Archive für Beiträge mit Schlagwort: Athen

Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts stießen bei den aktuellen Ausgrabungen überraschend auf eine Familienstele.

Die Ausgrabungen konzentrieren sich auf einen Abschnitt der Heiligen Straße, die von Athen nach Eleusis führte. Der Fundort liegt wenige Meter stadteinwärts, unweit des Heiligen Tores, ganz am Rande des archäologischen Parks. Das Fragment stammt von einer sog. Familienstele. Es zeigt eine sitzende Frau und ein kleines Mädchen im Vordergrund, im Hintergrund stehend eine weitere Frau und einen bärtigen Mann.

Von der Darstellung ist ungefähr die Hälfte erhalten, auf der verlorenen rechten Hälfte waren wohl 2-3 weitere Personen dargestellt. Auf dem Architrav der Giebelstele ist schwach eine Inschrift zu lesen, die einen Mann namens Demostratos als Grabinhaber nennt. Die Form der Grabstele sowie der Typus und der Stil der Darstellung machen deutlich, daß das Grabdenkmal ursprünglich im dritten Viertel des 4. Jahrhunderts v.Chr. aufgestellt worden ist.

Das Grabrelief war ursprünglich vermutlich in der Nekropole entlang der Straße vor dem Heiligen Tor aufgestellt. Es wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt vom ursprünglichen Platz genommen und als Baumaterial, wegen der Beschaffenheit der Oberfläche wohl zunächst als Türschwelle, wiederverwendet. Im Zuge der Erneuerung des kommunalen Wassersystems von Athen im 6. Jahrhundert n. Chr. hat man das Fragment schließlich zum dritten Mal, als Abdeckung für eine Abwasserleitung unter der Heiligen Straße verwendet.

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Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

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Bei Vorarbeiten zur Dokumentation eines Brunnens kamen im Kerameikos in Athen überraschend die Marmorporträts zweier Frauen aus der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. zutage.

Die Porträts
Die beiden Porträts sind in ungewöhnlich gutem Zustand erhalten. Sie zeigen ein junges Mädchen und eine junge Frau mit der gleichen aufwendigen Haartracht: Die langen Haare sind in der Mitte gescheitelt, in Zöpfe geflochten und als breites Band vom Nacken aus über den Hinterkopf bis fast zur Stirn gelegt, dort umgeschlagen und festgesteckt. Diese Form der sogenannten „Scheitelzopffrisur“ wurde um 250 n. Chr. von Salonina, der Frau des Kaisers Gallienus (253-268 n. Chr.) getragen und damit als Modefrisur im gesamten Imperium Romanum verbreitet.
Die beiden Porträts waren einst vor dem Dipylon aufgestellt: entweder als Ehrenstatuen oder als Grabstatuen bzw. als liegende Figuren auf einem Marmorsarkophag in Klinenform.
Sie sind offenbar gleichzeitig abgeschlagen, durch einen gezielten Meißelhieb in zwei Teile gespalten und in den Brunnen geworfen worden.
Erst die Fortsetzung der Arbeiten kann Klarheit darüber bringen, zu welchem Zeitpunkt die Zerstörung erfolgt ist.

Der Brunnen
Gefunden wurden die Skulpturen in einem aus Steinen gemauerten und innen mit hydraulischem Mörtel verputzte Brunnen in 5,20m Tiefe und unterhalb des aktuellen Grundwasserspiegels.
Der Brunnen wurde schon 1934-1936 entdeckt und weitgehend untersucht, damals aber nicht dokumentiert, wohl wegen des hohen Grundwasserspiegels. Auch die Arbeiten 2013 konnten nur unter gleichzeitigem Einsatz von vier Pumpen ausgeführt werden.
Bisher sind drei Bau- und Verwendungsphasen des Brunnens feststellbar: Die Anlage erfolgte im 4. Jahrhundert v. Chr. mit einer Kalkstein-Einfassung und einer fest installierten Schöpfvorrichtung aus einem Balkengestell mit zentriertem Seilzug. Im späten Hellenismus wurde der Brunnenrand mit Tonplatten erhöht und die Innenseite des Brunnens neu verstuckt. In einer letzten Nutzungsphase wurde die Mündung mit Brecciablöcken (Spolien) erhöht und rechteckig eingefasst.

Seit 100 Jahren Forschungen im Kerameikos

Die Forschungen im Kerameikos werden seit hundert Jahren vom Deutschen Archäologischen Institut in Athen ausgeführt. Die Freilegung des Brunnens erfolgte unter Leitung von Dr. Jutta Stroszeck im Rahmen eines Forschungsprojektes zur Wasserversorgung der klassischen Badeanlage vor dem Dipylon. Das Grabungsteam im Kerameikos besteht 2013 aus griechischen und deutschen Mitarbeitern verstärkt durch eine kleine Gruppe Studenten verschiedener Universitäten (Berlin, Gießen, Mainz und Rostock).

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Quelle:

Nicole Kehrer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Archäologisches Institut