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Besuch der Sonderausstellung „NERO. Kaiser, Künstler und Tyrann“ und des Amphitheaters.

Vier Stunden Zugfahrt, zweimal Umsteigen, brüllende Sommerhitze, kaputte Klimaanlagen: Die Reise an diesem Wochenende fing für mich alles andere als entspannt an. Aber für einen Besuch der wunderschönen Stadt Trier würden sich die Strapazen bestimmt lohnen, dachte ich. Und so war es auch.

Trier hat an römischer Geschichte viel zu bieten: Bauten wie die Kaiserthermen, die Porta Nigra, das Amphitheater und die Konstantinsbasilika gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Weil ich mich derzeit besonders für das Phänomen der Gladiatur interessiere, steht das Amphitheater ganz oben auf meiner To-do-in-Trier-Liste.

Im Gegensatz zu den übrigen römischen Bauwerken Triers liegt das Amphitheater außerhalb der Altstadt und war Teil der römischen Stadtmauer. Zum reinen Vergnügen des Publikums flossen an diesem Ort  Unmengen von Blut – über Jahrhunderte hinweg.

Die Römer liebten es, sich zu amüsieren: Ihre Unterhaltungsindustrie umfasste unter anderem Wagenrennen, Tierhetzen, Theater, und natürlich die Gladiatorenkämpfe. Diese Spiele fanden an unterschiedlichen Schauplätzen statt. Für die Gladiatorenspiele  eignete sich kein Bauwerk mehr als das ellipsenförmige Amphitheater:  Alle Zuschauer hatten freien Blick auf die Arena, während die Gladiatoren genügend  Platz hatten, um im Kampf vor- und zurückweichen zu können. Weil im Laufe der Zeit Amphitheater im gesamten Römischen Reich wie Pilze aus der Erde schossen, entwickelten sie sich zum Markenzeichen des  „Römisch-Seins“. Selbst in Provinzen, die fernab der Heimat lagen, schafften die Römer es, auf den wenigen Quadratmetern der sandigen Arena ihren Herrschaftsanspruch und ihre Wertvorstellungen überzeugend zu inszenieren und  zur Schau zu stellen. Offenbar wollten auch die Bewohner Triers nicht auf die spannenden Kämpfe verzichten.

Da das Amphitheater ab dem Mittelalter konsequent als Steinbruch benutzt wurde, ist nur wenig von der originalen Bausubstanz übrig geblieben; vieles musste rekonstruiert werden. Erhalten ist beispielsweise der Keller unter der Arena, in dem Menschen und Tiere auf ihren Auftritt warten mussten.

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Das Amphitheater in Trier (wikimedia commons/ Nick-D)

Ich habe das Amphitheater im Rahmen einer Erlebnisführung besucht. Ein Schauspieler schlüpft dabei in die Rolle eines Gladiators, der die Besucher, getrieben von seinen Erinnerungen, durch den Keller sowie über die Arena und die Tribünen führt. Obwohl ich grundsätzlich kein Fan solcher Touren bin, muss ich zugeben, dass dieses Schauspiel sehr packend war. Nach dem, was ich bisher an Literatur zu dem Thema der Gladiatur gelesen habe, erstaunte mich vor allem, dass die Schilderungen des „Gladiators“ auf mich gut recherchiert wirkten. Ich verließ das Amphitheater mit dem befriedigenden Gefühl, spannend unterhalten worden zu sein und gleichzeitig etwas gelernt zu haben.

Guter Kaiser – Schlechter Kaiser?   

In erster Linie war ich aber nach Trier gekommen, um mir die Sonderausstellung „NERO. Kaiser, Künstler und Tyrann“  anzuschauen. Sie läuft noch bis zum 16. Oktober und ist auf drei verschiedene Standorte in der Innenstadt verteilt. Weil ein Wochenende wie immer viel zu kurz ist und mich die Geschichte des Kaisers ganz besonders interessiert, beschränke ich mich auf einen Standort und besuche den Teil der Ausstellung, der im Rheinische Landesmuseum präsentiert wird. Auf einem chronologischen Rundgang wird hier der Werdegang Neros beleuchtet.

Nero gehört zu den berühmtesten römischen Kaisern. Selbst Menschen, die sich nicht mit der Antike beschäftigen, dürften seinen Namen kennen. Der Kaiser, der die Christen verfolgt und auf grausamste Weise hingerichtet hat. Nero, der sich den ganzen Tag nur selbst singen hören wollte. Nero, der in Saus und Braus lebte – natürlich auf Kosten seines Volkes. Das Bild des verrückten Tyrannen hat sich fest in der Nachwelt eingeprägt, nicht zuletzt dank antiker Autoren wie Tacitus, Sueton und Cassius Dio, die in ihren Schriften kein gutes Haar an ihm ausgelassen haben. Aber stimmt das alles wirklich?

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Die Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ im Rheinischen Landesmuseum Trier (Copyright GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer)/ http://www.nero-ausstellung.de

Dank wunderbarer Exponate, insgesamt 430, bekommt man in dieser Ausstellung tatsächlich das Gefühl, die Person hinter dem Kaiser kennenzulernen. Letztendlich war er wohl nicht besser und auch nicht schlimmer als manch anderer römischer Kaiser.  Die Aristokraten verachteten ihn, warfen ihm Schlemmerei und Verschwendung vor (Dinge, die man damals eigentlich jedem reichen Römer hätte vorwerfen können). Vor allem kritisierten sie ihn dafür, geltende Werte zu missachten und seine wahren Pflichten zu vernachlässigen. Beim Volk – vor allem im östlichen Reich – war er dagegen durchaus beliebt. Nero schien sich lieber mit Kultur als mit Politik zu beschäftigen. Seine Leidenschaft galt vor allem der Schauspielerei und der Musik – die blutigen Gladiatorenkämpfe bereiteten dem angeblich so sadistischen Herrscher übrigens von allen Formen der Unterhaltung am wenigsten Vergnügen. Von hell erleuchteten Räumen mit Themen wie die Kindheit Neros und den Anfängen seiner Herrschaft tritt der Besucher in finstere Säle, die sich mit ebenso dunklen Phasen seiner Regierungszeit beschäftigen, zum Beispiel mit dem großen Brand Roms. Hier wird aber auch das hervorragende Krisenmanagement Neros nach der Katastrophe thematisiert: Unter anderem erließ er Brandschutzmaßnahmen und strenge Bauverordnungen, um Bränden zukünftig besser vorbeugen zu können.

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Die Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ im Rheinischen Landesmuseum Trier (Copyright – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer)/ http://www.nero-ausstellung.de

Die Ausstellung will das Bild von Nero neu zeichnen und Aufschluss darüber geben, wer Nero in Wahrheit war. Ich finde, dieses Ziel ist rundum gelungen. Kaiser Nero scheint mir von nun an um einiges menschlicher.

 

Infos zu den Erlebnisführungen im Amphitheater gibt es hier.

Infos zur Ausstellung gibt es hier.

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Auf aktuellen Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern aus Heidelberg und Darmstadt basiert eine Ausstellung mit dem Titel „Von Atlantis bis heute – Mensch. Natur. Katastrophe“, die die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem) vom 7. September 2014 an bis zum März kommenden Jahres zeigen. Die Schau geht der Frage nach, wie Individuen und Gesellschaften auf verheerende Unglücksereignisse reagieren, die durch Naturgewalten ausgelöst werden. Dabei wird der Bogen gespannt vom Untergang des sagenumwobenen Inselreiches Atlantis bis zum Wirbelsturm im ostindischen Bundesstaat Orissa, bei dem im vergangenen Jahr eine Million Menschen evakuiert werden musste. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Reiss-Engelhorn-Museen mit dem Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ der Universität Heidelberg sowie der Technischen Universität Darmstadt. Zur Eröffnung wird die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer erwartet.

Die Ausstellung basiert auf dem Forschungsprojekt „Bilder von Katastrophen“, in dem der Geschichtswissenschaftler und Katastrophenexperte Prof. Dr. Gerrit Jasper Schenk (Darmstadt) und die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Monica Juneja (Heidelberg) am Cluster „Asien und Europa“ zusammenarbeiten. Sie untersuchen den Umgang mit Extremsituationen in Geschichte und Gegenwart in unterschiedlichen Kulturen. Dabei geht es nicht nur um die Reaktionen der Betroffenen vor Ort, sondern auch um die unterschiedlichen Deutungen der existenzbedrohenden Ereignisse und ihre „mediale“ Verbreitung. „Im Moment einer Naturkatastrophe wird das Verhältnis von Mensch und Kultur zur Natur schlaglichtartig beleuchtet“, betont Gerrit Schenk. Im Nachgang werden verheerende Unglücksereignisse erinnert oder verdrängt, es zeigen sich kollektive Bewältigungsstrategien und kulturell begründete Handlungsmuster. „Um das Unbeschreibliche zu thematisieren, zu deuten und zu zähmen, greifen Menschen zu Bildern. Dies können Sprachbilder, Mythen, Mahnmale, Symbole oder auch bewegte Bilder sein“, sagt Monica Juneja, die Professorin für globale Kunstgeschichte ist.

Wie Kulturen auf die Gefahren und Katastrophen reagieren, ist zwar in Zeit und Raum erstaunlich unterschiedlich. Doch zeigen sich nach Angaben von Prof. Juneja und Prof. Schenk auch verbindende, häufig wandernde Muster kulturellen Umgangs mit der katastrophalen Erfahrung. In der Vormoderne bot zum Beispiel die Erklärung, dass „Unsterne“ für eine Katastrophe verantwortlich sind, ein transkulturelles Deutungsmuster von Asien bis Europa an. Andere Erklärungen suchten die Schuld in falschem Handeln von Menschen. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Selbstgefährdung der Menschheit und einer Medialisierung katastrophaler Erfahrungen zeichnen sich in der Moderne schließlich global verständliche Darstellungsmuster ab, die zunehmend zu weltweiter Solidarität auffordern, wie die beiden Wissenschaftler hervorheben.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit einem Team der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim unter der Leitung von Dr. Christoph Lind, stellvertretender Direktor der rem für den Bereich Kunst- und Kulturgeschichte, konzipiert und umgesetzt. Sie führt rund 20 bekannte und weniger bekannte Katastrophen der Weltgeschichte vor Augen. Dazu gehören der Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 nach Christus, dessen Lavastrom die Stadt Pompeji zerstörte, oder auch die Überschwemmungen von Mannheim Ende des 18. Jahrhunderts, nach denen Flutkarten zu bedrohten Stadtteilen angefertigt wurden. Thema ist auch die Havarie des Atomkraftwerkes im japanischen Fukushima nach einer Tsunamiwelle 2011, bei der durch das Zusammenspiel von Naturgewalt und menschlicher Technik das Ereignis zu einer ganz spezifischen Katastrophe wurde. Gezeigt werden dazu rund 200 Exponate, die von historischen Gemälden über Alltagsgegenstände bis zu Originalberichten, Fotografien, Filmen und Hörbeispielen reichen. Viele dieser Ausstellungsstücke waren bislang noch nicht öffentlich zu sehen.

Die Ausstellung „Von Atlantis bis heute – Mensch. Natur. Katastrophe“ ist vom 7. September 2014 bis zum 1. März 2015 im Museum Weltkulturen der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim zu sehen. Sie ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Infos zur Ausstellung „Von Atlantis bis heute – Mensch. Natur. Katastrophe“ gibt es hier.

Quelle:
Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

am 13. September 2014 startet im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim die große Sonderausstellung „Die Entstehung der Welt. Ägyptens letzter Schöpfungsmythos“. Erstmals in Europa werden Originale des geheimnisvollen „Buches vom Fayum“ zu sehen sein, einem prächtig illustrierten Papyrus aus dem griechisch-römischen Ägypten, die sonst in den Magazinen des Walters Art Museum, Baltimore, und der Morgan Library and Museum, New York, verschlossen sind. 

 

Buch vom Fayum (Ausschnitt) Das Krokodil stellt den Ur- und Schöpfergott dar. © Walters Art Museum, Baltimore

Buch vom Fayum (Ausschnitt)
Das Krokodil stellt den Ur- und Schöpfergott dar.
© Walters Art Museum, Baltimore

Was war vor der Schöpfung? Wie entstanden Zeit und Raum und wer ist ihr Schöpfer? Diese und andere Fragen zur Entstehung und dem Fortbestand der Welt stellt der letzte große Schöpfungsmythos der Alten Ägypter: das berühmte „Buch vom Fayum“. Seit mehreren Jahrzehnten widmet sich ein internationales Expertenteam der Entschlüsselung dieses Papyrus, der Mitte des 19. Jahrhunderts in der ägyptischen Oase Fayum entdeckt wurde. Die beiden Hauptteile befinden sich heute im Walters Art Museum in Baltimore und in der Pierpont Morgan Library & Museum in New York, zwei weitere Teile im Ägyptischen Museum in Kairo.

Einlage eines Krokodilkopfes Glas © Walters Art Museum, Baltimore

Einlage eines Krokodilkopfes
Glas
© Walters Art Museum, Baltimore

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum präsentiert vom 13. September bis 11. Januar 2015 diesen erstaunlichen Papyrus – ergänzt durch eine Reihe internationaler Leihgaben, die die ungewöhnlichen Bilder dreidimensional umsetzen. In dieser Ausstellung können die Besucher auf eine Reise durch das altägyptische Universum gehen. Sie können den Göttern begegnen und gemeinsam mit dem krokodilsgestaltigen Sonnengott in den See der Oase Fayum eintauchen, um die Erneuerung des Gottes und damit der Schöpfung zu erleben.

Statue der Göttin Theoris Fayence © Roemer- und Pelizaeus Museum, Hildesheim, Foto: Sh. Shalchi

Statue der Göttin Theoris
Fayence
© Roemer- und Pelizaeus Museum, Hildesheim, Foto: Sh. Shalchi

Weitere Infos gibt es hier.

Kontakt:

Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim GmbH
Am Steine 1-2, 31134 Hildesheim

www.rpmuseum.de

Am 25. März 2014 erreichte ein Lastkahn aus der Zeit Karls des Großen (808 n. Chr.) das Mainzer Museum für Antike Schiffahrt des RGZM. Anlässlich der Sonderausstellung »Großbaustelle 793. Das Kanalprojekt Karls des Großen zwischen Rhein und Donau« leiht das Deutsche Schiffahrtsmuseum Bremerhaven (DSM) den archäologisch wertvollen Fund erstmals aus. Museumsbesucher können das Schiff vom 30. April bis zum 10. August im Zuge der Sonderausstellung besichtigen.

Gut verpackt und in einem 40-Fuß-Container verladen, kam der elf Meter lange Schiffsfund – ungewöhnlich für ein Schiff über den Landweg – am Dienstagmorgen in Mainz an und wurde mit einem Kran auf das Gelände des Museums für Antike Schiffahrt befördert. Archäologen und Restauratoren des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) und des DSM waren gleichermaßen darauf bedacht, das empfindliche Schiff nicht zu beschädigen. Amandine Colson, Restauratorin am DSM, organisierte den Transport von Bremerhaven aus und kam extra nach Mainz, um bei der Entladung des empfindlichen Objektes dabei zu sein.

„Der Transport eines solchen Exponates birgt natürlich immer ein gewisses Risiko. Umso wichtiger ist dabei eine gute Zusammenarbeit und wir freuen uns sehr über dieses Kooperationsprojekt“, sagt Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktoren des DSM und ergänzt: „Unser Karl hat das DSM seit 25 Jahren nicht verlassen und geht jetzt anlässlich seines Jubiläums auf die Reise nach Mainz.“

Lastkahn »Karl«

Im März 1989 fand ein Baggerführer die Überreste des Schiffes in einer Bremer Hotelbaugrube. Das ursprünglich 16 bis 20 Meter lange Flachbodenschiff wurde im Bereich eines Nebenarms der Weser gefunden und konnte dank dendrochronologischer Untersuchungen ins Jahr 808 n. Chr. datiert werden. Der hintere Teil des Schiffes fehlt – heute sind noch elf Meter Schiffslänge erhalten.

Nach seiner Bergung wurde der Lastkahn im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven mehr als zehn Jahre lang restauriert und konserviert. Seit 2000 ist er dort ausgestellt. „Im Gegensatz zum Römischen-Germanischen Zentralmuseum, die ihre Holzobjekte mit Kauramin behandeln, konservieren wir unsere Holzobjekte mit Polyethylenglycol (PEG)“, erläutert Amandine Colson. In der Sonderausstellung werde »Karl« im selben Raum mit Holzexponaten des RGZM ausgestellt und für sie als Restauratorin unmittelbar vergleichbar.

„Die Binnenschifffahrt spielte im Karolingerreich eine große Rolle, wie wir den schriftlichen Zeugnissen entnehmen können“, sagte Professor Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums am Dienstagmittag. „Karl der Große selbst hat auf seinen zahlreichen Reisen – wo immer möglich – den Wasserweg genommen. Das Flachbodenschiff, das heute bei uns „anlandet“, ist eins der wenigen erhaltenen Exemplare seiner Art und wird das Topexponat unserer Ausstellung sein.“

Die Sonderausstellung

Zum 1200. Todestag Karls des Großen zeigt das RGZM eine Sonderausstellung im Museum für Antike Schiffahrt. Mittelpunkt der rund 300 m2 großen Schau ist ein 793 n. Chr. auf die Initiative Karls des Großen entstandener schiffbarer Kanal, der Rhein und Donau verband. Die Schau basiert auf aktuellen Forschungen des DFG-Schwerpunktprogramms »Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter«, an dem das RGZM und das DSM maßgeblich beteiligt sind. Das Interessante: Die Besucher erhalten Einblicke in die Fragen und Methoden, mit denen die archäologische Forschung eine solche Baumaßnahme „zum Sprechen“ bringt und in der Folge auch unser Verständnis für die Zeit Karls des Großen erweitert.

Der Karlsgraben, der sich in der Nähe von Treuchtlingen in Mittelfranken befindet, wird derzeit von Forscherteams der Universität Jena, der Universität Leipzig und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms untersucht.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum und das Deutsche Schiffahrtsmuseum sind beides Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft.

 

Weitere Infos gibt es hier.

 

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie


Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Landesmuseums Württemberg wurde letzte Woche die neue Schausammlung „LegendäreMeisterWerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg“ eröffnet. Statt der früheren heterogenen Ausstellungsbereiche erwartet den Besucher ein chronologischer Rundgang wie „aus einem Guss“ – durch nicht weniger als 80.000 Jahre Menschheitsgeschichte, vorbei an mehr als 1.500 Objekten!

Zu den ältesten Exponaten gehören z.B. die 40.000 Jahre alte Mammutfigur aus der Vogelherd-Höhle und das weltweit älteste Musikinstrument, eine Flöte aus der Geißenklösterle-Höhle bei Blaubeuren. Nach der Eiszeit geht es weiter in den Ausstellungsraum der Jungsteinzeit. Wie tiefgreifend und innovativ diese Epoche war, wird mir spätestens dann bewusst, als ich das Fragment eines 5000 Jahre alten Rads erblicke. Auch die ersten Waffen wie Pfeil und Bogen stammen aus diesem Zeitalter – ob ich mit dieser Waffe treffsicher genug gewesen wäre, um mir mein Mittagessen zu jagen, kann ich an einer interaktiven Mitmachstation ausprobieren.

Je weiter ich mich von den Kunstwerken aus der Eiszeit entferne, umso mehr verändern sich die Farben um mich herum. Bronze- und erdfarbene Wände künden eine Zeit an, in der die Menschen den Nutzen von Metallen entdeckten. Aus Bronze-, später dann aus Eisen gossen sie neue, bessere Waffen, aber auch Werkzeuge und Schmuck.

Der nächste Ausstellungsbereich zeigt mir die Entwicklung einer Hochkultur, in der sich die Bewohner des späteren Württembergs immer stärker an kulturellen Vorbildern und Innovationen aus fernen Ländern orientieren. Doch wie behalte ich bei den vielen neuen Einflüssen noch den Überblick? Das Museumsteam hat sich hierzu eine nützliche Hilfe einfallen lassen, sogenannte Epochenboxen. Die leuchtenden Säulen liefern in jedem Raum die wichtigsten historischen, vor allem überregionalen Informationen des jeweiligen Zeitalters.

Auf die Eisenzeit folgt die Zeit der römischen Herrschaft. Zwar gehörte Südwestdeutschland nur etwas mehr als zwei Jahrhunderte zum Imperium Romanum, trotzdem haben die Römer eine Fülle von Zeugnissen hinterlassen. Dazu gehören Kleidung, Schmuck, Waffen, Münzen – und eine Vielzahl von Göttern. Auf Regalen aufgestellt, füllen sie eine ganze Wand des Raumes aus. Der Alltag speziell im römischen Militär wird auch virtuell veranschaulicht. Auf zwei einander gegenüber aufgehängten Bildschirmen marschieren zwei schwer bepackte Soldaten und unterhalten sich miteinander. Ich kann in ihrer Mitte stehen und zuhören, was die beiden sich auf ihrem Marsch so alles erzählen. Hier, wie in allen übrigen Räumen, zeigt sich, wie viel Wert das Team des Museums darauf legte, gerade auch den jüngsten Besuchern die einzelnen Epochen spannend und vielseitig zu vermitteln.

Auf den Zusammenbruch des Römischen Reiches und die darauffolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen während der Völkerwanderungszeit weisen schiefe, dunkel gehaltene Ausstellungselemente hin. Neben der Völkerwanderungszeit gibt es in diesem Ausstellungsbereich zwei weitere Themenblöcke: die Franken und die Christianisierung der Alamannen. Funde aus Gräbern spielen dabei eine wichtige Rolle.

Über einen schmalen Gang – gleich einem Kreuzgang mit Glasgemälden – bewegt sich der Besucher nun vom frühen Mittelalter in die Zeit des Hohen Mittelalters. Archäologische Funde weichen Objekten aus dem sakralen Bereich. Über die Herzogszeit hin endet die Schausammlung schließlich im Industriezeitalter mit einem Ausblick auf den ersten Weltkrieg, an dessen Ende der letzte König Württembergs abdankt.

An der neuen Schausammlung überzeugt mich vor allem die Präsentation der Objekte, aber auch die Raumgestaltung. Ohne viele Worte der Erklärung vermitteln sie sofort die Hauptaussage der jeweiligen Epoche.

Meine Eindrücke speziell zu den archäologischen Funden der Sammlung habe ich in folgenden Bildern festgehalten.

Weg in Richtung Eiszeit (LH)


Eiszeit-Raum (LH)

40.000 Jahre alte Mammutfigur (LH)

Das bislang weltweit älteste Musikinstrument (LH)

Auf der Jagd (LH)

Leuchtende Epochenboxen (LH)

Silberring aus dem 1. Jh. v. Chr. (LH)

Unterwegs mit römischen Soldaten (LH)

Restauratoren erlauben sich einen Scherz (LH)

Götter über Götter (LH)

Römische Münzen (LH)

Informationen zur Schausammlung finden Sie unter folgendem Link.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) ist im Besitz einer neuen Hominidenbüste. Die wissenschaftliche Rekonstruktion des Sahelanthropus tchadensis entstand im Atelier »Wildlife Art« von Wolfgang Schnaubelt und Nina Kieser. Es ist die mittlerweile zehnte Vormenschenbüste des Landesmuseums. Sie wird bei der Wiedereröffnung des HLMD im Herbst 2013 in der Dauerausstellung zur Evolution des Menschen präsentiert. 

Sahelanthropus tchadensis © Atelier Wildlife Art für Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Grundlage für die Rekonstruktion der Büste war ein deformierter Schädelfund aus dem Tschad. Im Jahr 2001 wurden dieser Schädel, Kiefer- und Zahnfragmente an der Fundstelle Toros-Menalla gefunden. Sahelanthropus hat ein Alter von 6.8 bis 7.2 Millionen Jahren. Der Schädel wurde von D. Ahounta vom »Centre National d’Appui à la Recherche« (CNAR) entdeckt und wird auch »Toumaï« genannt, was in der lokalen Gorane-Sprache ‚Hoffnung auf Leben’ bedeutet.

Voraussetzung für jede Hominidenrekonstruktion ist ein Schädelfund, der Rückschlüsse auf die Gesichtsmorphologie zulässt. Im Fall des Sahelanthropus lagen zusätzlich Abbildungen von computertomographischen Schädeldaten vor, mit denen im Jahr 2005 von einem Schweizer Team eine virtuelle Rekonstruktion durchgeführt wurde.

Die systematische Position von Sahelanthropus ist umstritten und einige Wissenschaftler bezweifeln, ob er aufrecht ging und ob es sich nicht eher um einen Verwandten des Gorillas, des Schimpansen oder des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpansen handelt.

Vormenschenfunde wie der 6 Millionen Jahre alte Orrorin tugenensis oder der 5.2 bis 5.8 Millionen Jahre alte Ardipithecus kadabba können daher so lange nicht als Büste gezeigt werden, bis ein halbwegs gut erhaltener Schädelfund gemacht wird.

Die neun übrigen Büsten im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zeigen die Gattungen Australopithecus (anamensis, afarensis, africanus, boisei), Kenyanthropus (platyops) und Homo (rudolfensis, habilis, erectus, neandertalensis). Die neue Gattung Sahelanthropus stellt den ältesten Vertreter der prominenten Büstensammlung des Museums dar.

Link zur Homepage des Hessischen Landesmuseums Darmstadt

Quelle:

Yvonne Mielatz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesmuseum Darmstadt

„Ägyptens Schätze entdecken – Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ wird am 11. März eröffnet.

Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt ab Sonntag monumentale wie außergewöhnliche Objekte aus einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen altägyptischer Zeugnisse. Die sechsmonatige Sonderausstellung „Ägyptens Schätze entdecken – Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“ präsentiert einerseits herausragende Exponate aus allen großen Epochen und Lebensbereichen des Alten Ägyptens, andererseits wird die vielfältige Geschichte der Ägyptologie mit ihren großartigen Entdeckungen und kulturgeschichtlichen Erkenntnissen dargestellt – von der ersten Welle der Ägyptenbegeisterung unter Napoleon Bonaparte bis hin zu aktuellen Forschungsergebnissen der Gegenwart.

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) waren an der Konzeption der Ausstellung und dem Begleitbuch maßgeblich beteiligt. Sie präsentieren in Speyer zudem neue Forschungen, die sie zusammen mit ihren Projektpartnern von der Freien Universität Berlin und der ägyptischen Universität Sohag auf dem Nekropolenberg in Assiut durchführen. Dieser Berg wird seit über 5000 Jahren durchgehend von den Bewohnern der Stadt genutzt – hauptsächlich als Friedhof mit Abertausenden von Gräbern, aber auch als Steinbruch, Ausflugsziel, Gebetsplatz, Siedlung für Eremiten, als Standort für Klöster und in jüngerer Zeit auch für Militäranlagen. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten zahlreiche Särge, Statuen und Beigaben aus Assiut ins Turiner Museum. Drei vollständige Grabausstattungen sind jetzt in Speyer zu sehen, darunter bestens erhaltene, über 4000 Jahre alte Holzstatuen (Foto 1). Seit 2003 kooperieren die Ägyptologieprofessoren Jochem Kahl (FU Berlin), Mahmoud El-Khadragy (Universität Sohag) und Ursula Verhoeven-van Elsbergen (JGU Mainz) auf internationaler Ebene und unternehmen jeden Sommer zweimonatige Feldforschungen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Langzeitvorhabens „The Asyut-Project“ (Foto 2). In Speyer werden neben den frühen Funden aus Turin aktuelle und multidisziplinäre Forschungsmethoden und -inhalte vorgestellt. Die Freilegung bislang unbekannter Gräber oder Grabkammern, die Säuberung und Dokumentation der berühmten Fürstengräber mit bis zu 12 Meter hohen Räumen und über 10 Meter tiefen Begräbnisschächten, die Aufnahme von Inschriften und Dekoration sowie die Untersuchung von Holz, Keramik, Menschen- oder Tierknochen und anderen Materialien ermöglichen neue Fragestellungen wie etwa zur Regionalität, zum antiken und modernen Geschichtsbewusstsein, nach Wissenskultur oder Jenseitsvorstellungen in Assiut.

„Der Titel der Ausstellung ‘Ägyptens Schätze entdecken‘ spannt den Bogen von den Entdeckungen der frühen Reisenden der französischen Expedition im Jahr 1799 bis zu unseren heutigen Entdeckungen, bei denen es darum geht, die Zusammenhänge von unscheinbaren ebenso wie von eindrucksvollen Funden und Baustrukturen herauszufinden, um das alte Ägypten als frühe und hochkomplexe Gesellschaft zu verstehen und als solche als Schatz zu werten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen.

Die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist vom 11. März bis 2. September 2012 zu sehen. Zu der Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, das durch seine Essays und Exkurse über einen reinen Katalog hinaus die Wissenschaftsgeschichte sowie Ägypten mit seinen „Menschen zwischen Fluss und Wüste“, „Verstorbenen im Schönen Westen“ und „Göttern zwischen Himmel und Erde“ vorstellt.

Quelle:

Petra Giegerich

Kommunikation und Presse

Johannes Gutenberg-Universität Mainz