusang im Zuge saisonaler Jagdstreifzügen zu erreichen. Mit Hilfe von Migrations- und Reisekostenmodellierungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Weg auf das Plateau nur für die Sommersaison zu weit und zu beschwerlich gewesen sein muss.

Das Leben auf dieser Höhe erfordert eine spezielle Anpassung der Menschen, die soweit geht, dass ein spezielles Gen zur Höhenanpassung nur bei Tibetern zu finden ist. Manche Theorien von Genetikern gehen sogar von der beginnenden Mutation dieses Gens vor etwa 30.000 Jahren aus. Laut Meyer kann es durchaus sein, dass der älteste Nachweis des prähistorischen Menschen auf dem Tibetischen Hochplateau noch nicht gefunden wurde. Bis dahin stellt jedoch die Altersbestimmung der Hand- und Fußabdrücke von Chusang einen Meilenstein bei der Erforschung der Besiedlungsgeschichte des „Dachs der Welt“ dar.

Zur wissenschaftlichen Publikation über die ältesten Spuren Tibets geht es hier.

Quelle:
Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitarbeit und Kulturservice
Universität Innsbruck

Auf nur 25 Seiten schuf Tacitus gegen Ende des 1. Jahrhunderts „Germania“ und damit auch das Volk der Germanen, das so gar nicht existierte.

In der Antike lebten auf diesem Territorium völlig unabhängig voneinander vielerlei Stämme. Warum zeichnete Tacitus das positive Bild eines unverdorbenen, kampfeslustigen Naturvolks? Wollte er damit den dekadenten Römern einen Spiegel vorhalten? Wollte er vor dem starken Gegner im fremden Norden warnen, gegen den die Römer nicht wieder zu Felde ziehen sollten? Mit diesem Thema beschäftigt sich der Frankfurter Altphilologe Prof. Dr. Thomas Paulsen in seinem Beitrag in der der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“.

Tacitus‘ „Germania“ ist in zwei Hauptteile gegliedert, innerhalb deren es keine systematischen Gliederungselemente gibt: Im ersten handelt Tacitus Sitten, Gebräuche und Charakterzüge der Germanen ab, im zweiten geht er im Westen beginnend die wichtigen germanischen Stämme mit ihren besonderen Eigenarten durch. Dazu Paulsen: „Es wird jedoch schnell deutlich, dass der römische Historiker die Germanen als im Wesentlichen einheitliches Volk sah, das sie, was man nicht stark genug betonen kann, in der Antike nie waren und als welche sie sich selbst auch nie bezeichneten.“ Denn die verschiedenen Stämme wie Bataver, Cherusker, Chatten, Markomannen, Sueben lebten unabhängig voneinander, schlossen zum Teil kurzlebige Bündnisse, bekriegten einander, waren nicht alle romfeindlich gesonnen und verfügten über keinerlei einheitliche Organisation.

Tacitus betrachtet Germanien als ein unwirtliches, raues und trostloses Land, „teils Schauder erregend durch seine Wälder, teils widerlich durch seine Sümpfe« und dazu feucht und windig“. Da die Germanen wenig Kontakt zu anderen Völker gehabt hätten, seien sie sich, so Tacitus, äußerlich sehr ähnlich: Sie hätten grimmig blickende blaue Augen, rötliche Haare und große Körper, die hervorragend geeignet für Sturmangriffe, aber wenig ausdauernd seien, empfindlich gegenüber Durst und Hitze, hingegen stark im Ertragen von Hunger und Kälte.

Tacitus zollte den Germanen großen Respekt – für ihre Kampfesstärke, aber auch für ihre Lebensführung frei von Verlockungen des Luxus. „Sicher wollte er damit auch auf die römische Dekadenz anspielen“, so Paulsen. Tacitus, der zum erweiterten Beraterkreis des Kaisers gehörte, könnte auch im Sinn gehabt haben, die römischen Eliten vor neuerlichen Auseinandersetzungen mit germanischen Stämmen zu warnen.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2016) kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Quelle:
Ulrike Jaspers
Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wissenschaftler der Universität und der Hochschule Trier testen den originalgetreuen Nachbau eines römisches Lastschiffes

Römische Binnentransportschiffe wirken zwar weniger imposant als geruderte Kriegsschiffe, waren für die Infrastruktur und Logistik des Römischen Reiches aber von enormer Bedeutung. Die Lastschiffe, sogenannte Prahme, waren einfach und doch so funktionell konstruiert, dass sie quer durch Europa auf Flüssen und Seen zum Einsatz kamen. Bis heute dienen sie Schiffbauern als Vorbild. Umso mehr überrascht, dass die Nachwelt nur wenig über die Prahme weiß. Wissenschaftler der Universität und der Hochschule haben nun mit einem originalgetreuen Nachbau bei Messfahrten auf der Mosel Daten gesammelt.

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Treidelversuche auf der Mosel zwischen Trier und Konz (Hochschule Trier)

Viele Fragen zu den Prahmen sind nach wie vor offen: Wie wurden sie angetrieben? Welche Geschwindigkeiten erreichten sie? Wie viel Besatzung war erforderlich? Wie hoch waren die Ladekapazitäten? Auf welchen Gewässern konnten sie eingesetzt werden?

Zumindest in der letzten Frage sind der Althistoriker Christoph Schäfer und der Maschinenbauer Karl Hofmann von Kap-herr nach den Testfahrten einen bedeutenden Schritt weiter. Als erste Wissenschaftler haben sie einen Prahm unter Segel gesetzt. „Mit Blick auf die Konstruktion des Schiffes war eher davon auszugehen, dass man es nicht segeln kann. Umso mehr hat uns überrascht, dass der Prahm sogar erstaunlich gute Segeleigenschaften zeigte. Daraus lässt sich zuverlässig ableiten, dass die Römer diesen Schiffstyp nicht nur durch Treideln oder Staken angetrieben haben, sondern auch durch Segeln. So konnte Fracht über Hunderte von Kilometern transportiert werden“, nennt Christoph Schäfer einen außergewöhnlichen Befund.

Verblüffend waren zudem die Geschwindigkeiten, die der zehn Meter lange Prahm-Nachbau auf der Mosel erreichte. „5,7 Knoten bei halbem Wind sind ein sehr beachtlicher Wert“, erklärte Karl Hofmann von Kap-herr. Aufgabe von Studierenden des Maschinenbaus war es, zu klären, wie effektiv die drei Fortbewegungsarten Staken, Treideln und Segeln bei einem römischen Prahm eingesetzt werden konnten. Dafür haben sie Messeinrichtungen entwickelt, gefertigt und auf dem Schiff installiert. Das Instrumentarium ist so konzipiert, dass auch historisch unterschiedliche Rahmenbedingungen wie etwa die veränderte Fließgeschwindigkeit der Mosel ausgeklammert werden können. Besser als erwartet war nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch das Verhalten im Wasser. „Wir hatten vorsorglich Seitenschwimmer zur Stabilisierung des Bootes gebaut, die wir aber nach der ersten Versuchsfahrt wieder entfernen konnten, da keine Kentergefahr bestand“, berichtete Karl Hofmann von Kap-herr.

Die Messfahrten haben belegt, dass Prahme segeltüchtig waren und nicht nur von Treidlern an Land gezogen oder mit langen Bootsstangen angestoßen (gestakt) werden konnten. Die neuen Einblicke in Transportgeschwindigkeiten, Transportrhythmen und Frachtkapazitäten eröffnen den Historikern ein besseres Verständnis des Binnentransports, des Handels sowie der Versorgung von Truppen und Bevölkerung. Im weit ausgedehnten Römischen Reich war eine funktionierende und optimierte Transportlogistik unabdingbar.

Auch die Forschungen zur regionalen Geschichte und zur Baugeschichte profitieren von den Studien mit dem Prahm-Nachbau. Sie könnten beispielsweise neue Erklärungen liefern, wie es den Römern gelang, immerhin rund 18.000 Tonnen Material für den Bau der Römerbrücke in Trier – heute UNESCO-Welterbe – zu bewegen.

Weitere Infos zu der Prahm auf der Mosel gibt es hier.

Quelle:
Peter Kuntz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Besuch der Sonderausstellung „NERO. Kaiser, Künstler und Tyrann“ und des Amphitheaters.

Vier Stunden Zugfahrt, zweimal Umsteigen, brüllende Sommerhitze, kaputte Klimaanlagen: Die Reise an diesem Wochenende fing für mich alles andere als entspannt an. Aber für einen Besuch der wunderschönen Stadt Trier würden sich die Strapazen bestimmt lohnen, dachte ich. Und so war es auch.

Trier hat an römischer Geschichte viel zu bieten: Bauten wie die Kaiserthermen, die Porta Nigra, das Amphitheater und die Konstantinsbasilika gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Weil ich mich derzeit besonders für das Phänomen der Gladiatur interessiere, steht das Amphitheater ganz oben auf meiner To-do-in-Trier-Liste.

Im Gegensatz zu den übrigen römischen Bauwerken Triers liegt das Amphitheater außerhalb der Altstadt und war Teil der römischen Stadtmauer. Zum reinen Vergnügen des Publikums flossen an diesem Ort  Unmengen von Blut – über Jahrhunderte hinweg.

Die Römer liebten es, sich zu amüsieren: Ihre Unterhaltungsindustrie umfasste unter anderem Wagenrennen, Tierhetzen, Theater, und natürlich die Gladiatorenkämpfe. Diese Spiele fanden an unterschiedlichen Schauplätzen statt. Für die Gladiatorenspiele  eignete sich kein Bauwerk mehr als das ellipsenförmige Amphitheater:  Alle Zuschauer hatten freien Blick auf die Arena, während die Gladiatoren genügend  Platz hatten, um im Kampf vor- und zurückweichen zu können. Weil im Laufe der Zeit Amphitheater im gesamten Römischen Reich wie Pilze aus der Erde schossen, entwickelten sie sich zum Markenzeichen des  „Römisch-Seins“. Selbst in Provinzen, die fernab der Heimat lagen, schafften die Römer es, auf den wenigen Quadratmetern der sandigen Arena ihren Herrschaftsanspruch und ihre Wertvorstellungen überzeugend zu inszenieren und  zur Schau zu stellen. Offenbar wollten auch die Bewohner Triers nicht auf die spannenden Kämpfe verzichten.

Da das Amphitheater ab dem Mittelalter konsequent als Steinbruch benutzt wurde, ist nur wenig von der originalen Bausubstanz übrig geblieben; vieles musste rekonstruiert werden. Erhalten ist beispielsweise der Keller unter der Arena, in dem Menschen und Tiere auf ihren Auftritt warten mussten.

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Das Amphitheater in Trier (wikimedia commons/ Nick-D)

Ich habe das Amphitheater im Rahmen einer Erlebnisführung besucht. Ein Schauspieler schlüpft dabei in die Rolle eines Gladiators, der die Besucher, getrieben von seinen Erinnerungen, durch den Keller sowie über die Arena und die Tribünen führt. Obwohl ich grundsätzlich kein Fan solcher Touren bin, muss ich zugeben, dass dieses Schauspiel sehr packend war. Nach dem, was ich bisher an Literatur zu dem Thema der Gladiatur gelesen habe, erstaunte mich vor allem, dass die Schilderungen des „Gladiators“ auf mich gut recherchiert wirkten. Ich verließ das Amphitheater mit dem befriedigenden Gefühl, spannend unterhalten worden zu sein und gleichzeitig etwas gelernt zu haben.

Guter Kaiser – Schlechter Kaiser?   

In erster Linie war ich aber nach Trier gekommen, um mir die Sonderausstellung „NERO. Kaiser, Künstler und Tyrann“  anzuschauen. Sie läuft noch bis zum 16. Oktober und ist auf drei verschiedene Standorte in der Innenstadt verteilt. Weil ein Wochenende wie immer viel zu kurz ist und mich die Geschichte des Kaisers ganz besonders interessiert, beschränke ich mich auf einen Standort und besuche den Teil der Ausstellung, der im Rheinische Landesmuseum präsentiert wird. Auf einem chronologischen Rundgang wird hier der Werdegang Neros beleuchtet.

Nero gehört zu den berühmtesten römischen Kaisern. Selbst Menschen, die sich nicht mit der Antike beschäftigen, dürften seinen Namen kennen. Der Kaiser, der die Christen verfolgt und auf grausamste Weise hingerichtet hat. Nero, der sich den ganzen Tag nur selbst singen hören wollte. Nero, der in Saus und Braus lebte – natürlich auf Kosten seines Volkes. Das Bild des verrückten Tyrannen hat sich fest in der Nachwelt eingeprägt, nicht zuletzt dank antiker Autoren wie Tacitus, Sueton und Cassius Dio, die in ihren Schriften kein gutes Haar an ihm ausgelassen haben. Aber stimmt das alles wirklich?

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Die Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ im Rheinischen Landesmuseum Trier (Copyright GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer)/ http://www.nero-ausstellung.de

Dank wunderbarer Exponate, insgesamt 430, bekommt man in dieser Ausstellung tatsächlich das Gefühl, die Person hinter dem Kaiser kennenzulernen. Letztendlich war er wohl nicht besser und auch nicht schlimmer als manch anderer römischer Kaiser.  Die Aristokraten verachteten ihn, warfen ihm Schlemmerei und Verschwendung vor (Dinge, die man damals eigentlich jedem reichen Römer hätte vorwerfen können). Vor allem kritisierten sie ihn dafür, geltende Werte zu missachten und seine wahren Pflichten zu vernachlässigen. Beim Volk – vor allem im östlichen Reich – war er dagegen durchaus beliebt. Nero schien sich lieber mit Kultur als mit Politik zu beschäftigen. Seine Leidenschaft galt vor allem der Schauspielerei und der Musik – die blutigen Gladiatorenkämpfe bereiteten dem angeblich so sadistischen Herrscher übrigens von allen Formen der Unterhaltung am wenigsten Vergnügen. Von hell erleuchteten Räumen mit Themen wie die Kindheit Neros und den Anfängen seiner Herrschaft tritt der Besucher in finstere Säle, die sich mit ebenso dunklen Phasen seiner Regierungszeit beschäftigen, zum Beispiel mit dem großen Brand Roms. Hier wird aber auch das hervorragende Krisenmanagement Neros nach der Katastrophe thematisiert: Unter anderem erließ er Brandschutzmaßnahmen und strenge Bauverordnungen, um Bränden zukünftig besser vorbeugen zu können.

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Die Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ im Rheinischen Landesmuseum Trier (Copyright – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer)/ http://www.nero-ausstellung.de

Die Ausstellung will das Bild von Nero neu zeichnen und Aufschluss darüber geben, wer Nero in Wahrheit war. Ich finde, dieses Ziel ist rundum gelungen. Kaiser Nero scheint mir von nun an um einiges menschlicher.

 

Infos zu den Erlebnisführungen im Amphitheater gibt es hier.

Infos zur Ausstellung gibt es hier.

Acht Goldmünzen hat der Boden in Kalkriese freigegeben. Gefunden wurden die Münzen bei Ausgrabungen im Museumpark. 

Goldfunde sind in regulären Grabungen äußerst selten. Da das Edelmetall bereits in der Antike von außerordentlichem Wert war, gelangte es nur in Ausnahmefällen, meistens in der Folge von Natur- oder Brandkatastrophen sowie kriegerischen Ereignissen, in den Boden. »Der Fund von acht römischen Goldmünzen (aurei) gehört zu den außerordentlichen Glücksfällen. Von den bislang sieben in Kalkriese gefundenen Goldmünzen kennt man vom Schlachtfeld am Oberesch nur zwei weitere aurei. Die Zahl hat sich mit dem Neufund auf einen Schlag vervielfacht«, berichtet der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Salvatore Ortisi von der Universität Osnabrück.

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Gefunden auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese: Acht Goldmünzen. (Foto: Hermann Pentermann, Varusschlacht im Osnabrücker Land)

Die Goldmünzen zeigen zum Teil deutliche Spuren der Verwendung und sind durch den Gebrauch an den Kanten abgegriffen. Sie lagen konzentriert in einem Umfeld von nur wenigen Metern, so dass sie wahrscheinlich zusammen, beispielsweise als Teil eines Geldbeutels in den Boden gelangten. Alle aurei wurden in den Jahren zwischen 2 v. Chr. und 4/5 n. Chr. in Lyon (Lugdunum) geprägt.

Ein aureus war zur Zeit des Kaisers Augustus (27 v.-14 n. Chr.)  äußerst wertvoll. Der kleine Goldhort hätte ausgereicht, um seinen Besitzer ein Jahr lang gut zu versorgen. Die Barschaft könnte einem Offizier oder einem höher gestellten römischen Soldaten gehört haben.

»Die Münzen, weitere aktuelle Funde und Befunde werden wir schon in diesem Jahr unseren Besuchern in einer kleinen Kabinettausstellung zeigen«, freut sich Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land. Die Kabinettausstellung startet mit einem Vortrag des örtlichen Grabungsleiters Marc Rappe am 13. November 2016 und wird bis zum 15. Januar 2017 in Museum und Park Kalkriese zu sehen sein.

Weitere Infos zu der Ausgrabung gibt es hier.

Quelle:
Dr. Utz Lederbogen
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Osnabrück

Was hat ein Etruskergrab mit einer Gemeinde am Fuße des Schwarzwalds zu tun? Das Grab wurde in Città della Pieve entdeckt. Und  Città della Pieve wiederum ist die italienische Partnerstadt des baden-württembergischen Denzlingens. Wie viel Glück und Zufall bei dieser Entdeckung mitspielte, wird in einem Artikel in der Badischen Zeitung erzählt. Schön zu lesen und zu sehen, wie Archäologie immer wieder grenzenlos begeistern kann!

Im Rahmen eines Projekts des Deutschen Archäologischen Institutes mit russischen Kooperationspartnern sind in den letzten Jahren in Südrussland intensive Forschungen zu Bronzezeitlichen Bestattungen durchgeführt worden. Im Fokus stehen dabei 13 Schädel, die etwas gemeinsam haben: Sie alle weisen an identischer Stelle ein Trepanationsloch, eine chirurgische Schädeleröffnung, auf.

Nun stehen die Forscher vor allem vor einer Frage: Warum ließen sich diese Menschen den Schädel öffnen, unterzogen sich einer Operation, die ohne die modernen medizinischen Methoden, ohne Anästhesie, gefährlich, wenn nicht sogar tödlich ist?  Obwohl diese Stelle aus anatomischen Gründen das höchste Operationsrisiko hat, überlebten die meisten der Patienten den Eingriff. Wegen der speziellen Lokalisation und der Tatsache, dass keine Spuren von Trauma oder Krankheiten am Schädel sichtbar waren, vermuten Anthropologen des Deutschen Archäologischen Instituts rituelle Gründe der Operation.

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Gute verheilte und lange überlebte Trepanation (Julia Gresky/Deutsches Archäologisches Institut)

Chirurgische Schädeleröffnungen belegen die frühen medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Menschen seit mehr als 10.000 Jahren.
Es gibt viele Gründe für die Eingriffe, sie reichen von medizinisch indizierten Operationen bis zu rituellen Motiven. Es ist sehr schwierig und meistens sogar unmöglich, die Gründe für eine Operation an einem Schädel zu erkennen. Ist die Ursache ein Trauma, sind möglicherweise noch Bruchlinien am Schädel zu sehen. Handelt es sich um eine Krankheit wie Epilepsie oder Migräne oder um rituelle Gründe, sind am Knochen keine Hinweise auf den Operationsgrund sichtbar.

Bei den anthropologischen Untersuchungen wurden an 13 Schädeln Trepanationen gefunden. Alle Löcher lagen an derselben Stelle, mittig, leicht oberhalb des Hinterhauptes. Die Schädel wurden lupenmikroskopisch sowie mit Röntgen- und Computertomographischen Methoden untersucht, um Informationen zur Größe und Position der Läsionen, aber auch zur Operationstechnik, zum Heilungszustand und zu möglichen Komplikationen zu gewinnen.

Die Operationen wurden mit zwei unterschiedlichen Techniken durchgeführt: Entweder wurde das Loch durch Schaben mit einem scharfen Gegenstand oder durch Ausschneiden eines rundlichen Knochenstückes erzeugt. Es wurden etwa gleich viel Männer und Frauen im Alter zwischen 10 und 60 Jahren operiert. Die meisten Patienten überlebten die Operation für einen langen Zeitraum. Die immer gleiche Lokalisation der Löcher am Schädel ist eine unübliche Beobachtung für Trepanationen. Hinzu kommt, dass gerade dieser Platz aufgrund anatomischer Besonderheiten zu den gefährlichsten für eine Schädeleröffnung gehört. Die Tatsache, dass die meisten Patienten die Operation trotzdem überlebten, zeigt, dass es sich um spezialisierte Operateure gehandelt haben muss, die diese Lokalisation am Schädel trotz der Risiken absichtlich wählten. Dieses sowie die fehlenden Hinweise auf Frakturen oder Erkrankungen am Schädel deuten auf einen eher rituell begründeten Operationsgrund hin. Die Region in Südrussland scheint neben anderen europäischen Regionen ein weiteres Zentrum für Trepanationen zu sein.

Mehr Infos gibt es hier.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Im Museumspark Kalkriese wird in diesem Jahr wieder gegraben. Seit gut vier Wochen begeben sich das Archäologienteam aus Kalkriese und die Wissenschaftler der Universität Osnabrück auf Spurensuche. Das ausgewählte Areal in einer Schneise im Museumspark ist bei den bisherigen Untersuchungen noch kaum berücksichtigt worden.

Das Schlachtfeld auf dem Oberesch in Kalkriese gehört zu den bedeutendsten römischen Fundplätzen in Deutschland. Durch die intensive archäologische Forschung ist es in den letzten Jahren gelungen, ein sehr differenziertes Bild von den Ereignissen im unmittelbaren Vorfeld einer als germanischer Hinterhalt gedeuteten Wallanlage zu erhalten. Bei den Untersuchungen größerer Bereiche im weiteren Umfeld des zentralen Schlachtfelds hat sich gezeigt, dass das von den Kampfhandlungen betroffene Gebiet wesentlich ausgedehnter war, als bislang vermutet. Deutlich lassen sich nun auch Kampfhandlungen in den germanischen Siedlungen der Umgebung und Absetzbewegungen römischer Truppen nach Norden, in das Große Moor hinein, fassen.

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Mit einer weiteren Grabung erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zum Schlachtverlauf (Foto: Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH)

 

Die Archäologen der Universität Osnabrück und des Museums und Parks Kalkriese versuchen nun – tatkräftig unterstützt von erfahrenen ehrenamtlichen Grabungshelfern – die ersten Fragen zu beantworten. Mit Hilfe eines langen „Suchschnitts“ mit einer ca. 4 Meter breiten und 150 Meter langen Fläche wollen sie klären, ob es auf dem Oberesch weitere Erdwerke eines germanischen Hinterhalts oder sogar römische Verschanzungen gibt. Außerdem hoffen sie auf aussagekräftige Funde, die weitere Hinweise auf die an der Schlacht beteiligten Truppen geben. „Die Ergebnisse werden das Bild, das wir vom Verlauf der Schlacht haben, in wichtigen Aspekten erweitern und ergänzen“, erklärt Dr. Salvatore Ortisi, wissenschaftlicher Leiter des Projekts Kalkriese. Schon jetzt konnte das Grabungsteam interessante Funde vermelden, u.a. einen Bronzering von einem Schwertgehänge, Teile von Silberblechen, ein Pilum und unterschiedliche Nägel.

Bei ihren aktuellen Untersuchungen erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zum Schlachtverlauf, mit denen sich das Kampfgeschehen noch besser nachvollziehen lässt. Die Grabungskampagne wird im Rahmen der Grundförderung durch den Kooperationsvertrag mit dem Land Niedersachsen und dem Grabungsvertrag mit dem Landkreis Osnabrück ermöglicht. Projektbezogen haben die Varus-Gesellschaft, MBN Bau AG und die Firma Grotemeier die Grabungen unterstützt.

Weitere Infos zu den Grabungen in Kalkriese gibt es hier.

Quelle:
Dr. Utz Lederbogen
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Osnabrück

Vergangene Woche wurde das EU-Projekt „Pitoti“ in Madrid mit dem Europa-Nostra-Preis geehrt, der höchsten europäischen Anerkennung im Bereich des kulturellen Erbes. Das Projekt untersuchte prähistorische Steinfiguren an einer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte in Norditalien und präsentierte die Gravuren mit moderner Medientechnik bei Ausstellungen. 

Im norditalienischen Tal Valcamonica meißelten Menschen mehr als 50.000 Steinfiguren, sogenannte Pitoti (auf Italienisch: kleine Püppchen), in den Fels. Die meist Jahrtausende alten Bilder zeigen Darstellungen von Menschen, Gegenständen, Jagd- und Tanzszenen und abstrakten Mustern, aber auch Europas erste Landkarte. Die Felsbilder sind oft kaum sichtbar oder in unwegsamem Gelände, das aus Konservierungsgründen nicht betreten werden darf. „Felskunst ist ortsgebunden und kann nicht beliebig transportiert werden. Durch das hohe Interesse an diesen Kunstwerken sind sie einem ständigen Strom von Besucherinnen und Besuchern ausgesetzt, der die anfälligen Steinbilder gefährdet und zerstört“, erklärt Markus Seidl, Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) und Pitoti-Projektleiter an der FH St. Pölten.

Vom Stein auf den Bildschirm

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Pitoti am Touchscreen (FH St. Pölten/MartinGrubinger)

 

Archäologen und Medientechniker aus Italien, Österreich und England arbeiteten im Pitoti-Projekt daran, die wertvollen Beispiele frühester Kunst dauerhaft zu erhalten. Die Steinbilder wurden digitalisiert und den Besuchern als Film, Animation, Installation und virtuelles Spiel präsentiert, etwa bei einer Ausstellung bei der Triennale in Mailand oder im Museum of Archaeology & Anthropology der Universität Cambridge.

Exzellente Kreativität und Innovation

Das EU-Projekt Pitoti machte die prähistorischen Steinbilder mit moderner Medientechnik für interessierte Menschen zugänglich.„Der technische Aspekt der Forschung ist von immensem Wert und dient als internationales bestes Beispiel für das Aufzeichnen dieser unbezahlbaren Kunstwerke. Die neu entwickelten Methoden zum Präsentieren der Kunst für ein Publikum und um Besucherinnen und Besucher zur Interaktion anzuregen, ist vorbildlich“, so die Preis-Jury in der Aussendung von Europa Nostra. Laut dem Statement der Jury ist die Qualität der Forschung höchst originell. Die Kombination aus alten und neuen Formen der grafischen Kunst sei mitreißend. Die Jurorinnen und Juroren honorieren an dem Projekt das Arbeiten an den Grenzen zwischen klassischer Forschung und Performancekunst.

Die prämierten Projekte des Europa Nostra Awards stellen exzellente Beispiele für Kreativität, Innovation, nachhaltige Entwicklung und soziale Partizipation im Bereich des kulturellen Erbes in Europa dar. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden für ihre Errungenschaften im Bereich der Konservierung und Forschung, für ihre engagierten Leistungen und ihre Aktivitäten in Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung gewürdigt.

Weitere Infos zum Pitoti-Projekt gibt es hier.

Quelle:
Mag. Mark Hammer
Marketing und Unternehmenskommunikation
Fachhochschule St. Pölten