Archive für Beiträge mit Schlagwort: Berlin

Das Königsgrab von Seddin steht im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung in der Reihe „Topoi im Museum“, die im Märkischen Museum der Stiftung Stadtmuseum Berlin stattfindet.

Im Märkischen Museum werden seit der Entdeckung des Hügelgrabs in der Prignitz Ende des 19. Jahrhunderts die kostbaren Grabbeigaben aufbewahrt. Jens May, Gebietsarchäologe für das nordwestliche Brandenburg am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum und Mitglied des Exzellenzclusters Topoi, wird über die Ergebnisse neuester archäologischer Grabungen sprechen, die zeigen, auf welch komplexe Weise der Hügel 800 v. Chr. errichtet wurde.

In der Ausstellung im Märkischen Museum ist ein Teil der Fundstücke zu sehen, die der damalige Direktor Ernst Friedel 1899 für das Museum sicherte. Das Stadtmuseum Berlin wird diese zur Veranstaltung zeigen.

Bei der Vortragsreihe „Topoi im Museum“ stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Forschungsthemen aus dem Exzellenzcluster Topoi in Berliner Museen vor. Ziel der Reihe ist es, den Besuchern der Museen über aktuelle Forschungsergebnisse der Altertumswissenschaften auch andere Betrachtungsweisen auf zum Teil bekannte Sammlungsobjekte zu erschließen.
1899 stießen Arbeiter bei Chaussee-Bauarbeiten in der Prignitz auf ein prähistorisches Herrschergrab, das sogenannte Königsgrab von Seddin. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand zunächst die Grabkammer mit dem „Königsschatz“: Urnen und Schmuck, die zum Teil heute noch im Märkischen Museum zu sehen sind. Den Grabhügel hielt man für einen aufgeschütteten Erdhügel. Nach jüngsten archäologischen Forschungen muss er jedoch als eine Art frühes Monumental-Bauwerk beurteilt werden, das auf komplexe Weise aus Steinen und Sand aufgeschichtet ist. In einem Forschungsprojekt des altertumswissenschaftlichen Exzellenzclusters Topoi wird seit einigen Jahren nicht nur die Bauweise des Grabmals erforscht, sondern auch die Rituallandschaft, in welcher es vor fast 3000 Jahren entstanden ist. Das Projekt ist zudem eingebunden in eine größere Arbeitsgruppe zu Großbauten in der Antike im Exzellenzcluster; so erschließen sich weitere Bezüge etwa zur Kurganen, den größeren Grabhügeln in der eurasischen Steppe.

Der Exzellenzcluster Topoi bündelt die Stärken Berlins in der Erforschung der Antike und ist ein Kooperationsprojekt der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Zeit, Ort und Programm
– Dienstag, 5. April 2016, 18.00 Uhr
– Das Königsgrab von Seddin – Ein Monumentalbauwerk der Bronzezeit
– Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin, U-Bhf. Märkisches Museum (U2)
– Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter public.relations@topoi.org wird gebeten.

Weitere Infos zu der Veranstaltungsreihe gibt es hier.

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Die Zerstörung der jahrtausendealten Kulturstätten im syrischen Aleppo und Palmyra sind aktuelle Beispiele dafür, dass Kriege nicht nur Menschenleben fordern, sondern auch den Verlust von materieller Kultur und kultureller Identität mit sich bringen. Auf dem Symposium „Dealing with Damage“ an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) diskutieren am 1. Februar 2016 Experten und Expertinnen den Umgang von Museen mit Verlusten von Kulturgut. 

Museen und Gedenkstätten stehen als kulturelle und soziale Institutionen in einer konkreten Verantwortung. Welche Möglichkeiten haben sie, Verluste wie die in Palmyra und Aleppo zu dokumentieren und aufzuarbeiten? Wie lassen sich diese Verluste auffangen oder gar kompensieren? Auf welchen Wegen können kulturell wertvolle Objekte gesichert beziehungsweise außer Landes gebracht werden? Und ist es überhaupt legitim, angesichts des Mordens an der syrischen Bevölkerung über Maßnahmen nachzudenken, die sich nicht zuerst und ausschließlich auf den Schutz der Menschen richten?

Während sich der erste Themenkomplex des Symposiums den Möglichkeiten der Sicherung und Dokumentation widmet, geht es im zweiten Teil um die Rolle und Bedeutung von Museen als Ausstellungsorte. Mit welchen Herausforderungen sind sie bei der Vermittlung von Zerstörung und Terror konfrontiert? Wo stoßen sie – auch an ethische – Grenzen der Darstellbarkeit?

Der Syrienexperte Prof. Dr. Kay Kohlmeyer berichtet über die Zerstörung von Kulturgut durch den Islamischen Staat in Aleppo. Issam Ballouz und Karin Pütt stellen das „Syrian Heritage Archive Project“ vor, bei dem Kulturgüter anhand von vorhandenen Daten erfasst und für die Nachwelt gesichert werden. Isber Sabrine fragt danach, welchen Beitrag die Zivilgesellschaft außerhalb eines Krisen- und Kriegsgebietes zum Erhalt von Kulturgütern leisten kann. Felicitas Heimann-Jelinek behandelt die Frage grenzüberschreitender Präsentationsformen. Per Video-Konferenzschaltung spricht Tom Hennes, Ausstellungsdesigner aus New York. Das Symposium endet mit einer Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr. Dr. Fless, der Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts.

Weitere Infos zu dem Symposium gibt es hier.

Quelle:
Gisela Hüttinger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Der Begriff der Identität in der Altertumsforschung steht im Mittelpunkt einer internationalen Tagung des Exzellenzclusters Topoi am 18. und 19. Juni im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Mitte. Welche Spuren finden wir von vergangenen Kulturen und wie stehen wir heute zu historischen Akteuren in Beziehung? Die Antworten auf solche Fragen, die meist Aussagen wie „die Griechen“, „die Germanen“, „die Eliten“, „Jäger“ oder „Sammlerinnen“ enthalten, interessieren nicht nur die Altertumswissenschaften. Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Bis heute werden solche Zuschreibungen zur Legitimation von Machtansprüchen und zu Ein- und Ausgrenzungen in Politik und Gesellschaft, sowie auch im Privatleben verwendet. Doch lässt sich der moderne Begriff der Identität überhaupt auf das Altertum übertragen? Und wie gehen wir mit aktuellen Identitätspolitiken um, die sich auf die Vergangenheit beziehen? Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen – etwa der Archäologie, Geschichte, Ethnologie und Geographie – diskutieren anhand konkreter Beispiele über Identitätspraktiken der Antike und der Moderne mit Bezug auf die Altertumswissenschaften.

In den Altertumswissenschaften ist der Begriff Identität relativ neu. Erst seit den 1990er Jahren wurde er in Deutschland für die Erforschung der Alten Welt erschlossen und scheint derzeit mehr und mehr zu einem Schlüsselbegriff zu werden. Statt jedoch in der Moderne entwickelte Konzepte auf die Vergangenheit zu übertragen, soll bei der Tagung diskutiert werden, wie der Begriff für die Erforschung eines weiter zurückliegenden Zeitraums der Menschheitsgeschichte verwendet werden kann. Dabei spielt auch die Quellenlage eine zentrale Rolle – für einige Kulturen sind bereits Texte überliefert, für andere nur Objekte. Ferner geht es darum, wie moderne Identitätsdiskussionen die Forschung geprägt haben und immer noch beeinflussen sowie welche Identitätsangebote die Altertumswissenschaften wiederum der Öffentlichkeit unterbreiten.

Das Thema der von Dr. Kerstin Hofmann, Nachwuchsgruppenleiterin am Exzellenzcluster Topoi und am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität, organisierten Tagung wird in vier Themenbereichen erschlossen: Identitäten: Theorien – Konzepte – Zugänge, Identität und Wissen, Identität und Raum sowie Identität und Repräsentation.

Identität zählt zu den Schlüsselbegriffen des Exzellenzclusters Topoi und wird in einer übergreifenden Arbeitsgruppe untersucht. Der Exzellenzcluster Topoi ist ein Forschungsverbund von Freier Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Deutschen Archäologischen Institut und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.

 

Weitere Infos zu der Tagung gibt es hier. 

Quelle:

Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Im Nil-Delta lassen sich im größeren Umfang Spuren einer neolithischen Besiedlung der sogenannten Merimde-Kultur nachweisen. Das ist das Ergebnis von Feldforschungen und Archivstudien, die Prof. Dr. Joanne Rowland, Professorin für Ägyptologie an der Freien Universität Berlin, im Rahmen eines Forschungsprojektes des Exzellenzclusters Topoi durchgeführt hat. Bestätigung dafür brachte vor allem auch ein Grabungsschnitt, der im Sommer 2014 unter der Leitung von Joanne Rowland in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Altertümer durchgeführt wurde.

Er zeigt Spuren von Besiedlung 200 Meter südwestlich der bisher angenommen Besiedlungsgrenze. Die Grabung fand unter der Federführung der britischen Egypt Exploration Society (EES) statt und wurde von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Center for International Cooperation der Freien Universität sowie dem Exzellenzcluster Topoi der Freien Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin gefördert.

Die Wissenschaftler um Joanne Rowland, darunter auch Dr. Geoffrey Tassie und Sebastian Falk, wollen nun herausfinden, ob die ersten Menschen, die in diesem Gebiet bereits vor dem Neolithikum als Jäger und Sammler lebten, auch noch präsent waren, als sich die ersten Gruppen dort dauerhaft niederließen. Zudem gehen sie Gründen für die Sesshaftwerdung nach und ob veränderte Umweltbedingungen dazu beitrugen. Durch Analysen im nächsten Sommer soll zudem näher bestimmt werden, ob der neu entdeckte Bereich von Anfang an Teil des Siedlungsgebiets war oder ob die Bewohner des Merimde Beni Salama erst später dorthin auswichen.

Dafür arbeiten die Archäologen eng mit Naturwissenschaftlern zusammen: „Der Einsatz von naturwissenschaftlichen Methoden in Kombination mit der Berücksichtigung von Archivmaterial ermöglicht uns neue Perspektiven auf die Entwicklung des Neolithikum in Ägypten“, sagt Joanne Rowland.

Ziel des Forschungsprojektes „Das Nil-Delta im Neolithikum“ ist es, geographische Bedingungen und Umweltfaktoren bei der Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte des Ortes stärker einzubeziehen. Dafür betrachten die Wissenschaftler nicht nur die neolithische Merimde-Kultur (5.300 bis 4.000 v. Chr.), sondern auch die Zeit bis 9.000 v. Chr. (Epipaläolithikum), jene Zeit, in der ein Übergang von den Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern stattfand.

Die neolithische Siedlung Merimde Beni Salama liegt 45 Kilometer nordwestlich von Kairo und wurde 1928 von dem deutschen Archäologen Hermann Junker entdeckt. Die Grabung im Sommer 2014 wurde möglich, weil eine Gas-Pipeline durch die Region gelegt wurde.

 

Quelle:

Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Der Tahrir-Platz in Kairo, der Maidan in Kiew – eindrucksvoll führen diese zwei aktuellen Beispiele vor Augen, wie öffentlichen Plätzen als Bühnen der politischen Kommunikation und des öffentlichen Handelns in den modernen Städten der Neuzeit wieder Leben eingehaucht wird. Diese Erfahrung mag überraschen, galten die urbanen Plätze lange als Relikte vergangener Zeiten, denen lediglich noch eifrige Verkehrsplaner und Touristen Beachtung schenkten. Dieses wiederbelebte Interesse an den öffentlichen Plätzen spiegelt sich auch in der historischen Stadtforschung wider, wie das Forschungs- und Lehrprojekt digitales forum romanum am Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin zeigt.

In Kooperation mit dem Exzellenzcluster Topoi und dem Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Berlin arbeiten Wissenschaftler und Studierende der Klassischen Archäologie seit 2011 an der Erstellung eines neuen digitalen 3D Modells des antiken Forum Romanum. Hier an diesem öffentlichen Platz Roms wurde Geschichte geschrieben und Politik gemacht, hier wurden die Geschicke der Stadt und des Römischen Reiches gelenkt, hier konzentrierte sich das öffentlich-politische Leben der größten Metropole der Antike über 1000 Jahre, ehe das Forum Romanum seit Ende des 19. Jahrhunderts zur berühmteste Ausgrabungsstätte im Herzen der Ewigen Stadt wurde.

„Unsere digitale Rekonstruktion des Forum Romanum ist zwar nicht die erste, aber wir verfolgen mit unserem Modell einen anderen, auch wissenschaftlich-kritischen Anspruch“, erläutert Prof. Dr. Susanne Muth vom Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin, die das Projekt leitet. “Wo andere digitale Rekonstruktionen ein verlorenes Erscheinungsbild des Forums primär ‚visualisieren‘, setzen wir stärker darauf, mit Hilfe unserer Rekonstruktionen das Forum besser ‚verstehbar‘ werden zu lassen.“ Entstanden ist die Idee zu diesem Forschungsprojekt im Rahmen einer interdisziplinären Forschergruppe im Exzellenzclusters TOPOI, die die Konstruktion und Wahrnehmung antiker Stadträume erforscht. Seine Realisierung gelang, indem das Projekt aus dem Forschungsverbund zwischen Humboldt-Universität und Freier Universität mit außeruniversitären Einrichtungen in die Lehre eingebunden wurde: Unter Anleitung durch Susanne Muth und den Topoi-Mitarbeiter Armin Müller (DAI Berlin) erarbeiteten Studierende der Humboldt-Universität sukzessive digitale Rekonstruktionen der Forumsbauten. Seit 2013 wurden diese dann in ein zusammenhängendes Modell des gesamten Forumsplatzes integriert.

Das neue Modell des digitalen forum romanum vereint erstmals Rekonstruktionen des Forums durch die verschiedenen Epochen und macht dadurch Entwicklungen sichtbar, die möglicherweise auch für aktuelle Diskurse zur Stadtnutzung fruchtbar sein können. „Hier erschließen wir mit unserem Modell ein spannendes und auch aufregendes Neuland. Dass die dynamischen Veränderungen des Platzes teils so einschneidend waren, war in diesem Umfang bisher nicht absehbar“, erklärt Erika Holter, Koordinatorin des Projektes.

Zwanzig Studierende haben mit viel Engagement und wissenschaftlicher Sorgfalt von Anfang an mitgearbeitet. „Die Einbindung der Studierenden in die aktuelle Forschungsarbeit hat sich als ein Glücksfall erwiesen: Für die Studierenden, indem sie unmittelbar Anteil an wissenschaftlicher Exzellenzforschung nehmen konnten, als auch für das Projekt, indem so viele Personen engagiert ihre Kompetenz einbringen konnten“, betont Susanne Muth.

Erste Ergebnisse des Projekts werden nun auf einer frei zugänglichen Website vorgestellt.

Quelle:
Hans-Christoph Keller
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin

Wie unerwartet farbig viele Berliner Denkmale sind, kann man beim Tag des offenen Denkmals am 13. und 14. September entdecken. Das diesjährige Schwerpunktthema „Farbe“ verspricht sinnliche Erlebnisse und lenkt den Blick auf Details wie Wandmalereien, Glasfenster und Mosaike. In Berlin warten weit über 300 Denkmale auf Entdeckung.
Fast alle Angebote sind kostenfrei. Für Führungen ist häufig eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich.

Infos zum Programm am Tag des Offenen Denkmals findet ihr hier!

 

 

Heute wurde die neue Dauerausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Neuen Museum feierlich eröffnet. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Allein schon wegen der besonderen Architektur des Gebäudes, der wunderbaren Verbindung von historischer Substanz mit modernen Materialien und schlichten Formen, komme ich immer wieder gern an diesen Ort.

Mit der heutigen Eröffnung beginnt „das Erlebnis, die ältesten Epochen der Menschheitsgeschichte in einer Ausstellung lebendig werden zu lassen.“, so heißt es im Programm. Klingt vielversprechend. Der Rundgang startet im Roten Saal. Gleich beim Betreten des Raumes habe ich tatsächlich das Gefühl, in die Vergangenheit gereist zu sein, wenn auch nicht bis zum Ursprung der Menschheitsgeschichte, sondern „nur“ etwa 150 Jahre zurück. Im Roten Saal werden die größten und bedeutendsten Sammlungen, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Grundstock des Museums für Vor- und Frühgeschichte bildeten, in traditionellen Vitrinen präsentiert. Ganz im Ambiente einer Studiensammlung des 19. Jahrhunderts.

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Archäologie in Berlin (LH)

Einen absolut erfrischenden Kontrast dazu bildet der nächste Raum mit aktuellen Funden aus dem Zentrum von Berlin. Hier gibt es Objekte wie mittelalterliche Keramik bis hin zu verrosteten Soldatenhelmen aus dem Zweiten Weltkrieg. In der modernen archäologischen Forschung geht es eben schon längst nicht mehr nur um „alte“, längst vergangene Epochen!

 

Unmittelbar hinter den Funden aus dem Zweiten Weltkrieg wird der Besucher zurück in die frühen Kapitel der Menschheitsgeschichte geführt. Kaum habe ich den Raum betreten, blicke ich direkt in die Augen des Neandertalers aus Le Moustier. Die auf der Grundlage aktueller Forschungen erstellte Gesichtsrekonstruktion wirkt ergreifend lebendig. In Zusammenarbeit mit Fachspezialisten und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte wurden anhand des Schädels und der vermuteten Lebensumstände des ca. 11-jährigen Neandertalerjungen die physiognomischen Merkmale und die zu erwartende Dicke der Weichteilauflagen erarbeitet.

 

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Ergreifend echt: Der Neandertaler aus Le Moustier. (LH)

 

In rauhen Mengen wird im nächsten Raum das neue, der folgenden Epoche seinen Namen gebende Material präsentiert: Bronzegegenstände, wohin ich auch blicke. Die Anordnung der Großvitrinen erfolgt wie in einer Prozessionsstraße und gibt die Sicht auf den berühmten Berliner Goldhut frei.

Zeremonialhut aus der Bronzezeit (LH)

Zeremonialhut aus der Bronzezeit (LH)

 

Den Abschluss der Dauerausstellung bilden die Funde aus der Eisenzeit. Die Eisenverhüttung, die Gesellschaft und Kultur nachhaltig veränderte, wird nicht nur durch historische Fundobjekte aus Eisen dokumentiert. Der Vorgang der Verhüttung von Eisenerz in sogenannten Rennöfen aus Lehm ist für die Besucher in allen Schritten nachvollziehbar; vermittelt wird so ein Eindruck von dessen technischer Komplexität.

 

Zwischendurch komme ich an einer „Zeitmaschine“ vorbei. In dieser Videoinstallation ist die vorgeschichtliche Entwicklung des Menschen zu sehen, dargestellt in Aquarellbildern mit fiktiven Landschafts-Ausschnitten. Während des Filmes entdecke ich immer wieder Exponate aus der Ausstellung, wie zum Beispiel den Zeremonialhut aus der Bronzezeit. Es wird nachvollziehbar, welche Rolle diese Exponate im Leben unserer Vorgänger gespielt haben. Hier zeigt sich die Grundidee der Ausstellung: Eine spannende Reise zu den frühen Epochen der Menschheitsgeschichte in Europa.

Eine Reise in die früheste Menschheitsgeschichte. (LH)

Eine Reise in die früheste Menschheitsgeschichte. (LH)

 

Die Präsentation von Sammlungen und Aufstellung von Exponaten ist nach wie vor eine große Herausforderung für WissenschaftlerInnen und AusstellungsgestalterInnen. Denn das moderne Bild von den ältesten Epochen der Menschheitsgeschichte wird immer detaillierter, eine übersichtliche Darstellung hiervon immer schwieriger. Diesem Anspruch wird die neue Dauerausstellung in jedem Fall gerecht. Sie schafft es, die Objekte und ihre jeweiligen Kontexte anschaulich und spannend zu vermitteln, und zwar für alle Besucher – egal, ob jung oder alt. Ganz im Einklang mit diesem Ziel fand zur heutigen Eröffnung gleichzeitig auch ein Familientag mit einem umfangreichen Bildungs- und Vermittlungsprogramm im Kolonnadenhof statt.

Steinzeit erfahrbar machen für Jung und Alt. (LH)

Steinzeit erfahrbar machen für Jung und Alt. (LH)

 

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr

Adresse: Neues Museum (Museumsinsel), Besuchereingang: Bodestraße 1-3, 10178 Berlin

 

Weitere Infos zum Neuen Museum gibt es hier.

Vierundvierzig Objekte spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum zurück. Die Stücke waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion transportiert worden und gelangten 1958 im Zuge der Rückgabeaktion an die DDR fälschlicherweise in das Ägyptische Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig.

Sie stammen aus dem 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr., überwiegend aus Ägypten und teils aus dem Weströmischen Reich. Die Objekte schließen Lücken in den Beständen und ermöglichen weitere Forschungen sowohl zur spätantiken und frühbyzantinischen Alltagskultur als auch zur eigenen Sammlungsgeschichte. Am Montag wurden sie in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte: „Es zeigt sich, wie gewinnbringend die Erforschung der Sammlungsgeschichte und Provenienzrecherchen sein können. Die Rückkehr der Objekte ist ein großes Glück für das Museum, zumal es heute archäologische Fundstücke kaum noch neu erwerben kann angesichts der häufigen Illegalität solcher Waren auf dem Markt.“

Etwa die Hälfte des Bestandes des heutigen Museums für Byzantinische Kunst, circa 3.000 Objekte, wurde nach Kriegsende in die Sowjetunion abtransportiert. Die während des Krieges im Flakbunker Friedrichshain ausgelagerten Sammlungsteile, darunter die meisten der spätantik-frühbyzantinischen Gebrauchsgegenstände aus Ägypten, galten nach dem Brand im Leitturm der Bunkeranlage im Mai 1945 als zerstört. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach spätantik-ägyptische Alltagsobjekte der Berliner Sammlung in russischen Ausstellungen entdeckt. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass sie sich bei Kriegsende im Flakbunker Friedrichshain befanden. Dennoch nähren solche Entdeckungen, wie auch der Fund der zwei Kisten, die Hoffnung, dass noch weitere, bisher zerstört geglaubte Objekte auftauchen.

Der Kustos des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig, Dr. Dietrich Raue, sagte am Montag in Berlin, es sei „ein sehr befriedigender Teil der Museumsarbeit gewesen, in diesem Fall mitzuwirken, dass die Objekte jetzt wieder dort sind, wo sie hingehören“. Die Herkunft der Objekte sei von Studierenden der Universität Leipzig erforscht worden. „Sie haben uns nie gehört. Also haben wir auch nichts verloren“, erklärte Raue. Die nun nach Berlin zurückgekehrten Objekte waren während des Rücktransports aus der Sowjetunion 1958 verstreut in mehreren Kisten gelagert, die zum größeren Teil aus Leipzig stammende Objekte enthielten.

Die Berliner Stücke waren nicht in den Begleitlisten verzeichnet und konnten daher nicht zugeordnet werden. Nach zunächst ergebnislosen Anfragen bei verschiedenen Dresdner und Berliner Museen führten weitere Recherchen zum Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.
Dort führte ein Abgleich mit den Inventarlisten, dem Verlustkatalog und einem Bestandskatalog von 1909 wie auch der Erwerbungsnummern zu einer Klärung der Provenienz von
44 der insgesamt 47 Objekte in den beiden Leipziger Kisten.
Die Herkunft dreier Stücke bleibt vorerst ungeklärt. Die originalen russischen Transportkisten sind nicht erhalten.
Die Objekte wurden in Leipzig – offenbar nach 1990 – in zwei stabile Kisten gepackt, in denen sie bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin lagerten. Es handelt sich nach Angaben Raues überwiegend um Stücke aus frühchristlicher Zeit des 4. bis 7. Jahrhunderts, zumeist aus Ägypten.

Derzeit fragt das Byzantinische Museum bei allen archäologischen Sammlungen in den östlichen Bundesländern an, ob möglicherweise weitere „Irrläufer“ aufzufinden sind.
Parallel hierzu wird ein Katalog vorbereitet, der die noch vermissten Objekte, beim gegenwärtigen Stand circa 1.600 Positionen, auflistet. Er soll im nächsten Jahr erscheinen und bei der Klärung von Provenienzfragen helfen. Mit ihm wird die Identifizierung eventueller „Irrläufer“ in Museumsdepots dann einfacher sein.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

Susann Huster

Pressestelle

Universität Leipzig

Pergamon – Die antike Stadt in Kleinasien ist vor allem durch den Pergamonaltar weltweit bekannt geworden. Jährlich zieht es viele Besucher auf die Museumsinsel, um den Kampf zwischen den olympischen Göttern und den Giganten auf dem Altarfries zu bestaunen. Was weiß man über die Stadt, über die Menschen, die hier lebten? Erstmals der Öffentlichkeit gezeigte Exponate aus den Beständen der Antikensammlung sowie zahlreiche Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen sollen in der neuen Sonderausstellung ein anschauliches Bild vom Leben in Pergamon vermitteln.

Jetzt endlich, einige Wochen nach der Eröffnung und nachdem der erste große Besucherstrom etwas nachgelassen hat, will ich mir ein eigenes Bild von der vielfach angekündigten Ausstellung machen.

Dunkelbraun gestrichene Wände und ein meterhohes Regal mit großen Holzkisten – bereits der erste Raum wirkt irgendwie ungewöhnlich. Hier geht es um die Grabungsgeschichte von Pergamon. Dass es die Friese des Pergamonaltars überhaupt noch gibt, haben wir dem deutschen Ingenieur Carl Humann zu verdanken: Bei Straßenbauarbeiten im türkischen Bergama bekam er mit, wie auf dem Burgberg Reste großer Friesplatten von Kalkbrennern zerschlagen und zu Kalk verarbeitet wurden. Sogleich bemühte er sich um eine Grabungserlaubnis für die Berliner Museen. Die erforderlichen Erlaubnisse, Erlasse und weitere Dokumente vermitteln in diesem Raum einen spannenden Eindruck von den Grabungskampagnen im 19. Jahrhundert.

Vor allem die ausgestellten Skulpturen gefallen mir: Sie zeugen von der glanzvollen Zeit der hellenistischen Metropole im 2. Jh. v. Chr. Damals gelang es König Eumenes II., mit einem gewaltigen Bauprogramm seiner Residenzstadt hinsichtlich Kunst und Kultur überregionale Bedeutung zu verleihen.

Ich betrete einen sehr hohen, hellen Raum, mit einem Spiegel an der Decke. Griechische Namen an den Wänden, wohin ich auch blicke. In einer Gesamtgenealogie hat der Pensionär Dieter Macek über 7000 Götter und Heroen verzeichnet. Yadegar Asisi nutzte den Stammbaum als Basis seiner Installation, in welcher der Deckenspiegel den Menschen als eigentlichen Schöpfer dieser Welt der Götter und Heroen enthüllt. Ein origineller Höhepunkt der Ausstellung.

Nicht nur antike Skulpturen, Archivdokumente, Inschriften und Architekturelemente, sondern auch Zeugnisse der Rezeption pergamenischer Kunst werden präsentiert. Denn bereits ab dem 19. Jahrhundert faszinierte die antike Metropole Künstler und Literaten.

Insgesamt beeindrucken mich an der Sonderausstellung die ungewöhnlichen Formen der Vermittlung. Dazu gehört auch das vom Berliner Künstler Yadegar Asisi errichtete 360-Grad-Panorama. Auf dem 24 x 103 m großen fotorealistischen Rundbild im Ehrenhof des Museums sieht der Besucher detailgetreue Eindrücke der Stadt Pergamon im 2. Jh. n. Chr. Mit einer Tag- und Nachtsimulation, einer der antiken Stadt nachempfundenen Geräuschkulisse sowie Hintergrundmusik werden die Sinne des Besuchers angesprochen. Egal, ob man vor oder erst nach der Sonderausstellung das Panorama besucht – es ist originell und eine spannende Abwechslung.

Leider durfte ich vom Panorama keine Fotos machen! Dafür aber von der Ausstellung:

Hellenistische Skulpturen (LH)

Hellenistische Frauenstatue (LH)

Attalos I. (LH)

Bruchstücke von Bronzefiguren (LH)

Der Gallier und seine Frau. Gipsabguss (LH)

Göttergenealogie mit Mensch im Zentrum (LH)

Götter und Heroen (LH)

Rekonstruktion von Pergamon. Maler: Friedrich Thiersch, 19. Jh. (LH)

Sonntag Nachmittag auf der Museumsinsel in Berlin: Seit etwa zehn Tagen ist die Sonderausstellung „Pergamon – Panorama einer antiken Metropole“ geöffnet. Die Warteschlangen reichen vom Museum bis zur Straße. Damit sie nicht kürzer werden, befördern Reisebusse im Minutentakt weitere Menschenmassen an den Ticketstand. Die Ausstellung lockt mit vielen Skulpturen, Gemälden und einem spektakulären 360 ° Panorama. Ich gehe am Pergamonmuseum vorbei und nehme mir vor, die Ausstellung bald zu besuchen – nur bestimmt nicht heute. Ich biege in die nächste Straße ein und steuere zielstrebig auf das Neue Museum zu.

Neben der spektakulären Sonderausstellung im Pergamonmuseum wirkt eine weitere Ausstellung im Bode-Museum derzeit wie ein Besuchermagnet. Es ist also der beste Zeitpunkt, um andere, ruhigere Orte auf der Museumsinsel aufzusuchen – beispielsweise das Neue Museum. Der Kontrast zur Situation vor dem Pergamonmuseum könnte nicht größer sein: Lediglich zwei Damen stehen in der Warteschlange vor mir. Nach drei Minuten halte ich bereits mein Ticket in der Hand. Zwei Minuten später betrete ich den ersten Raum.

Im Neuen Museum sind das Ägyptische Museum und Papyrussammlung sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten der Antikensammlung beheimatet. Heute will ich vor allem das Gebäude und seine Architektur kennenlernen.

Die Geschichte des Bauwerks beginnt im Jahre 1840. Weil die Räume des Alten Museums für die Präsentation der wachsenden Sammlungen nicht mehr genügend Platz boten, beauftragte Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen, den Architekten Friedrich August Stüler mit der Planung des Neuen Museums. Architektur und Raumgestaltung waren als ein begehbares Kompendium der Kulturen von der Steinzeit bis in die Neuzeit gedacht. Das Konzept zielte auf ein lückenloses Bild der historischen und künstlerischen Entwicklung ab: Neben Originalobjekten standen viele Repliken. Zudem lieferten dekorative Wandbilder historische Hintergrundinformationen. Passend zur jeweiligen Ausstattung erhielten die Räume Namen wie „Vaterländischer Saal“ oder „Griechischer Hof“.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Neue Museum schwer beschädigt. Der eigentliche Wiederaufbau des Museums begann nach einer längeren Vorbereitungsphase schließlich 2003. Die Leitung hierfür übernahm der britische Architekt David Chipperfield. Er verzichtete auf die Rekonstruktion verlorener Innenausstattungen. Stattdessen ergänzte Chipperfield die historische Substanz mit modernen Materialien und schlichten Formen.

Meine Eindrücke habe ich in folgenden Bildern festgehalten.

Blick auf die Treppenhalle (LH)

Sichtbare Spuren der Vergangenheit (LH)

Im Ethnopraphischen Saal (LH)

Blick in den Ägyptischen Hof (LH)

Im Apollosaal (LH)

Studiensammlung im Stil des 19. Jahrhunderts (LH)

Aussicht von der dritten Ebene (LH)

Berliner Skulpturenfund im Griechischen Hof (LH)